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Überraschung: Cammer ist viel älter als gedacht

Hoher Fläming Überraschung: Cammer ist viel älter als gedacht

Bei Straßenbauarbeiten im Dorf Cammer (Potsdam-Mittelmark) haben Archäologen überraschende Funde gemacht. Sie belegen, dass der Ort auf mindestens 2500 Jahre Siedlungsgeschichte zurückblicken kann. Das haben Experten schon länger vermutet. Nun fand sich der Nachweis als Nadel im Sandhaufen.

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Zeugnisse früherer Siedlungsgeschichte werden beim Straßenbau in Cammer von Archäologen dokumentiert.

Quelle: Andreas Koska

Cammer. Planebruch-Bürgermeister Ulf Dingelstaedt hätte guten Grund, bald zu einer großen Jubiläumsparty für Cammer einzuladen. Bei archäologischen Untersuchungen bei den Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt traten jetzt überraschende Siedlungsfunde aus der Eisenzeit zu Tage. Sie belegen, dass der Ort auf mindestens 2500 Jahre Siedlungsgeschichte zurückblicken kann. „Wir haben lange Ähnliches vermutet, jetzt ist uns doch ein Nachweis gelungen“, berichtet Rainer Bartels. Der Archäologe leitet die Ausgrabung in Cammer.

Begonnen haben die Archäologen Ende Mai. Jetzt sind sie vorerst fertig. Bis auf den erhofften Beleg sind wenige spektakuläre Funde gemacht worden, betont Bartels. In einer mittelalterlichen Siedlungsschicht, die an einem dunkelgrauen Ton der Erde erkennbar ist, fanden die Experten noch einzelne Spuren früheren Pflasters. „Das Meiste ist wohl dem Straßenbau vor 30 Jahren zum Opfer gefallen“, vermutet Rainer Bartels, der beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt ist.

Mit bis zu drei Kollegen untersucht das Team vorsichtig Sandkorn für Sandkorn. „Dabei hat eine Kollegin die berühmte Nadel im Sandhaufen gefunden“, sagt der Archäologe und lacht.

Es handelt sich dabei um eine Bronzenadel, die bei einer Profilnachuntersuchung einer Kollegin aufgefallen ist. „Ein dickes Lob, ich habe so etwas zum ersten Mal gesehen“, sagt der 52-Jährige. Demnach sind Metallfunde äußerst selten. Zumeist treten nur Hufnägel zu Tage. Neben Scherben – der „Grauware“ – wurde in Cammer auch ein Spinnwirtel gefunden. Dabei handelt es sich um eine diskusförmige tönerne Schwungscheibe mit einem Loch in der Mitte. „Diese stammt aus dem Mittelalter, allerdings wurden solche Scheiben auch schon in der Steinzeit vor 7000 Jahren genutzt und manche Naturvölker nutzen sie noch heute“, erklärt Bartels.

Zahlreiche Urnengräber

Immer wieder wurden rund um Cammer Felder mit Urnengräbern gefunden.

Sowohl Bauern, als auch Forstarbeiter fanden einzelne Urnen und Gegenstände wie Feuersteine sowie aus Knochen gefertigte Geräte.

In den Jahren 1926, 1961, 1965 und 1966 gab es umfangreiche Ausgrabungen in Cammer und Umgebung.

Im Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzig berichtet Karl. H. Marschalleck ausführlich über die Ausgrabungen in den 1920er-Jahren, bei denen Schüler aus Cammer halfen.

Die ausführliche wissenschaftliche Bewertung der Arbeiten von 1961 bis 1966 nahm der Archäologe Horst Geissler in der Zeitschrift „Ausgrabungen und Funde“ in den Jahren 1963 und 1967 sowie in den Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam von 1971 vor

Das Gräberfeld von Cammer wurde für die Zeit zwischen 100 Jahre vor Christus und 150 Jahre nach Christus datiert.

Ihn faszinieren in Cammer die Eisenzeitfunde in tieferen Erdschichten besonders. Die Siedlungsfunde in einem 200 Meter langem Abschnitt mit Gruben für Vorrat und Abfall, die Pfostengruben, die für den Haus- und Zaunbau notwendig waren, sowie die rechteckigen und trapezförmigen Einkerbungen weisen alle auf eine größere Siedlung aus der Zeit um 500 vor Christi Geburt hin. Der Experte kann sich durchaus vorstellen, dass die Siedlung mit Urnengrabfeldern im Zusammenhang steht, die bei Ausgrabungen in den 1920er- und 1960er-Jahren in Cammer gefunden worden sind.

Weitere Zeugnisse wie Herde oder Brunnen könnten zwar in noch tieferen Schichten vorhanden sein, allerdings werden diese nicht begutachtet. „Wir machen keine Flächengrabung, sondern beschränken uns auf die Baugrube“, betont Bartels. Der neue Straßenaufbau werde anschließend so aufgebracht, dass die unteren Schichten nicht zerstört werden. Zur Bauverzögerungen durch die Untersuchungen sei es nicht gekommen, erklärt der Achäologe.

Seine Kollegin Henrike Neumann, die in Brandenburg an der Havel zu Hause ist, staunt über das Interesse der Bürger. „Viele kommen und fragen freundlich interessiert nach unserer Arbeit“, erzählt sie. „Das ist nicht immer so“, sagt die Archäologin erfreut über das Interesse. Rainer Bartels will die Neugierde bald stillen.

Für den Herbst hat er in Zusammenarbeit mit dem Dorf- und Heimatverein Cammer einen Vortrag über die bemerkenswerten Grabungsfunden angekündigt.

Von Andreas Koska

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