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Verfechter des kirchlichen Ehrenamtes

Mittelmark Verfechter des kirchlichen Ehrenamtes

Stefan Köhler-Apel eröffnet am Samstag als Präses des Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg die Herbstsynode. Der 60-Jährige arbeitet als Volljurist im brandenburgischen Finanzministerium. Als er zwei Jahre alt war, flohen seine Eltern mit ihren Kindern nach Westdeutschland. Nach der Wende kam Stefan Köhler-Apel in seine Heimat zurück.

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Stefan Köhler-Apel vor dem Altar der Schenkenberger Kirche.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Schenkenberg. Für Stefan Köhler-Apel ist die Kleine Kirche in Schenkenberg das, was für einen Bauherren ein Eigenheim ist. Genauso geduldig und interessiert, ja hochengagiert bezüglich ihrer Entstehung, führt der Präses des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg Besucher durch das Gebäude, das vor zehn Jahren um einen Kirchenanbau erweitert worden ist. Dass die Schenkenberger Kirche entstanden ist, ist auch dem heute 60 Jahre alten Volljuristen zu verdanken. Am kommenden Samstag eröffnet Stefan Köhler-Apel nun die Herbsttagung der Kreissynode in Lehnin.

Vor 14 Jahren ist der gebürtige Brandenburger in das Präsidium des damaligen Kirchenkreises Lehnin-Belzig gewählt worden. Später wurde er zunächst kommissarisch und 2008 dann offizieller Präses des Kirchenkreises. Nach der Fusion der drei Kirchenkreise Lehnin-Belzig, Brandenburg und Beelitz-Treuenbrietzen wählte die Kreissynode Stefan Köhler-Apel zum Präses. Heute sind Annemarie Mannzen und Oliver Notzke seine Stellvertreter.

Kreissynode und die Aufgabe eines Präses

Die Kreissynode entscheidet für die Region eines Kirchenkreises über die personelle Aufstellung, wie viel Geld wofür ausgegeben wird, über die Bautätigkeit und Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit.

Ein Präses ist der ehrenamtliche Vorsitzende der Kreissynode. Er legt in Abstimmung die Tagesordnung fest und lädt zu der Versammlung ein.

Die Herbsttagung der Kreissynode trifft sich Samstag im Lothar-Kreyssig-Haus in Lehnin. Sie beginnt mit einer Andacht. Schwerpunkt ist das Reformationsjubiläum 2017 und der Deutsche Evangelische Kirchentag Wittenberg-Berlin vom 24. bis 28. Mai 2017. Über die Bezüge zur Region des Kirchenkreises wird dazu die Generalsekretärin des Organisationskollegiums des Kirchentags, Ellen Ueberschär, referieren.

Obwohl Stefan Köhler-Apel in Brandenburg geboren wurde, wuchs er in der Nähe von Dortmund auf. Seine Eltern waren 1958 nach Westdeutschland geflohen. Die Mutter war Christin und in der Kirche aktiv. Das Paar erzog seine Söhne christlich. Der Vater war bei Brieletta, einem der größten Arbeitgeber im alten Landkreis Brandenburg, Werkleiter. Die Einflussnahme der DDR-Obrigkeit ging so weit, „dass man meinem Vater nahelegte, sich von meiner Mutter zu trennen. Er bekäme dann auch die Kinder. Meine Eltern beschlossen daraufhin, sich nicht voneinander, sondern von der DDR zu trennen“.

Fast hätte das kleine Kind die Kontrolleure misstrauisch gemacht

Bei Gründung der DDR 1949 hatten bereits rund zwei Millionen Menschen das Gebiet Richtung Westen verlassen. In den 50er Jahren gab es schon eine fünf Kilometer breite Sperrzone an der Demarkationslinie. Wer einen zehn Meter breiten Kontrollstreifen übertreten wollte, dem drohte Festnahme. Auch ein Schießbefehl galt bereits. Seit Ende 1957 waren Vorbereitung oder der Versuch der Republikflucht strafbar.

Die Flucht, sie war also auch damals schon riskant. Die Eheleute stiegen getrennt von einander in eine S-Bahn ein, die durch West-Berlin fuhr. Offizielle Kontrollorgane nahmen auch von Stefan Köhler-Apels Mutter Kenntnis. Der Bruder rief kurz, dass der Vater vorne im Zug eingestiegen sei. Doch die Mutter konnte das Kindergebrabbel überspielen. Die Kontrolleure wurden nicht misstrauisch. „Es war nicht ungefährlich“, sagt Stefan Köhler-Apel rückblickend über die Flucht.

Zurückgekehrt, um zu bleiben

Von West-Berlin führte der Weg der Familie nach Nordrhein-Westfalen. Später studierte Stefan Köhler-Apel in Marburg und Bochum Jura. Er wurde Anwalt mit Schwerpunkt Verwaltungsrecht. Nach der Wende ging er 1991 mit seiner Frau zurück in seine Heimat. „Ich habe mich über die deutsche Wiedervereinigung gefreut und gesagt, wenn man schon das Wirtschafts- und Rechtssystem aufoktroyiert, dann muss man auch bereit sein, zu sagen, ja ich gehe dorthin, um zu bleiben.“ Anfangs war Stefan Köhler-Apel im Amt für offene Vermögensfragen tätig. Dann wechselte der Vater eines heute 23-jährigen Sohnes und einer 18 Jahre alten Tochter ins Finanzministerium nach Potsdam. Dort arbeitet Köhler-Apel, der in der Schenkenberger Kirschberg-Siedlung zu Hause ist, noch immer. Dass er ehrenamtlich für die Kirche aktiv ist, „habe ich im Ministerium sehr offensiv kommuniziert“. Immerhin liegt das Haus seit Jahren schon in der Führung von Ministern der Linken. „Da gilt mein Ehrenamt als bürgerschaftliches Engagement“, sagt Köhler-Appel mit einem Schmunzeln. Probleme hat er nie gehabt deswegen.

Als Präses bedeutet es ihm viel, die Gemeindeglieder mitzunehmen bei den Entscheidungen, die anstehen im Kirchenkreis. Ehrenamtlich Mitwirkende sind Stefan Köhler-Apel wichtig. Es gelte die Frage zu klären, wie christliches Leben auf dem Lande zu organisieren sei. Dafür ist ein Arbeitskreis für die vier Regionen Brandenburg, Lehnin, Beelitz-Treuenbrietzen und Bad Belzig-Niemegk gegründet worden. Eine autoritäre Kirche wie in vergangenen Epochen ist unvorstellbar in einer Region, in der sich Jahr für Jahr die Zahl der Gläubigen verringert.

Immer weniger Gemeindeglieder im Kirchenkreis

Gab es bei der Fusion der Kirchenkreise zum 1. Januar 2012 noch 30 300 Gemeindeglieder, sind es zum Jahresende 2016 nur noch 27200. Schon die Fusion selbst war ein großer Einschnitt in die Struktur. Doch mittlerweile ist er geheilt, so scheint es: „Die Fusionsängste sind längst überwunden. Es ist besser gelaufen, als ich befürchtet hatte. Ich dachte, es dauert länger.“ Die jetzige Personalsituation von 68,5 Stellen für 2017 werde über längere Zeit wohl so auch bleiben. „Das ist eine gute Nachricht.“ Auf dem Stellenplan sind die Pfarrer und Gemeindepädagogen, die Mitarbeiter der Superintendentur und die Kirchenmusiker. Wandel ist auch schon damit verbunden, dass ein Pfarrer meist nur zehn Jahre in einer Gemeinde tätig ist. „Ich denke, dass hat Vorteile: Ein neuer Pfarrer bringt auch neue Impulse.“

Von Marion von Imhoff

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