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Trügerische Idylle: Oberjünne stirbt aus

Zuhause in Mittelmark Trügerische Idylle: Oberjünne stirbt aus

Das kleine Schild an der B102 in Golzow ist nur zu erkennen, wenn man aus Richtung Bad Belzig kommt: Lucksfleiß, ohne Kilometerangabe. Wer hier entlang fährt, der merkt ziemlich schnell, dass hier der sprichwörtliche Hund begraben liegt. Die Dörfer nahe Golzow werden immer älter, und der Nachwuchs fehlt.

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Symbolbild: In Lucksfleiß liegt der sprichwörtliche Hund begraben.

Quelle: Andreas Koska

Oberjünne. Das kleine Schild an der B102 in Golzow ist nur zu erkennen, wenn man aus Richtung Bad Belzig kommt: Lucksfleiß, ohne Kilometerangabe.

Jetzt heißt es abbiegen. Vorbei an neu entstandenen Häusern von Königsberg, wie der Golzower Ortsteil jenseits der Gleise der ehemaligen Städtebahn heißt. Dann kommt nichts mehr. Rechts und links Wiesen, es heißt aufpassen, denn die Rehe queren hier die Straße, ohne auf den seltenen Verkehr zu achten. Ein kunstvolles Schild auf der linken Seite weist auf die Zufahrt nach Hammerdamm, einem ehemaligen Vorwerk.

Erstaunen: Es gibt neu entstandene Häuser

Vor kurzem wurde hier das Hauptgebäude restauriert. Der Raseneisenstein erstrahlt in neuem Glanz. Die große Terrassentür zum Kaminzimmer ist ebenso neu, wie auch der Rest des Hauses. Gegenüber des Haupthauses steht eine langgestreckte Scheune, gleichzeitig als Stallung genutzt. Hier muss noch einiges getan werden. Nach Süden hin schließen zwei kleine Wohnhäuser das Areal ab. Hier wohnen insgesamt fünf Menschen.

In der Mitte des Areals fällt ein kunstvoll gestaltetes Taubenhaus auf. Tauben hält hier zwar keiner mehr, aber andere einheimische Vögel nehmen das Domizil gern an.

Weiter geht es in Richtung Lucksfleiß. Hier am scheinbaren Ende der Welt, wird aus der Straße urplötzlich ein feuchter Feldweg. Fahrradfahrer und Wanderer gelangen von hier aus bis zur Kunstkirche nach Meßdunk. Autofahrern ist anzuraten zu wenden und zurück zu fahren. 14 Wohnhäuser erstrecken sich auf der einen Straßenseite, die andere ist Stallungen und Wirtschaftsgebäuden vorbehalten.

Willkommen am scheinbaren Ende der Welt – Lucksfleiß!

Das Kolonistendorf wurde zwischen 1776 und 1779 von einer Frau von Luck angelegt. Die Golzower spotteten damals gern und nannten es „Luckenpuhl“, da das Gelände rundum sumpfig war. Heute leben hier 41 Menschen, Bernd Tharann zählt dazu. Der 55-jährige betreibt einen Autohandel und eine Reparaturwerkstatt. Wie fast alle Bewohner ist er hier geboren, aufgewachsen – und geblieben.

Zwar wohnte Tharann einige Jahre in Michelsdorf, aber das zählt nicht. Er ist gern in sein Heimatdorf zurück gekehrt. „Ich habe mein Auskommen, meine Kunden kommen hier raus, sicher wäre es woanders einfacher – aber es geht“, bilanziert der Automechaniker. Trotzdem befürchtet er über kurz oder lang, dass das entlegene Dorf ausstirbt. „Die, die hier wohnen, sind schon alle älter. Die Jugend will nicht hierher“, sagt Tharann etwas traurig. Lucksfleiß scheint eine trügerische Idylle zu sein.

Von Andreas Koska

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