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Übernachten im alten Jagdhaus von Sir Henry

Bardenitz Übernachten im alten Jagdhaus von Sir Henry

Andreas Bruns hat eine Leidenschaft für sanierungsbedürftige Objekte. Sein jüngstes Projekt dürfen nun Touristen in Beschlag nehmen. Im alten Jagdhaus an der Hermannsmühle erinnert wieder Vieles an den einstigen Bauherrn aus England.

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Innenarchitekt Andreas Bruns richtete die Räume der Ferienwohnung „Sir Henry“ im englischen Stil ein.

Quelle: Victoria Barnack

Bardenitz. Der rote Ziegelbau prägt das denkmalgeschützte Ensemble an der Hermannsmühle bei Bardenitz seit mehr als 100 Jahren. Inzwischen ziert ein großes Hirschgeweih die Fassade von außen. Im Flur setzt sich das Thema des einstigen Jagdhauses fort: Geweihe von Steinböcken und Rotwild, Malereien von Fasanen an den Wänden. Der Boden des Vorraums zum Kaminzimmer ist von einem rot-weißen Terracotta-Muster bedeckt. Vor dem Kamin liegt ein Rinderfell, auf dem Sessel das eines Fuchses. Die Titelseite der New York Times nach dem Untergang der Titanic hängt eingerahmt im Nebenzimmer. Dass ein Engländer großen Einfluss auf die Einrichtung des Jagdhauses an der Hermannsmühle hatte, merkt der Gast spätestens, wenn Hausherr Andreas Bruns den Namen des Apartments verrät: Sir Henry.

Sir Henry hieß eigentlich John Bashford und war als Journalist für eine englische Tageszeitung in Berlin tätig. Viel mehr weiß Andreas Bruns nicht über den Bauherrn. Nur so viel: „Er soll vom Turm aus auf Enten geschossen haben“, erzählt Bruns. Nachdem der Engländer Deutschland zum Krieg 1914 verlassen hatte, stand das Jagdhaus lange Zeit leer und wuchs zu. „Niemand wollte es mehr haben“, erinnert sich Bruns.

Das Jagdhaus aus roten Ziegelsteinen wurde 1900 erbaut

Das Jagdhaus aus roten Ziegelsteinen wurde 1900 erbaut. Das Nebengebäude existierte bereits vorher.

Quelle: Privat

1986 kaufte der studierte Innenarchitekt das Grundstück der Hermannsmühle schließlich, „weil offenbar niemand die Schönheit dieses Ortes erkannte“, sagt er. Seit fast vier Jahren gehört ihm auch das Jagdhaus nebenan. Kontinuierlich arbeitete er an der denkmalgerechten Sanierung. Was er konnte, steuerte er mit eigenen Händen bei. „Als gelernter Tischler habe ich die Dielenarbeiten selbst gemacht“, berichtet Bruns. Schon Sir Henry stand einst auf ihnen.

Ob der Engländer auch Hirschgeweihe und Fasanenmalereien an den Wänden, Kuhfelle vor dem Kamin und die New York Times auf dem Küchentisch hatte, kann Bruns nur mutmaßen. Wenige Fotos vom alten Zustand des Jagdhauses besitzt er zwar. Nicht einmal die Denkmalschutzbehörden wissen jedoch, wie es einst wirklich aussah und ließen Bruns deshalb „relativ freie Hand“. Über negative Erfahrung mit dem Denkmalschutz könne er ohnehin nicht klagen. Das englische Jagdhaus reiht sich in eine lange Liste erfolgreich sanierter Objekte ein. Die Hakenbuden in Treuenbrietzen seien wegen ihres wesentlich höheren Alters eine größere Herausforderung gewesen, erzählt der Sanierer aus Erfahrung.

Geweihe zieren die Wände im Flur und andere Räume der insgesamt drei Ferienwohnungen, die im einstigen Jagdhaus eingerichtet wurden

Geweihe zieren die Wände im Flur und andere Räume der insgesamt drei Ferienwohnungen, die im einstigen Jagdhaus eingerichtet wurden.

Quelle: Victoria Barnack

Beim Jagdhaus hat sich Bruns selbst hohe Ansprüche gesetzt. Die Wandmalereien ließ er von Restauratoren den ursprünglichen Farben nachempfinden. Auch die Lichtschalter aus Porzellan entsprechen dem englischen Stil, den Sir Henry dem Gebäude verliehen hatte.
Mit der denkmalgerechten Sanierung alter Objekte möchte Andreas Bruns „dem Ort, an dem ich lebe, etwas zurück geben“, sagt er. Mit der Tischlerei und einem Küchenstudio in Treuenbrietzen verdient er gutes Geld. „Dieses Geld soll nicht in einer Finca auf Mallorca landen“, sagt er.

Ganz aus eigenen Stücken wäre ihm die Sanierung nach denkmalgeschütztem Vorbild jedoch nicht gelungen. „Eine Förderung war die Voraussetzung“, berichtet Bruns. 2016 erhielt er für das Projekt eine Fördersumme in sechsstelliger Höhe durch die LAG Fläming-Havel. Sie deckt knapp ein Drittel der Gesamtkosten ab und ist an eine Bedingung geknüpft: „15 Jahre lang soll das sanierte Objekt als Ferienwohnungen genutzt werden“, erklärt der Bauherr – ganz in seinem Interesse. Denn Bruns möchte mit dem sanierten Denkmal auch den sanften Tourismus in der Region rund um Treuenbrietzen ankurbeln. Radfahrer können von der Hermannsmühle aus Entdeckungstouren auf zwei überregionalen Radwegen starten und von dort aus die historischen Städte und das gesamte Land Brandenburg erkunden.

Das Pilzfestival in Bardenitz

Die Pilzwanderung am Samstag ist der Auftakt des Pilzfestivals im Treuenbrietzener Ortsteil Bardenitz. Sie beginnt um 13 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus Bardenitz und wird von einem Pilzsachverständigen und der Naturwacht Nuthe-Nieplitz geleitet. Die Wanderung endet an der Hermannsmühle, wo Andreas Bruns im Anschluss das sanierte Jagdhaus für Gäste öffnet.

Am Sonntag lädt der Verein „Bardenitzer Hausboden“ ab 12.30 Uhr zum Mittag am Backhaus mit Eisbein, Speckkuchen und weiteren Spezialitäten. Anschließend wird um 14 Uhr die Pilzausstellung im Dorfgemeinschaftshaus Bardenitz eröffnet. Gleichzeitig findet am Sonntag zum zweiten Mal der Dorftrödel statt.

Von Victoria Barnack

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