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Trubel um den Trödelmarkt auf dem Turnplatz

Bad Belzig Trubel um den Trödelmarkt auf dem Turnplatz

Trödelmärkte dienen wegen ihres kommerziellen Charakters nicht der Sonn- und Feiertagsruhe. Sie sollten deshalb nicht genehmigt werden, sagt die Ordnungsbehörde des Kreises Potsdam-Mittelmark. Von Veranstalterin Gisela Hohmann, den Händlern und Kunden auf dem Turnplatz Bad Belzig gibt es Widerspruch.

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Trödelmarktveranstalterin Gisela Hohmann

Quelle: Foto: René Gaffron

Bad Belzig. Wer noch nicht das richtige Geschenk im Nest hatte, bekam am Osterwochenende eine zweite Chance. Zwischen Kitsch und Krempel waren in Bad Belzig wie immer Kostbarkeiten zu erstehen. 30 Händler aus nah und fern breiteten ihre Angebote auf dem Turnplatz aus und trotzten dem steten Wechsel von Sonne, Wind und Regen beim ersten Trödelmarkt dieses Jahres in der Kur- und Kreisstadt.

„Das ist das übliche Risiko“, sagt Viktor Mitenko. An Terminen mit besseren Bedingungen hat er schon doppelt so viel Zuspruch erlebt. Doch für den Marktleiter und seine Frau Gisela Hohmann als Organisatorin sowie ihre zahlreiche Kundschaft zieht eine ganz andere Gefahr herauf. Denn die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark sieht sich offenbar in der Pflicht, die Ruhe an Sonn- und Feiertagen schützen.

„Die werktägliche Geschäftstätigkeit hat an dieses Tagen zu ruhen“, heißt es in einem Schreiben, das den Amts-, Stadt und Gemeindeverwaltungen zum Jahreswechsel zugegangen ist. „In der verwaltungsgerichtlichen Rechtssprechung wird überwiegend die Auffassung vertreten, dass die Veranstaltung wegen ihres kommerziellen Charakters mit dem Wesen von Sonn- und Feiertagen nicht vereinbar ist“, ist in dem Brief der Ordnungsbehörde aus Werder/Havel weiter zu lesen.

„Sie sollten in der Regel folglich abzulehnen sein“, lautet die Schlussfolgerung. Das 4-Seiten-Papier listet gleich noch Versagungsgründe für Privatmärkte und Sammlerbörsen auf.

Diesen Amtsschimmel reitet das Rathaus derzeit nicht und hat erst einmal das bunte Treiben, wie es seit etwas zehn Jahren zwischen Frühling und Herbst etwa alle zwei Monate stattfindet, genehmigt. „Eine Stellungnahme an die Aufsichtsbehörde ist noch in Arbeit“, sagt Petra Tersch auf die MAZ-Nachfrage. Zum Inhalt will die für Gewerbe zuständige Fachamtsleiterin noch nichts verraten. Tatsache ist, dass den Betroffenen noch nicht mitgeteilt wurde, dass sich jemand durch Handel und Wandel, Lärm oder Dreck in seinem Bedürfnis nach Erholung eingeschränkt fühlt.

Es sei keine Alternative, am Freitag oder Sonnabend die Märkte auszurichten, auch weil die meisten Händler einem Hauptberuf nachgehen. „Es macht ja den Charakter aus, dass am Wochenende gern als eine Art des Freizeitvergnügens geschlendert und gefachsimpelt wird“, sagt jedenfalls Gisela Hohmann, die aus Krefeld stammt. Bund und Länder, so räumt das Landratsamt immerhin selbst ein, haben keine Regelung zur Zulässigkeit von Floh- und Trödelmärkten getroffen.

Das ist durchaus im Sinne von Viktor Mitenko. „Politik und Verwaltung sollten sich dort heraushalten, sonst ist das Freiheitsberaubung“, findet er. „In Berlin oder Cottbus käme niemand auf solche Idee. Aber in den Kleinstädten zwischen Havel und Fläming soll ein Verbot gegen den Willen der Leute durchgesetzt werden.“

Von René Gaffron

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