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Potsdam-Mittelmark Um jede einzelne Großtrappe wird gekämpft
Lokales Potsdam-Mittelmark Um jede einzelne Großtrappe wird gekämpft
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14:22 14.03.2018
Gordon Mählis ist für Jungtrappen eine Art „Henne auf Zeit“. Quelle: Förderverein Großtrappenschutz
Baitz

Großtrappen sind vom Aussterben bedroht. Deutschlandweit gibt es kaum mehr als 235 Tiere. Gut 70 davon leben in den Belziger Landschaftswiesen. Dort haben sie einen ruhigen Lebensraum und werden von Norbert Eschholz, dem Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Baitz und seinem Team geschützt – koordiniert durch das Landesumweltamt Brandenburg.

Das, was die Belziger Landschaftswiesen den sogenannten märkischen Sträußen bieten, ist selten geworden. Lediglich drei Schutzgebiete gibt es bundesweit. Dabei ist der Bestand längst alarmierend. Zum Vergleich: 1939 gab es immerhin noch 3400 Tiere. „Der starke Rückgang ist auf die Intensivierung der Landwirtschaft und dem Verlust der Bewirtschaftungsvielfalt zurückzuführen“, erklärt Norbert Eschholz. Dort, wo Flächen konventionell genutzt werden, sind so gut wie alle Trappen verschwunden.

Großtrappenbestand ist in 20 Jahren vervierfacht worden

Dabei konnte der Bestand seit seinem Rekordtief Mitte der 90er Jahre bis zum Jahr 2016 in Brandenburg vervierfacht werden. Dazu trugen erhebliche Investitionen bei, um beispielsweise die Flächen für den Schutz nutzen zu können. „Neben der Naturschutzgebietsausweisung ist der Grunderwerb ist die sicherste Möglichkeit, Flächen im Schutzgebiet einer dauerhaften naturschutzorientierten Bewirtschaftung zuzuführen und er vermeidet Konflikte mit Eigentümern“, so Eschholz, der ebenfalls stellvertretender Vorsitzender im Förderverein Großtrappenschutz ist.

Norbert Eschholz nutzt ein Fernglas, um die scheuen Vögel zu sichten. Quelle: Christin Iffert

Ein wichtiger Teil des Artenschutzes ist die Auswilderung von Jungtrappen. 21 Tiere sind mit einem Alter von sechs Wochen Ende Juli in diesem Jahr nach Baitz gekommen, inzwischen sind es nur noch 17. „Die Vögel lernen langsam das Gebiet und wilde Trappen kennen. Diese Phase ist sensibel. Kleinste Störungen, etwa durch Menschen, die zu nah an die Tiere kommen, können Verluste verursachen“.

Jungtrappen bekommen eine „Henne auf Zeit“

Normalerweise haben die Küken in der Natur eine sehr enge Bindung zu ihren Hennen. „Die dauert vom Schlupf an fast ein Jahr. Das ist ziemlich einmalig in der heimischen Vogelwelt.“ Um die Jungvögel erfolgreich auszuwildern, schlüpfen einzelne Mitarbeiter der Vogelschutzwarte in die Rolle einer „Henne auf Zeit“. Auf ihre treueste „Ersatzhenne“ müssen die Großtrappen jedoch künftig verzichten.

Der 2,50-Meter-Zaun schützt Großtrappen vor Füchsen. Quelle: Norbert Eschholz

Gordon Mählis war seit 2010 die Bezugsperson der Jungvögel. Vom Sommer bis zum Herbst begleitete der inzwischen 27-Jährige die Tiere. Täglich, könnte man sagen. Eines seiner wichtigsten Arbeitsmittel: ein mintblauer Kittel. Dadurch unterscheiden die Tiere ihre „Hennen“ von anderen Menschen.

„Trappen kann man nicht zwingen, nur überzeugen“

Stundenlang führte der Student die märkischen Sträuße auf Wiesen, Weiden und Äcker. So manches Mal stieß er an seine Grenzen. Wasserläufe konnte er schließlich schlecht überfliegen. Daher nutzte er mit den Trappen Übergänge. „Man kann eine Trappe nicht zwingen, man kann sie nur überzeugen“, meint er. Es brauchte hin und wieder ein paar Anläufe.

Der mintfarbene Kittel sorgt dafür, dass die Großtrappen ihre „Hennen auf Zeit“ von anderen Menschen unterscheiden. Quelle: Förderverein Großtrappenschutz

Dabei soll der Nachwuchs auf Wildvögel treffen und von ihnen Flugbewegungen oder Gefahrenverhalten lernen. „Wird der Kontakt nicht hergestellt, sind fast alle Mühen umsonst“, sagt Eschholz. In der Nacht leben die Jungvögel geschützt innerhalb des eingezäunten Gebietes der Belziger Landschaftswiesen. „Es ist ein abgestecktes Gehege, das komplett eingenetzt ist“, erklärt Mählis.

Totalverlust der Jungvögel durch Starkregen im letzten Jahr

Auf natürlichem Wege sind in diesem Jahr rund 20 Küken in den Belziger Landschaftswiesen geschlüpft. „Aber von denen werden längst nicht alle groß“, meint Norbert Eschholz. Er ist Realist, was Zahlen betrifft – und erfahren genug. Allein das vergangene Jahr zeigt, wie schwierig der Schutz der Trappen ist. Der gesamte Nachwuchs starb wegen Starkregens. Die Tiere nässten durch und verendeten letztlich an Futtermangel und Unterkühlung. „Aber gegen Niederschlagsmengen, die in zwei Tagen nieder gingen und sonst ein Drittel der Jahresniederschlagsmenge ausmachen, kann niemand was machen“, resümiert der Leiter.

Großtrappen werden auch als Märkische Sträuße bezeichnet. Bei der Balz sind die Hähne kleine Angeber. Quelle: WILDLIFE

Brutplätze finden sich auf dem gesamten Schutzgebiet – manchmal darüber hinaus. Oft sind es Landwirte, die sie entdecken. Ohnehin habe sich die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Nach einem Fund wird geprüft, ob das Gelege eine Chance hat. Meist werden Eier der gefährdeten Brutplätze aus dem Nest genommen und in die Vogelschutzwarte Buckow (Havelland) verbracht. Dort schlüpfen die Jungen und wachsen heran. „Natürlich ist aber immer das Ziel, dass die Henne die Küken selbst aufzieht“, so Eschholz. Deshalb würden einige Eier gegen Holzattrappen aus- und, sofern es keine großen Störungen gibt, am Ende gegen die Küken zurückgetauscht. Oft finden die Schützer die Holzeier dann völlig zernagt und zerbissen, weil sich Raubsäuger oder Rabenvögel daran zu schaffen machten.

Spendenbox mehrfach aufgebrochen – und nun eingestellt

Da die Aufzucht der Großtrappen sehr mühselig ist, Zeit und Geld kostet, ist der Förderverein auf Spenden angewiesen. Lange hing auch dafür eine Spendenbox am Freienthaler Beobachtungsturm. Die wurde aber mehrfach aufgebrochen – trotz Verstärkungen. „Bevor noch jemand mit der Kettensäge kommt und mehr zerstört, als die Box, behalten wir sie ganz ein“, erklärt Eschholz. Dafür hofft er, dass der ein oder andere an einer Trappenpatenschaft interessiert ist.

Gordon Mählis fällt der Abschied indes schwer. In seiner Zeit mit den Großtrappen ist er an den Aufgaben gewachsen. Er nimmt etwas schier Unbezahlbares mit: „Man lernt Dinge hinzunehmen, die nicht gleich funktionieren.“ Während er sein Veterinärstudium in den kommenden Monaten abschließt, rückt an seine Stelle nun eine Trappenflüsterin.

Pate für ein Küken werden

Das Naturschutzgebiet „Belziger Landschaftswiesen“ umfasst insgesamt 4435 Hektar.

Rund 38 Hektar sind eingezäunt, damit die Trappen nicht den Füchsen und Wildschweinen ausgeliefert sind.

Der Schutzzaun ist 2,5 Meter hoch und geht noch einmal 50 Zentimeter tief in die Erde, damit sich Raubtiere nicht so einfach durchgraben können.

Seit dem Jahre 1998 gibt es seitens der Vogelschutzwarte Baitz Auswilderungen.

Gab es Mitte der 90er Jahre noch eine Überalterung des Bestandes, so ist dieser inzwischen gut gemischt.

Die Befruchtungsrate der Eier ist mit 93 Prozent überdurchschnittlich.

Wer eine Patenschaft für eine Großtrappe übernommen hat, wird in regelmäßigen Abständen über das spezielle Küken, das möglicherweise zu einem stattlichen Hahn oder einer Henne heranwächst, informiert.

Dazu melden sich die Interessenten bestenfalls per Email unter info@grosstrappe.de, Post (Förderverein Großtrappenschutz, Buckower Dorfstraße 34, 14715 Nennhausen) oder unter 033878/60194.

Von Christin Iffert

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