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19:33 16.03.2018
Pfarrer Michael Dürschlag mit dem Nagelkreuz aus Pforzheim in der Michendorfer Kirche. Es ist den Michendorfern für ein Jahr anvertraut. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Als die deutsche Luftwaffe im November 1940 die britische Stadt Coventry und deren Kathedrale in Schutt und Asche legt, reagiert der damalige Domprobst des zerstörten Gotteshauses mit einer ungewöhnlichen Geste auf den brutalen Angriff. Mitten im Krieg und gegen den damaligen Zeitgeist, der Vergeltung will, setzt er ein Zeichen der Versöhnung. Domprobst Richard Howard lässt die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln und drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der Kathedrale bergen, um sie zu einem Kreuz zu formen. Es war der Beginn der Nagelkreuzbewegung, die Wunden der Geschichte heilen und einstige Feinde versöhnen will.

Ein Jahr lang ist jetzt auch die Kirchengemeinde Michendorf-Wildenbruch Teil dieser Bewegung. Sie ist seit mehr als 50 Jahren in freundschaftlicher Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Pforzheim verbunden, die seit 2005 ein Nagelkreuzzentrum ist. Die Pforzheimer haben ihr Nagelkreuz jetzt für ein Jahr den Michendorfern anvertraut, die das zum Anlass nehmen, in dem Jahr bei Andachten und Veranstaltungen ihrerseits ein Zeichen des Friedens zu setzen. Das Nagelkreuz hatte eine Delegation aus Michendorf am 23. Februar auf dem Friedhof von Pforzheim entgegengenommen. An dem Tag im Jahr 1945 war Pforzheim von britischen Lancaster-Bombern zu mehr als 95 Prozent zerstört worden, weiß Michendorfs Pfarrer Michael Dürschlag.

Vor der Übergabe des Nagelkreuzes hatte ein Team seiner Kirchengemeinde Ideen gesammelt und an einem Programm mit zahlreichen Veranstaltungen gearbeitet, mit denen die friedensstiftende Symbolik des Nagelkreuzes erlebbar gemacht und gefeiert werden soll. Wie in Coventry finden immer freitags in und um Michendorf Andachten statt, in denen das Versöhnungsgebet von Coventry gesprochen wird. Das Programm für das Jahr, in dem die Michendorfer im Geist von Coventry miteinander unterwegs sein wollen, dürfte inzwischen jeden Haushalt erreicht haben. „7000 Flyer sind in der gesamten Gemeinde Michendorf verteilt worden“, sagt der Pfarrer. Bereits am Freitag waren junge Menschen an der Kirche in Langerwisch symbolisch dem Kreuzweg Jesu Christi gefolgt. Beim Jugendgottesdienst am 22. April auf dem Siedlungsfriedhof in Wildenbruch wird an mehr als 20 junge Menschen erinnert, die 1945 in den Kämpfen um Berlin gefallen sind. Ihre letzte Ruhe fanden sie auf dem Friedhof in Wildenbruch.

„Vier Farben Land“ heißt ein Kindermusical, das am 5. Mai in der Turnhalle der Michendorfer Grundschule und am 6.Mai in der Kirche Wildenbruch aufgeführt wird. „Es ist ein Plädoyer für eine bunte Welt“, sagt Pfarrer Michael Dürschlag. Er holt alle 14 Tage Kinder der evangelischen Kita „Tausendfüßler“ zum Kindergottesdienst ab. Ihnen erzählte er jüngst von der Nagelkreuz-Bewegung. „Ich musste nur für ,Versöhnung’ das Wort ,Entschuldigung’ nehmen und die Kinder wussten sofort, worum es geht.“

Im Juni soll der Versöhnungsgedanke im öffentlichen Raum sichtbar werden. Eine Religionslehrerin des Wolkenberg-Gymnasiums will mit ihren Schülern Versöhnungszitate gestalten und im Ort aufstellen.

Andachten und Veranstaltungen im Michendorfer Nagelkreuz-Jahr gibt bis zum 23. Februar 2019, wenn das Nagelkreuz an Pforzheim zurückgegeben wird. Die Pforzheimer erinnern dann wieder an die Opfer von Krieg und Gewalt und an die fast 18 000 Toten, die beim Luftangriff auf ihre Stadt starben. Der Tag ist seit vielen Jahren auch mit einer besonderen Geste der Versöhnung verbunden, die John Wynne aussendet, ein britischer Pilot, dessen Maschine im März 1945 in der Pforzheimer Region schwer getroffen wurde. Sechs seiner Kameraden wurden damals am Boden von Deutschen erschossen oder erschlagen. John Wynne lässt immer am 23. Februar, dem Tag, an dem die deutsche Stadt von britischen Bombern zerstört wurde, seine Arbeit ruhen und einen Kranz mit gelben Narzissen an der Gedenkstätte in Pforzheim niederlegen.

Andachten und Veranstaltungen

Andachten mit dem Versöhnungsgebet von Coventry finden immer freitags, 18 Uhr, statt – die nächsten am 23. März in der Dorfkirche Stücken und am 30. März in der Langerwischer Kirche.

Weitere Veranstaltungen: Am 22. April, 10 Uhr, findet ein Jugendgottesdienst auf dem Siedlungsfriedhof in Wildenbruch statt.

Das Musical „Vier Farben Land“ wird am 5. Mai, 15 Uhr, in der Turnhalle der Grundschule Michendorf und am 6. Mai, 11 Uhr, in der Kirche Wildenbruch aufgeführt

Am 6. Juli, 19.30 Uhr, findet ein Ökumenischer Sommerabend statt und eine Ausstellung zum Weltethos wird eröffnet. Veranstaltungsort ist die Kirche in Wildenbruch.

Von Jens Steglich

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