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Umjubelte Premiere

Volksbühne Michendorf zeigt „Mondscheintarif“ Umjubelte Premiere

Die Volksbühne Michendorf feierte vor der Sommerpause die Premiere des 2001 verfilmten Romans „Mondscheintarif“ der Autorin Ildikó von Kürthy. Zu erwarten war süßer Herzschmerz. Die eigentliche Überraschung aber war, dass sich bei all der Seichtheit der Dialoge keine Langeweile einstellte. Das lag vor allem an einer Darstellerin.

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Auf der Suche nach der großen Liebe: Alexandra Marinescu und Armin Sengenberger.

Quelle: Stageworkers

Michendorf. Man muss einen Nerv für diese Art von Sentiment haben und zudem einen leichten Widerwillen, sich mit den Sorgen von Alltagsmenschen abzuplacken. Süßen Herzschmerz und rosa Schleifchen quasi als Wundpflaster auf die diversen Blessuren der irdischen Existenz bietet Ildikó von Kürthy mit ihrem 2001 verfilmten Roman „Mondscheintarif“. Regisseur Christian A. Schnell hat instinktsicher die Bühnenfassung dieses Bestsellers in der Volksbühne auf den Spielplan gesetzt und wie die Premiere am Freitagabend erwies, traf er damit ziemlich punktgenau den Nerv der Michendorfer.

Die Handlung dieser Liebesschmonzette zu erzählen, birgt den Nachteil, potenziellen Theaterbesuchern auch noch den verbliebenen Rest von Dramatik zu rauben. Alles kreist um die Frage: werden sich die 33-jährige Hauptheldin Cora Hübsch (Alexandra Marinescu) und ihr Traumprinz, der Arzt Dr. Daniel Hofman (Armin Sengenberger), nach einer furiosen sexuellen Auftaktnummer wiedertreffen?

Die von Amors Pfeil schwerverletzte Cora verbringt dabei die meiste Zeit nach diesem ganzkörperlichen Erweckungserlebnis in Reichweite ihres Telefons und wartet Zuhause tagelang verzweifelt auf einen Anruf des ebenso liebenswerten wie gutgebauten Mediziners. Nach einer telefonischen Bestätigung im Range eines Liebesbekenntnisses schmachtend, erinnert Cora, wie in einem Nahtoderlebnis, noch einmal die entscheidenden Momente ihrer kurzen aber intensiven Zweisamkeit und teilt diese Erinnerungen mit dem Publikum.

Mit einem Mix aus Rückblenden, Telefonaten und Jetztzeitereignissen orakeln das Bühnenpersonal und die Zuschauer danach einträchtig über die erst final beantwortete Frage: Ist es die große Liebe oder nur ein One-Night-Stand?

Alexandra Marinescu begeistert in der Rolle der „Cora“

Neben Sengenberger, der nicht nur den verführerischen Arzt sondern auch Coras penetranten Exfreund Sascha sowie eine Klofrau spielt, ist Tina-Nicole Kaiser ebenfalls in drei Rollen zu erleben. Sie ist Coras ständig präsente beste Freundin Johanna und zudem als Kellnerin und Schauspielstar Carmen zu erleben. In schnoddrig flachsiger Tonlage tauschen sich Cora und Johanna über Frauenprobleme aus und streifen dabei so wichtige Sachgebiete wie Uschi Glas´ Make-up oder das unbeschwerte kollektive Wasserlassen von Herren am Urinal.

Die eigentliche Überraschung aber war, dass sich bei all dieser Seichtheit der Dialoge keine Langeweile einstellte. Verantwortlich dafür war vor allem eine wie entfesselt agierende Marinescu. Sie hatte ihre Rolle so verinnerlicht, dass sie mit jeder Bewegung ihres Körpers glaubhaft zur Cora Hübsch mutierte. Sie zappelte, schnatterte oder verzog ihr Gesicht zur Grimasse und verlieh dieser elektrisierten, verliebten und etwas tollpatschigen jungen Frau Frische und Glaubhaftigkeit.

Ihren Mitspielern gelang diese Rollenbeseelung nur phasenweise. Trotzdem legten auch sie sich mächtig ins Zeug und verhinderten, dass diese Inszenierung komplett zur One-Women-Show wurde. Der tosende Beifall und die Bravorufe belegten, dass diese große Portion Himbeereis mit Sahne den Anwesenden nicht auf den Magen geschlagen war, sondern als willkommene Erfrischung an einem Michendorfer Frühsommerabend genossen wurde.

Nächste Aufführungen am 25., 26. und 27. August sowie am 1., 2. und 3. September

Von Lothar Krone

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