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Vehlen: Ein echtes Paradies auf Erden

Zu Hause in Brandenburg Vehlen: Ein echtes Paradies auf Erden

Alteingesessene und Hinzugezogene sind sich einig: „Das Schönste, was wir in Vehlen haben, sind die Aussicht, der Wald und die unberührte Natur mit ihrer Artenvielfalt direkt vor der Haustür“, sagen sie. Doch das Paradies im Kreis Potsdam-Mittelmark beginnt zu bröckeln. Ein Problem ist der starke Durchgangsverkehr.

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Andreas Orsin und Karin Meier auf dem Vehlener Berg.

Quelle: Claudia Nack

Vehlen. „Das Schönste, was wir in Vehlen haben, sind die Aussicht, der Wald und die unberührte Natur mit ihrer Artenvielfalt direkt vor der Haustür“, sind sich Karin Meier und Andreas Orsin einig, während sie über den Vehlener Berg schauen. Beide zogen 1989 dazu. Die eine wegen der frischen märkischen Luft aus Leipzig, der andere wegen Arbeit und Wohnraum aus der Nähe von Nauen.

Die Meiers leben in dem von ihnen erweiterten Haus des 1975 verstorbenen Försters Emil Stranz, der für sein Naturmuseum und seine legendäre Hasenschule bekannt war. Orsins in einem der beiden Reihenhäuser, die damals von den beiden LPG’n mit acht Wohnungen gebaut wurden. „Die haben dafür gesorgt, dass Vehlen nicht ausgestorben ist“, sagt der Rinderzuchtmeister, der seit 25 Jahren selbstständiger Versicherungsvertreter ist. Zwar hätten die Kinder der zur Wende Zugezogenen das Dorf inzwischen verlassen, sich aber wieder neue Familien gegründet. „Wir haben so gut wie keinen Leerstand hier.“ Aktuell 13 Kinder und Jugendliche sind für ein 118-Seelen-Dorf eine Menge.

Wasserwerk steht noch, ist aber nicht mehr in Betrieb

„Wenn zu DDR-Zeiten beide LPG’n mit den Kommunalverträgen nicht gewesen wären, dann hätte man Vehlen längst zugeschoben“, glaubt Orsin. So hat die Tierproduktion zum Beispiel die Betonstraße von Vehlen bis zur Dunke gebaut und die Ortverbindung nach Altbensdorf asphaltiert. Das kleine Wasserwerk wurde 1988 gemeinsam mit Bürgern in Eigeninitiative errichtet. Als 2011 die Trinkwasserleitung nach Altbensdorf gebaut und das sanierungsbedürftige Werk stillgelegt wurde, ging ein Riss durchs Dorf.

„Früher war mehr los“, bestätigten Alteingesessene wie der 73-jährige Georg Anders oder Edeltraut Arndt (68), die erst bei der Gemeinde und dann bis zur Rente im Amt Wusterwitz gearbeitet hat. Da wurden Dorffeste gefeiert, gemeinsam Frikassee gekocht, Kuchen gebacken und auf der Straße getanzt. Vereine, Feuerwehr, Einkaufsmöglichkeit und Gaststätte gibt es nicht mehr im kleinen Vehlen. Die von Renate Genz (83) geleitete Ortsgruppe der Volkssolidarität löste sich aus Altersgründen auf. Die Kegelfrauen hielten 21 Jahre lang bis 2013 durch. Nach dem Aus des Konsums hatte dessen langjährige Leiterin Genz die Kugel angeschoben.

Die Kegelmännertruppe traf sich noch bis zum Schluss auf der Kellerbahn im Landgasthof „Märkisch Ceres“, der seit Jahresanfang geschlossen ist. Dorfgerüchten zufolge soll das Objekt an einen Immobilienmakler mit türkischen Wurzeln aus Berlin verkauft sein, der ein Flüchtlingskinderheim einrichten wolle. Das Wirtsehepaar Hill hatte nach dem Konkurs der Agrargenossenschaft das von ihr gebaute und geführte Hotel-Restaurant, das vor der Wende eigentlich ein Lehrlingswohnheim mit Betriebsgaststätte werden sollte, vor etwa 18 Jahren erworben.

Gottesdienste finden im Nachbardorf statt

Ein paar Häuser weiter an der 2003 mit Hilfe der Flurneuordnung neu asphaltieren Bergstraße zeigt die Backsteinfassade der 1850 errichteten Kirche einige Risse. Gottesdienste finden dort wegen der wenigen Mitglieder nicht mehr statt. Wenn, dann fährt man nach Altbendorf. „Ich bin der Einzige, der jeden Sonntag in Vehlen in die Kirche geht“, sagt Georg Anders. Zum Aufziehen der Kirchturmuhr und das seit vielen Jahren schon.

„Vehlen ist unsere Heimat geworden und unser Paradies auf Erden“, sagen selbst Zugezogene wie Karin Meier und Andreas Orsin, der einige Jahre Gemeindevertreter war. Doch durch den starken Durchgangsverkehr nach Sachsen-Anhalt inklusive Schwerlasttransporter beginne das Paradies zu bröckeln. „Das ist unser größtes Problem.“ Geforderte Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wie eine Tempo-30-Zone verliefen bisher im Sande.

Von Claudia Nack

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