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Vegan genießen in Bad Belzig

Sellerieschnitzel statt Estragonforelle Vegan genießen in Bad Belzig

Ausgerechnet vor den Feiertagen hatte die Weltgesundheitsorganisation vor übermäßigem Fleischverzehr gewarnt. Die Alternative: einfach mal vegan essen gehen. Das geht auch in Bad Belzig. Im Hotel „Springbachmühle“ gibt es ein Vier-Gang-Menü ohne Milch, Ei und Fleisch.

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Max Leine kocht vegan im Hotel „Springbachmühle“
 

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig.  Es war eine erschreckende Nachricht für viele Deutsche: Wurst- und Fleischkonsum erhöhen das Darmkrebsrisiko. Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Wurstkonsum wird mit dem eben unter Asbestdächern verglichen – all das zu Weihnachten mit Gänsebraten und feinem Schinken. Die Alternative zum Fleischgenuss: vegane Küche.

In Fernseh-Kochshows, im Supermarkt, in den Auslagen der Büchereien – überall finden sich mittlerweile vegane Rezepte und Produkte. Noch vor wenigen Jahren war selbst die vegetarische Ernährung abseits von Großstädten ein Abenteuer, Veganer wurden als „Körnerfresser“ verspottet.

Heute verkaufen sich Kochbücher mit Titeln wie „Vegan for fun“ bestens, tierfreie Produkte wie Tofu und Pflanzenmilch gibt es auch in Bad Belzig zu erschwinglichen Preisen im Supermarkt zu kaufen. In der eigenen Küche können sich daher sogar Einsteiger in die vegane Ernährung gut versorgen, doch wie sieht es auf Reisen in den Hohen Fläming oder bei Familienfeiern im Restaurant aus?

Asiatische Gerichte oft fleischfrei

Spezialitäten der indischen und vieler ostasiatischen Landesküchen sind oft von Haus aus fleischfrei. Die Speisekarte des indischen Restaurants „Agra Haus“ in der Wiesenburger Straße etwa bietet gemüselastige Suppen, Salate, Vorspeisen und Hauptgerichte. Auch Sushi muss nicht immer aus Fisch bestehen. Die beliebten japanischen Reisröllchen gibt es auch mit Gurke, Avocado und anderem Gemüse.

Sogar die vermeintlich für schwere Sahnesoßen, Braten und Butter bekannte gutbürgerliche deutsche Küche kann vegan und dennoch deftig daherkommen. Das Hotel „Springbachmühle“ vor den Toren der Kur- und Kreisstadt bietet in seinem Restaurant schon seit mehreren Jahren neben heimischen Spezialitäten wie der Niemegker Estragonforelle auch ein veganes Menü an. „Die Nachfrage nach Alternativen zu Steak und Kotelett ist heute riesig“, so Küchenmeister Hans Joachim Kalkofen, „also gibt es bei uns ein entsprechendes Angebot.“ Sein Stellvertreter, der 25-jährige Max Leine, hat ein Menü erarbeitet, das ganz ohne Milch, Ei und Fleisch daherkommt.

Herausforderung ist das Dessert

Leines Viergangmenü bietet Gerichte, die auch omnivoren Essern schmecken: Gratinierte Birne, Kürbissuppe und ein knuspriges Sellerieschnitzel auf Birnensauerkraut und Gemüserösti sind dabei. „Die größte Herausforderung für Köche ist ein veganes Dessert“, verrät Max Leine. Er rundet sein veganes Menü mit einer schokoladigen Panna Cotta ab. Schokolade, Sahne – das ist doch aber nicht vegan? „Doch, wenn man sich Mühe gibt, dann schon“, lacht Leine. Er bereitet die Nachspeise mit milchfreier Kuvertüre und Kokosmilch zu. „Je besser man sich mit solchen Produkten auskennt, umso leichter wird es“, sagt Max Leine. Die Köche der Springbach Mühle haben durch die tierfreien Gerichte auch Arbeitsweisen in ihre normalen Gerichte übernommen. „Wir panieren zum Beispiel nicht mehr mit Weizenmehl, sondern mit einer aus Reis gefertigten Alternative“, erklärt Chef Kalkofen. Dies habe den Vorteil, dass auch Allergiker ohne Probleme alles genießen könnten.

Vegan: Das bedeutet es

Vegan lebende Menschen verzichten in ihrer Ernährung auf alle tierischen Produkte. Das heißt, sie essen kein Fleisch, keine Wurst und keinen Fisch, aber verzichten auch auf Milch, Eier und Honig sowie auf aus Tierbestandteilen hergestellten Dinge wie Gelatine.

Der Vegetarierbund Deutschlands schätzt die Zahl der in Deutschland lebenden veganer auf etwa 900000. Das sind etwa doppelt so viele wie noch im Jahr 2013.

Es gibt vielfältige Beweggründe für eine tierfreie Ernährung. Die meisten veganer sind sich einig, dass sie die Ausnutzung von Tieren zur eigenen Ernährung ablehnen. Doch auch Aspekte der Umweltverträglichkeit, der Gesundheit oder die Welternährungsproblematik gehören zu den Beweggründen.

Viele Veganer achten auch außerhalb ihrer Ernährung auf eine tierfreundliche Lebensweise. Sie tragen beispielsweise keine Lederkleidung und nutzen Kosmetik, die nicht an Tieren getestet wurde.

 Andere Häuser bieten zwar keine vorgeplanten Menüs für Freunde des Fleischverzichts an, richten sich aber problemlos nach den Wünschen ihrer Gäste: „Selbstverständlich kochen wir auch vegan, wenn das gewünscht ist,“ so heißt es auf MAZ-Anfrage. Auch das Burghotel empfiehlt, spezielle Wünsche bei der Reservierung anzugeben.

Mehr Offerten abseits der Metropolen

 Fleischesser Hans-Joachim Kalkofen findet diese Entwicklung grundsätzlich gut. „Vor einigen Jahren gab es vegane Angebote nur in den Metropolen“, weiß er, „das ist heute zum Glück anders. Wir können davon nur profitieren.“ Von industriellen Massenprodukten, etwa mit viel Tamtam angepriesene vegane Frikadellen, hält der Küchenmeister jedoch wenig. „Man muss mal einen Schritt zurück gehen und nach Sinn oder Unsinn solcher Produkte fragen“, findet Kalkofen, „ich verstehe jeden, der aus Tierschutzgründen kein Fleisch essen möchte. Aber ich empfehle auch jedem, selbst zu kochen und auf gewisse Lifestyle- oder Ersatzprodukte mit undefinierbarem Inhalt einfach zu verzichten.“

Von Saskia Popp

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