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Verbraucherschutz verklagt Abiball-Veranstalter

Nach verkorkster Feier in Werder (Havel) Verbraucherschutz verklagt Abiball-Veranstalter

Nach dem MAZ-Bericht über den verkorksten Abiball auf der Bismarckhöhe in Werder (Havel) in diesem Sommer meldeten sich weitere Eltern. Eine Mutter und Anwältin aus Beelitz ist der ominösen Nachzahlungsforderung des Veranstalters, der auch das Baumblütenfest ausrichtet, auf den Grund gegangen. Nun hat der Verbraucherschutz Klage eingereicht.

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Bleibt der Saal der Bismarckhöhe zum Abiball der Werderaner Abiturienten im nächsten Jahr leer?

Quelle: Gartenschläger

Werder. Obwohl der Abiball schon fast ein halbes Jahr her ist, lässt er sie einfach nicht los. Nicht weil er so unglaublich schön war – im Gegenteil. Noch immer reden die ehemaligen Schüler und Eltern in Werder über diesen Juli-Tag, weil er ihnen eine Menge Ärger eingebracht hat. Wie berichtet, soll beim diesjährigen Abschlussfest der Gymnasiasten einiges schiefgelaufen sein. Die Abiturienten beschuldigen den Veranstalter Wohlthat Entertainment und andersrum. Nach dem MAZ-Bericht meldete sich unter anderem die Mutter eines Absolventen des Sally-Bein-Gymnasiums in Beelitz, die ebenfalls ihren Abiball auf der Bismarckhöhe feierten. Sie ist Rechtsanwältin und hat mit Hilfe der Werderaner Eltern und Schüler rechtliche Schritte gegen die Firma Wohlthat Entertainment eingeleitet, die seit vielen Jahren auch das Baumblütenfest veranstaltet.

Konkret geht es dabei um die Zahlung der Mehrwertsteuer in Höhe von fast 3000 Euro. Diese war zunächst nicht im Angebot aufgelistet und sollte nur wenige Tage vor dem Tag des Abiballs plötzlich gezahlt werden. Im Fall der Beelitzer Schüler kam die Aufforderung vier Tage vor dem Termin. „Vor lauter Verzweiflung hat die für die Organisation verantwortliche Mutter das Geld bezahlt“, berichtet die Anwältin, die wie die Eltern auch namentlich in der Zeitung nicht genannt werden will. Ähnlich lief es auch in Werder ab, zumal die Veranstaltungsfirma damit gedroht haben soll, den Abiball abzusagen, sollte die Rechnung nicht bezahlt werden. Wohlthat Entertainment hatte es auf MAZ-Anfrage als „längst fällige Restzahlung“ bezeichnet. Auf dem Angebot für die Beelitzer Schüler etwa steht nur der Netto-Gesamtpreis, aber wie viel Mehrwertsteuer dazu kommt, ist nicht aufgeführt.

Verbraucherschutz reicht Klage auf Unterlassung ein

Laut Preisangabenverordnung ist es nicht rechtens, die Mehrwertsteuer erst auf der Endabrechnung zu kennzeichnen, so die Anwältin aus Beelitz weiter. Für die Werderaner bedeutete die Nachzahlung immerhin zehn Euro mehr pro Karte, also 69 anstatt 59 Euro. „Die Firma hat eiskalt die Geschäftsunerfahrenheit der Schüler ausgenutzt“, sagt die Mutter eines betroffenen Abiturienten.

Die Stadtverwaltung Werder wollte sich über die damaligen Aussagen von Wohlthat Entertainment hinaus nicht äußern. Auf eine erneute Anfrage bei dem Berliner Unternehmen konkret bezüglich der angeblichen Nachzahlung kam bis zum heutigen Tag keine Antwort. Die Beelitzer Anwältin und Mutter hat die Verbraucherzentrale in Berlin über das Mehrwertsteuer-Problem informiert, die daraufhin Kontakt zu Wohlthat Entertainment aufnahm. „Wir haben die Firma abgemahnt und weil sie selbst keine Unterlassungserklärung abgegeben hat, haben wir nun Klage eingereicht“, erklärte Dorothea Kesberger, Sprecherin der Verbraucherzentrale. Da dies erst kürzlich geschehen ist, steht eine Antwort derzeit noch aus.

Schüler sind nicht verpflichtet, auf der Bismarckhöhe zu feiern

Die Werderaner Abiturienten versuchen indes mit anwaltlicher Unterstützung einen Teil des Geldes zurückzukriegen. Sollte das erfolgreich sein, würde es an den Förderverein der Schule gehen, wie ein ehemaliger Elternvertreter berichtet. Ihn wurmt vor allem auch, dass die vormaligen Schüler und auch die künftigen Jahrgänge „in eine Schublade der Straftäter gesteckt werden“. Wohlthat Entertainment beklagte gegenüber der MAZ im Nachgang des Abiballs erhebliche Schäden in der Bismarckhöhe, laut der verantwortlichen Mitarbeiterin verursacht durch die Abiturienten. Wegen eines laufenden Verfahrens wollte sich das Unternehmen dazu nicht weiter äußern. „Wir haben nie Beweise gesehen, es gibt keine Strafanzeige oder ein Schreiben von einer Versicherung“, erklärt der Vater. Seinem Sohn zufolge ist den ganzen Abend nichts passiert.

Der jetzige Abiturjahrgang will den Abiball jedenfalls in der Metropolis-Halle in Potsdam feiern, wie die Eltern, die durch jüngere Kinder an der Schule auf dem Laufenden sind, berichten. Ein Angebot mit einem geringeren Eintrittspreis pro Person liege bereits vor. Die Abiturienten des Oberstufenzentrums Werder haben ihren Abschlussball im vergangenen Jahr beispielsweise in der Potsdamer Biosphäre gefeiert. Nach MAZ-Informationen soll sich die Schulkonferenz des Ernst-Haeckel-Gymnasiums demnächst mit der Frage befassen, ob die Schule rechtlich verpflichtet sei, den Abi-ball auf der Bismarckhöhe durchzuführen. Der Stadtverwaltung zufolge besteht eine solche Verpflichtung nicht. „Der Abiball ist eine eigenständige, selbst organisierte Veranstaltung der Schüler und/oder Eltern als Abschluss des Abiturs“, sagte Stadtsprecher Henry Klix. „Natürlich freuen wir uns, wenn unsere Abiturienten auch in unserer Stadt feiern.“

Was regelt die Preisangabenverordnung?

Die Preisangabenverordnung ist eine deutsche Verbraucherschutzverordnung, die seit 1985 gültig ist. In der Zwischenzeit wurde sie einige Male verändert.

Der oberste Grundsatz der Preisangabenverordnung lautet der Industrie- und Handelskammer zufolge, dass gegenüber Verbrauchern immer der Endpreis angegeben werden muss. Das bedeutet inklusive der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile.

Der Verbraucher soll auf den ersten Blick sehen können, was er tatsächlich am Ende zu bezahlen hat. Das gilt als grundsätzliche Regel nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für Dienstleistungen.

Preisklarheit ist das Ziel der Verordnung, weshalb es unzulässig ist, nur Nettopreise, auch mit Zusätzen wie „zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer“ anzugeben.

 

Von Luise Fröhlich

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