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Unmögliches fordern – Mögliches erreichen

20 Jahre Grundschule Michendorf Unmögliches fordern – Mögliches erreichen

Die Grundschule Michendorf feiert am Freitag ihr 20-jähriges Bestehen. Zum Fest kommen viele ehemalige Schülerinnen und Schüler. Die aktuellen Erst- bis Sechstklässler führen zum Jubiläum eine ganz besondere Show auf. Dabei werden auch die Werte deutlich, die der erste Schulleiter schon 1996 mit auf den Weg gab.

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Über sich selbst hinauswachsen und Ängste überwinden: Das lernten die 300 Schüler während des Zirkusprojektes.

Quelle: Victoria Barnack

Michendorf. So viel anders als vor 20 Jahren ist es an der Michendorfer Grundschule noch heute nicht. Zu ihrer Eröffnung am 5. August 1996, dem ersten Tag nach den großen Ferien, besuchten 230 Kinder die neue Grundschule. Modern war sie schon damals und erscheint bis heute so. „1996 war sie die erste frei finanzierte Grundschule in ganz Brandenburg“, erinnert sich Dieter Brüchert an die Zusammenarbeit mit dem Investor, der in der Bahnstraße bauen wollte. Der 65-Jährige war damals Schulleiter und hat nicht nur den Umzug in die Bahnstraße miterlebt, sondern das Großprojekt für die moderne Grundschule maßgeblich mitgestaltet. Als zur Diskussion stand, ob eine zweizügige Grundschule ohne Turnhalle oder eine einzügige Grundschule mit Turnhalle entstehen sollte, traf er die Entscheidung zugunsten der zweiten Variante. „Immerhin komme ich selbst aus dem Sport“, erklärt der Olympiamedaillengewinner von 1976 und Sportlehrer mit einem Schmunzeln.

Auch das Konzept der Michendorfer Grundschule hat Brüchert maßgeblich geprägt. Bis heute handeln seine Nachfolgerin Birgit Lohmann und ihre Kollegen unter dem Titel „Bewegte Grundschule“. Sie kooperieren mit der Kölner Universität als „Klasse in Sport“ sowie mit der SG Michendorf, dem OLV Potsdam und einem Kegelverein. Regelmäßig finden auch schulintern besondere Sportveranstaltungen statt wie ein Zweifelderballturnier und ein Hochsprungwettbewerb mit Musik.

Und das alles, obwohl die neue Schulleiterin Birgit Lohmann zugibt, bei Weitem nicht so sportlich zu sein wie ihr Vorgänger Brüchert. „Aber wir haben ja jetzt auch eine Yoga-AG“, sagt sie scherzhaft.

Ein Neubau verbindet die beiden Schulgebäude, die 1996 und 1997 gebaut wurden

Ein Neubau verbindet die beiden Schulgebäude, die 1996 und 1997 gebaut wurden.

Quelle: Christel Köster

Bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Grundschule heute Nachmittag darf die sportliche Komponente deshalb auf keinen Fall fehlen. Um ihrem Schulmotto gerecht zu werden, hatte das Kollegium die Geburtstagsparty um ein knappes Jahr verschoben. Denn erst in den vergangenen Tagen konnte ein besonderes Projekt umgesetzt werden. „Den Zirkus haben wir ganz bewusst gewählt“, sagt Schulleiterin Birgit Lohmann. Mehrere Jahre Wartezeiten müssen Schulen in Kauf nehmen, wenn sie sich eine Woche lang für ihre eigene Manegenshow trainieren lassen wollen.

Am Montag war es endlich soweit: Das blaue Zirkuszelt wurde am Rand des Schulhofs aufgebaut. Die Kinder fühlen sich darin inzwischen pudelwohl. „Die Schüler gehen in dem Projekt über sich hinaus“, sagt die Schulleiterin, „sie können im Zirkuszelt Dinge schaffen, die wir ihnen im normalen Sportunterricht nicht bieten können.“ Ein neunköpfiges Trainerteam hat ihnen beigebracht, Räder zu schlagen, ihr Publikum mit Tricks zu verzaubern und über ein dünnes Drahtseil zu laufen.

Ehrgeiz, Respekt und Zusammenhalt lernen

Bei dem Schulprojekt lernen die Jungen und Mädchen aber noch andere Werte kennen, die schon Brüchert seiner Grundschule mit auf den Weg gab: Ehrgeiz, Respekt und einen kollegialen Zusammenhalt. Neben vielen jungen Lehrern arbeiten bis heute zwei Lehrerinnen an der Schule, die schon bei der Eröffnung 1996 dabei gewesen waren. Dass sie bis heute dabei sind, ist kein Zufall. „Ich wollte immer, dass alle hier wissen, dass die Reinigungskräfte bei mir genauso wichtig sind wie der Schulleiter“, erklärt Dieter Brüchert, „denn ohne sie geht es nicht.“

Das Zirkusprojekt steht außerdem im Zeichen einer anderen, inzwischen 21 Jahre alten Tugend der Michendorfer Grundschule. „Man muss das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu erreichen“, erklärt Dieter Brüchert. Diesen Leitspruch hatte sich der ehemalige Leistungssportler während des Schulbaus auf die Fahnen geschrieben. Nicht alle Wünsche und Forderungen wurden Realität, aber an die Gesichter seiner Schulleiterkollegen aus dem Umland erinnert er sich gern. „Sie waren baff, als sie das erste Mal hier auf dem Schulhof standen“, sagt er.

Lob an finanzielles Engagement der Gemeinde

Die Gemeinde Michendorf, die damals noch ein Amt war, hatte 1997 über einen Kredit den zweiten Teil der Schule finanziert und dafür gesorgt, dass sie auch materiell stets gut ausgestattet war. Auch darüber hinaus lobt Brüchert den Einsatz der Gemeinde. „Was hier heute auch abseits der Grundschule für die Bildung der Kinder getan wird, ist beispielhaft für ganz Brandenburg“, sagt Brüchert.

Er kann sich wohl sicher sein, dass das auch in naher Zukunft so bleibt. Schließlich profitiert die Gemeinde finanziell von den Zuzüglern und ihren Bedürfnissen, die die Grundschule teilweise auffängt. Schon 1996 war das überhaupt erst der Grund für den Bau der größeren Grundschule. Heute muss sie erneut erweitert werden. Mit der etwa sechs Millionen Euro teuren Erweiterung soll in einigen Monaten dann wieder ein Projekt gestartet werden, dass einst für unmöglich gehalten wurde.

Die Zukunft der Grundschule Michendorf

Fast 300 Schüler werden derzeit von 18 Lehrern an der Grundschule Michendorf unterrichtet. Die Aufnahmekapazität ist damit erreicht. Die Gemeinde ist außerdem Träger zwei weiterer Grundschulen. Wegen des konstanten Zuzugs nach Michendorf werden steigende Kinderzahlen und damit ein erhöhter Bedarf an Grundschulplätzen erwartet. Wie dem zu begegnen sei,

Dem steigenden Bedarf möchte die Gemeinde mit der Erweiterung der Grundschule an der Bahnstraße gerecht werden. Derzeit wird das genaue Vorhaben diskutiert. Mit einem Baustart wird frühestens 2019 gerechnet.

Zur Debatte stehen drei Varianten. Bei Variante 1 (5,8 bis 6,2 Millionen Euro) soll zusätzlicher Raum für den Schulunterricht durch einen massiven Umbau der beiden vorhandenen Schulgebäude geschaffen werden. Variante 2 (6,4 bis 6,8 Millionen Euro), die der Ortsbeirat Michendorf favorisiert, sieht einen Neubau neben der neuen Sporthalle vor, der kombiniert als Schule und Hort genutzt werden soll. Auch bei Variante 3 (6,5 bis 6,9 Millionen Euro) ist ein Neubau geplant, der in dem Fall zwischen dem vorhandenen Hortgebäude und Schulhaus 2 entstehen soll.

Von Victoria Barnack

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