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Potsdam-Mittelmark Turmbläser verkünden die frohe Botschaft
Lokales Potsdam-Mittelmark Turmbläser verkünden die frohe Botschaft
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10:56 31.03.2018
Jahr um Jahr erklimmen die Bad Belziger Turmbläser am Morgen des Ostersonntags die St. Marienkirche um die Auferstehung Christi zu verkünden. Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

Wenn die Bad Belziger Turmbläser am Sonntagmorgen um sechs vom Turm der Stadtkirche St. Marien die frohe Botschaft von der Auferstehung Christi verkünden, ist die Sonne noch nicht einmal aufgegangen.

Für die acht Frauen und Männer ist der Termin am Ostermorgen jedoch ein besonderer. Auf die Karwoche und den stillen Samstag folgt Osterfreude – die sie in ihrer Musik widerspiegeln.

Zu früher Stunde die 109 Stufen in den 46 Meter hohen Turm hinaufzusteigen, empfinden sie daher auch nicht als Last. Vielmehr sehen die Turmbläser darin eine große Lust. Dass ein Großteil der Einwohnerschaft um diese Zeit noch schläft, stört sie nicht. Schließlich wissen die Musiker unter den nahezu 8000 Kurstädtern auch einige, die die von Posaunen und Trompeten verkündete Nachricht freudig erwarten.

Seit wann vom Turm und speziell zu Ostern geblasen wird, vermag keiner in der achtköpfigen Gruppe um den Bad Belziger Thomas Kruse zu sagen. Nur soviel: Gemeinsam pflegen die Bläser aus Schwanebeck, Neschholz, Lehnsdorf, Neuendorf bei Brück und Bad Belzig einen alten Brauch.

So ist zum Beispiel schriftlich belegt, dass 1883 anlässlich des 400. Geburtstages von Martin Luther und nach der Jahrtausendwende 1899/1900 am Neujahrsmorgen vom Turm Choräle geblasen wurden.

Während des Ersten Weltkrieges kam die Tradition zum erliegen und wurde 1929 wiederbelebt. Im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ heißt es in jenem Jahr: „Wir haben nun wieder die schöne Sitte, dass vom Kirchturm geblasen wird. Warum wird aber nicht wie früher von verschiedenen Seiten des Turmes geblasen, sondern immer nur von einer, und zwar von der nach Südosten zeigenden?“

Probe immer freitags

Die Turmbläser sind Nicole und Kristin Grünthal, Ute Knape, Beatrice, Gabriel und Andreas Müller, Bernd Knott und Thomas Kruse.

Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt bei 40 Jahren. Das jüngste Mitglied ist 18, das älteste 60 Jahre alt.

Die Turmbläser haben pro Jahr durchschnittlich 20 Auftritte außerhalb der Kirche.

Geprobt wird jeden Freitag um 19 Uhr im Bad Belziger Jacob-Wächtler-Haus.

Von April bis Oktober und dann jeweils am ersten Sonnabend im Monat sind die Trompeten und Posaunen der Turmbläser um 18 Uhr auf dem Turm der St. Marienkirche zu hören.

Die nordwestlich von St. Marien lebenden Belziger konnten die Bläser damals nur hören, wenn der Wind den Instrumentenklang in die entsprechende Richtung trug. Erfüllen sollte sich der Wunsch des namentlich ungenannten Schreibers jedoch nicht.

Kruse erklärt, dass sich von den vier Türen, die der Turm in etwa 40 Metern Höhe unter der ersten Turmhaube hat, auch nur zwei öffnen lassen. Weshalb die Turmbläser traditionell auf dem zur Altstadt hin befindlichen Erker spielen.

Schwindelfrei muss sein, wer dort oben musizieren will. Auch erzählt die Gruppe von einmalig schönen Sonnenaufgängen und vom Turmblasen bei Regen, Wind und Schnee. Von fort gewehten Notenblättern und von Vögeln, die morgens um sechs aus vollen Kehlen zwitschern. So laut, als ob sie mit den Bläsern in einen Wettstreit treten wollen. Und sie erzählen von einem Echo, dass den Klang der Trompeten und Posaunen hell und klar zu ihnen zurückträgt.

Dann zeigen die Musiker auf Inschriften im Uhrengehäuse gegenüber der Turmtüren. In das Holz sind unter anderem Namen wie Müller, Kühne, Horst, Ganzert und Künnemann eingeritzt. Mittendrin auch eine menschliche Gestalt mit Trompete. Die Gruppe vermutet, dass sich die Turmbläser vergangener Jahrzehnte auf dem Holz verewigt haben.

Weiter erzählen sie, dass das Turmblasen auch während des Zweiten Weltkrieges zum erliegen kam und erst durch Kantorin Thea Labes Ende der 1950er Jahre wieder mit Leben erfüllt wurde. Damals gab es vielerorts in den Gemeinden noch Bläsergruppen.

Bernd Knott aus Neuendorf bei Brück nickt bestätigend. Auch er lernte einst vor Jahren als Zehnjähriger im Rahmen der Christenlehre das Spiel auf der Trompete, dem An- und Verkündigungsinstrument schlechthin.

Von Christiane Sommer

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