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Potsdam-Mittelmark Turbulente Szenen in der Regionalbahn
Lokales Potsdam-Mittelmark Turbulente Szenen in der Regionalbahn
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19:43 21.04.2016
Polizistin Conny Wiesner in ihrer besten Rolle – als Dynamo-Fan. Hinten im Abteil rufen die Jungs: Hertha, Hertha... Quelle: Jens Steglich
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Wilhelmshorst/Jüterbog

Es passiert auf der Strecke zwischen Wilhelmshorst und Jüterbog. Die Leute sitzen in der Bahn und ahnen nichts Böses , als ein Betrunkener einsteigt, einen Schluck aus der Ouzo-Flasche nimmt, fluchend durch den Gang torkelt und Fahrgäste anpöbelt. Die meisten hoffen wohl: Hoffentlich lässt er mich in Ruhe. Doch was tue ich, wenn der Ouzo-Trinker mich angeht und was passiert, wenn er einen anderen Fahrgast in die Mangel nimmt?

Für den Reisenden ist eine solche Situation ein kleiner Alptraum und ein Härtetest, dem man gern aus dem Weg gegangen wäre. Doch in einer Bahn ist es schwer, davonzulaufen. Elke Lachmann, Polizeioberkommissarin, weiß zumindest, welches Verhalten in solchen Momenten klug wäre: Nie versuchen, dem Betrunkenen die Schnapsflasche wegzunehmen, sagt sie. Oft ist es die einzige „Nahrung“, die er am Tag zu sich nimmt. „Er gibt die Flasche nicht her.“ So eine Flasche aber kann zum Wurfgeschoss oder zur Waffe werden. Sie rät Bedrängten außerdem: Steht auf und sucht einen anderen Platz. „Und wenn ihr einem Fahrgast helfen wollt: Macht es nicht allein, holt andere mit dazu.“

In der Regionalbahn 33 sind solche Szenen am Donnerstag in Echtzeit durchgespielt worden. Im Zug der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) saßen 23 Schüler aus den siebten Klassen der Oberschule Wilhelmshorst. Den Besoffenen in der Bahn spielte freilich eine Frau, und das sehr überzeugend. „Ich war in der Schule in der Theater AG“, erzählt Polizeiobermeisterin Conny Wiesner, die kurz vorher durch den Waggon taumelte, ihre Füße auf den Schoß eines Schülers legte und eine Runde schlief. Oft machen Trinker nichts weiter, als streng zu riechen, sagt Elke Lachmann. Das schlimmere Kaliber wird den Schülern beim nächsten Rollenspiel kurz vor Jüterbog begegnen.

Es ist das erste Mal, dass die Frau aus dem Bundespolizeirevier Potsdam das Verhalten in diesen Situationen mit Schülern in einer Regionalbahn übt. „Rollendes Klassenzimmer“ nennt sich das Projekt, das mit der Odeg realisiert wird. Alles läuft unter dem Motto: „Helfen – ohne sich selber zu gefährden!“ Deshalb gab es auch die Mahnung: Nicht auf den Räuber stürzen, mit dem es die jungen Leute kurz vor Jüterbog zu tun bekommen. Er ist wieder eine Sie: Elke Lachmann zieht sich die Stiefel an, läuft durchs Abteil und schreit ein Mädchen an: „Gib mir deine Turnschuhe.“ Die Räuberin zieht dem Opfer die Schuhe aus, das Mädel ruft: Hilfe! Niemand hilft. Als würden sie im Kino sitzen, schauen alle gespannt zu. Beim zweiten Test läuft es anders: Die Hälfte der Schüler steht auf, als Gruppe gehen sie auf die Räuberin zu und ein Junge sagt noch: „Jetzt gibt’s Kloppe.“ Kampfszenen wollen die Polizistinnen nicht sehen – ist zu gefährlich. Alles andere sei richtig gut gewesen. Nur eins hätten sie sich noch gewünscht: „Dass einer zum Handy greift und die Polizei ruft. Dafür sind die Dinger da.“

Vorsicht Stromschlag-Gefahr!

Lebensgefahr droht nicht nur auf und an Gleisen, auch von Oberleitungen sollte man sich fern halten. In Fürstenwalde starb im Februar ein 15-Jähriges Mädchen, als sie mit zwei Jungs auf einen abgestellten Kesselwagen geklettert war.

Die Jungs liefen gebückt, das Mädchen richtete sich kurz auf, bekam einen Stromschlag und starb. „Schon wenn ihr anderthalb Meter in die Nähe der Oberleitung kommt, springt der Strom über“, warnte Polizeioberkommissarin Elke Lachmann.

Zu Pöbeleien in der Bahn gibt es keine Statistiken. „Es passiert fast täglich“, sagt die Polizistin. Oft erfährt die Polizei nicht davon.

Der Halt in Jüterbog wird zu einem Abstecher in den Jugendclub genutzt, um noch über das Verhalten an Bahnanlagen und die Gefahren, die dort lauern, zu reden. Reni Pischke von der Odeg erzählt etwa von den langen Bremswegen eines Zuges. Eine kleine Regionalbahn mit Tempo 120 kommt beim Bremsen erst nach 500 Metern zum Stehen. Ein schneller ICE hat gar einen Bremsweg von drei Kilometern. Wer da über die Gleise läuft, spielt mit seinem Leben. Am Jüterboger Bahnhof bekommen die Schüler noch den Beweis, welchen Sog ein ICE entwickelt, wenn er vorbeirast. Wer nicht hineingeraten will, steht am Bahnsteig vor der weißen Linie. Auf der Rückfahrt hat die Polizistin mit Theater-AG-Erfahrung noch einen Auftritt – in schwarz-gelber Kluft als pöbelnder Dynamo-Fan. Und zum Finale gibt es einen Test: Die jungen Leute werden als Zeugen vernommen. Der Räuber, der auf der Hinfahrt die Turnschuhe klaute, soll beschrieben werden. Mit der Größe liegen sie alle richtig. Einer merkte sich sogar, was in kleiner Schrift auf dem Basecap stand: Feuerwehr Potsdam. „Kinder sind die besseren Zeugen, sie speichern vieles genauer“, sagt Lachmann, die Polizeioberkommissarin.

Von Jens Steglich

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