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Trotz Arbeitsunfall stets nach vorn geschaut

Menschen im Fläming Trotz Arbeitsunfall stets nach vorn geschaut

Während seiner Lehre zum Fleischer verlor Martin Specht seinen linken Arm. Der Mann aus Cammer hat sich davon aber nicht unterkriegen lassen – arbeitslos zu sein, das kam für ihn nicht in Frage. Seit vielen Jahren arbeitet er nun schon als Fahrer beim Deutschen Roten Kreuz – und ist seinem ursprünglichen Beruf trotzdem ein bisschen treu geblieben.

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Als Fahrer beim Deutschen Roten Kreuz fühlt sich Martin Specht sichtlich wohl.

Quelle: Andreas Koska

Cammer. Gut fünf Jahre habe er gebraucht, um seine Behinderung zu akzeptieren, sagt Martin Specht. Der Cammerer war im zweiten Lehrjahr auf einem Schlachthof in Brandenburg tätig, als ein Finger seiner linken Hand in den Fleischwolf geriet. Der Arm wurde durch die sich drehende Schnecke immer weiter reingezogen. „Zum Glück war noch eine Kollegin im Raum, die den Notknopf gedrückt hat – sonst wäre ich vielleicht zu Hackfleisch verarbeitet worden“, erinnert sich Specht.

Seine Lehre zum Fleischer hat der mittlerweile verheiratete Familienvater seinerzeit dennoch abgeschlossen. „Ich hatte zum Unfallzeitpunkt fast alle Prüfungen hinter mir – die Rinderprüfung wurde mir dann erlassen“, erzählt der 54-Jährige. Als Fleischer habe er allerdings nicht arbeiten können. So sei Specht erst Wiegemeister in Golzow und später Gemeindearbeiter in seinem Heimatdorf geworden. Trotz seiner Behinderung habe er immer nach vorne geschaut.

Führerschein mit 32 Jahren

Mit der Wende eröffneten sich neue Möglichkeiten und Specht machte mit 32 Jahren den Führerschein. „Die Prüfung war am Freitag und am darauffolgendem Montag habe ich an der TÜV-Akademie in Spandau gleich noch einen Staplerfahrerschein gemacht“, erzählt der zweifache Großvater.

Das Autofahren sollte dann auch sein weiteres Leben bestimmen. Für einen Pressevertrieb habe er zunächst Zeitungen ausgeliefert. Als der Betrieb aufgelöst wurde, habe er sofort nach einer neuen Tätigkeit gesucht. „Der damalige Hauptamtsleiter in Brück, Herr Kleinerüschkamp, hat mich dabei immer unterstützt“, sagt Specht.

Schließlich konnte der Cammerer als Fahrer beim Deutschen Roten Kreuz anfangen. Seitdem habe er mehr als 330 000 Kilometer mit behinderten Schülern sowie älteren und kranken Patienten zurückgelegt. Sein Transporter – ein VW T5 mit Rampe – durfte vor kurzem in den Ruhestand gehen. Bei Specht selbst ist an Rente jedoch noch lange nicht zu denken. Das neue Auto wurde daher eigens auf Spechts Bedürfnisse umgestaltet, so dass er alles mit einem Arm bedienen kann.

Spechts Leidenschaft sind Mopeds und das Arbeiten mit Holz

Auch in seiner Freizeit beschäftigt sich Specht mit fahrbaren Untersätzen. Seit 25 Jahren restauriert er alte Mopeds, besitzt einen Habicht und eine S53. Auch mit Holz zu arbeiten, liege ihm. „Ich wollte eigentlich Tischler werden, die Leidenschaft für das Material hat bis heute nicht nachgelassen“, sagt Specht und zeigt auf das Geländer seiner Terrasse und die Stühle, die er selbst gefertigt hat.

Das Fleischerhandwerk hat ihn ebenfalls weiter durchs Leben begleitet. Spechts selbst gemachte Bratwürste und die Schlackwurst sind im gesamten Zweimühlendorf berühmt. „An den Rezepten habe ich fünf Jahre gefeilt und immer wieder etwas verändert – bis sie so schmeckten, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Martin Specht hofft, mit seiner Geschichte anderen Betroffenen Mut zu machen.

Von Andreas Koska

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