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Unerwartet auf der Fahndungsliste von Interpol

Unerhörte Urlaubsgeschichte Unerwartet auf der Fahndungsliste von Interpol

Eine 78-jährige Kleinmachnowerin erlebte bei der Zollkontrolle am Flughafen Split ihr blaues Wunder. Sie wurde festgehalten, weil ihr Ausweis nicht gültig sei. Es folgten Aufregung und Alarm für die Tochter in Deutschland, die den Pass der Mutter einem Lkw-Fahrer mit auf Tour an die Adria gab. Und dann folgte noch der Ärger Zuhause.

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Renate Cibulka mit dem Papier, das ihr die kroatischen Zollbeamten ausgehändigt haben.

Quelle: Martin Steger

Kleinmachnow. Kaum zu glauben, aber wahr: Renate Cibulka (78) soll auf der Fahndungsliste von Interpol stehen. So jedenfalls haben es Zollbeamtinnen auf dem Flughafen Split dokumentiert, wo die Frau am 21. April festgehalten und ihr Personalausweis eingezogen wurde. Was ist passiert?

Blicke von der Zollbeamtin

Renate Cibulka und ihr Mann Knut Krüger aus Kleinmachnow reisen gern. Nach Portugal, Madeira und in die Türkei zum Beispiel. Immer dabei in Europa der gültige Personalausweis. Vom 21. bis 28. April soll es nach Split an die kroatische Adriaküste gehen. Das Paar bucht mit Eurowings den Flug Berlin-Stuttgart-Split. Überall kommt die Frau mit ihrem Personalausweis, der bis 13. April 2018 gültig ist, nahtlos durch. Als die Zollbeamtin in Split die Ausweiskarte auf dem Scanner hat, stockt sie und guckt immer wieder die Deutsche an. Alle anderen Fluggäste dürfen passieren. „Mich ließ sie stehen und guckte mich immer nur wieder an“, erzählt Renate Cibulka der MAZ.

Eine junge Kroatin, die Deutsch kann, bleibt stehen, um zu helfen. Sie fragt bei der Beamtin nach. „Mit ihrem Ausweis stimmt was nicht“, übersetzt sie der aufgeregten Touristin, die sich keiner Schuld bewusst ist. Und „ob ihr ein Ausweis mal gestohlen wurde?“ Ja, das wurde er, aber vor 16 Jahren! Die Beamtin ruft Verstärkung. Drei Polizistinnen rücken an und nehmen den Ausweis ab. Die Nummer oben rechts auf der elektronischen Karte soll nicht mit ihrem Namen übereinstimmen, erklären die Uniformierten noch der netten Übersetzerin bevor die sich verabschiedet. Cibulkas Reiseenglisch reicht nicht für eine Dokumenten-Debatte.

Ein Geistesblitz zur rechten Zeit

„Dann stand ich da. Allein mit den Beamtinnen hinter der Scheibe. Mein Mann war ja schon durch“, berichtet Renate Cibulka. Geistesgegenwärtig folgt sie nicht dem Rat der Beamten, ihren „Husband“ (Ehemann) mit rein zu holen, sondern sie ruft ihm zu, doch den befreundeten Berliner Lokalbesitzer zu kontaktieren, der sie in seinem neuen Hotel in Split erwartet. Angesichts ihres Führerscheins wurden die Beamtinnen freundlicher zu Cibulka. Als Gastronom Anton die Freundin Renate schließlich vor den strengen Amtsaugen in die Arme schließt und eine Bürgschaft für sie übernimmt, entspannt sich die Lage. Statt ihres Ausweises zurück bekommt sie nur einen Schrieb auf kroatisch und darf mit ihrem Mann ins Hotel. Vom alten Ausweis ließ sie sich noch schnell eine Kopie machen.

„Wir riefen die deutsche Botschaft in Zagreb an und hätten dorthin fahren müssen wegen eines neuen Passes“, so die Rentnerin. Der einwöchige Urlaub wäre gelaufen gewesen; von den zusätzlichen Kosten ganz zu schweigen. „Wissen Sie, wie sie sich fühlen in so einer Lage? Ich war weiß wie die Wand“, berichtet sie. Doch ohne Personaldokument keine Rückreise am 28. April! Aber die Kleinmachnower haben Glück im Unglück: Anton erwartet gerade eine Warenlieferung aus Berlin. Also schnell Tochter Astrid daheim alarmiert. Sie holt den Pass der Mutter aus dem Elternhaus und übergibt ihn dem Lkw-Fahrer. Der überbringt seine Fracht fristgerecht. „Was wäre gewesen, wenn er einen Unfall gehabt hätte ...?“

Renate Cibulka, die künftig auch immer den Pass mitnimmt, sitzt das Erlebnis noch in den Knochen. „Wieso“, fragt sie sich, „haben denn nicht schon unsere deutschen Beamten den Fehler entdeckt? Oder die in Portugal und der Türkei?“ Jetzt erst weiß sie auch, was auf dem Schrieb steht: „wird von Interpol gesucht“.

Zuhause kam die Wut

Zu Hause hat die Frau dann richtig die Wut gepackt. Als sie einen neuen Ausweis in der Kleinmachnower Verwaltung beantragen und nicht für fremde Schuld zahlen will, erfährt sie weder Verständnis noch Hilfsbereitschaft zur Klärung. „Entweder Sie zahlen 28 Euro oder Sie bekommen keinen Ausweis“, hieß es nur von der Kollegin. „Die Aufregung in Split war schlimm, aber am miesesten gefühlt habe ich mich auf der heimischen Gemeinde“, so Renate Cibulka.

Vorsorge und Hilfe

Auf Nachfrage der MAZ im Auswärtigen Amt (AA) zu Notfällen im Ausland, kamen folgende Hinweise:

Geraten Reisende trotz Vorsorge in eine Notlage, sollten sie sich an die nächstgelegene deutsche Auslandsvertretung wenden. In den Hauptreiseländern ist auch außerhalb der Dienstzeit durch einen Bereitschaftsdienst sichergestellt, dass Konsularbeamte im Notfall erreichbar sind.

Falls ein Konsularbeamter nicht persönlich erreichbar ist, gibt es unter der jeweiligen Telefonnummer der Auslandsvertretung (Anrufbeantworter und anschließender Rückruf), auf der Webseite der Auslandsvertretung oder am Gebäude der Auslandsvertretung Hinweise zur Erreichbarkeit.

Deutschland unterhält in mehr als 200 Ländern Auslandsvertretungen, über 200 Botschaften und Generalkonsulate sowie 356 Honorarkonsuln.

Sollte es an einem Urlaubsort keine deutsche Auslandsvertretung und keinen deutschen Honorarkonsul geben, können deutsche Reisende sich jederzeit an eine Auslandsvertretung eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union wenden.

Sicherheitshalber sollte man Kopien aller Reisedokumente anfertigen und diese getrennt von den Originalen mit sich führen. Sollten die Originaldokumente gestohlen werden, können sich Reisende gegenüber den Botschaften und Generalkonsulaten zur Not mit diesen Dokumenten ausweisen.

Im Fall von Renate Cibulka wurde vom AA der Kontakt zur deutschen Botschaft empfohlen.

Die Pressestelle des Bundesinnenministeriums nimmt Cibulkas Fall entgegen. Ob er aufgeklärt werden kann, konnte der Sprecher „nicht 100%ig versprechen, ... ,aber wir versuchen es“, hieß es gestern.

 

Von Claudia Krause

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