Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Zu lange Verfahrensdauer: Mörder aus Haft entlassen
Lokales Potsdam-Mittelmark Zu lange Verfahrensdauer: Mörder aus Haft entlassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:17 07.12.2018
Der Angeklagte im Landgericht Potsdam. Quelle: Julian Stähle
Brandenburg/Havel

Wenige Monate nach seiner Verurteilung wegen Mordes an seiner aus Lettland stammenden Ehefrau (57) ist Michael A. am Donnerstag aus der Haft entlassen worden. Das Oberlandesgericht Brandenburg habe den Haftbefehl aufgehoben, wie Gerichtssprecherin Judith Janick auf Anfrage erklärte. Oliver Milke, Verteidiger des Mannes, sagte, er habe zuvor Haftbeschwerde wegen überlanger Verfahrensdauer bei dem noch nicht rechtskräftigen Urteil eingelegt.

Frau kommt bei Aufprall zu Tode

Der 64-Jährige war im Februar dieses Jahres vom Landgericht Potsdam zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter war er am 1. Weihnachtsfeiertag 2015 absichtlich mit seiner Frau mit einem Kleinwagen gegen einen Straßenbaum an der L 77 zwischen Güterfelde und Saarmund gegen einen Baum gefahren. Während der damals 63-Jährige schwer verletzt überlebte, starb die 57-Jährige an den Folgen ihrer Verletzungen.

Der Angeklagte war er am 1. Weihnachtsfeiertag 2015 absichtlich mit seiner Frau mit einem Kleinwagen gegen einen Straßenbaum an der L 77 zwischen Güterfelde und Saarmund gegen einen Baum gefahren.

Richter Theodor Horstkötter blieb Anfang Februar mit seinem Urteil zwei Jahre unter der Forderung von Staatsanwalt Jörg Möbius. „Es lag bei dem Angeklagten eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit vor“, begründete Richter Horstkötter das geringere Strafmaß. Der aus Russland stammende Michael A. habe zum Zeitpunkt der Tat an einer depressiven Störung „mit schwerer Ausprägung“ gelitten. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

Mit Absicht gegen den Baum gerast

Bereits im Prozess war ausgeführt worden, dass es keine Bremsspuren gegeben hatte und Michael A. den Crash hätte mit dem weißen VW Up vermeiden können. Mehrere Aussagen legten zudem nahe, dass der Altenpfleger und Psychiater Suizid begehen und seine Frau mitnehmen wollte. Michael A. sei „bewusst, geplant und absichtlich“ gegen den Baum gerast, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Zuvor hatte er seine Frau zu einem angeblichen Saunabesuch in der Therme Ludwigsfelde aus Potsdam abgeholt. Anna A. sei „arglos“ in das Auto gestiegen.

Mehr zum Thema

Todesfahrer will Feuervögel gesehen haben

„Beide haben kommen sehen, was da passiert“

Verteidiger will Freispruch

In der Verhandlung musste das Gericht sich mit der Frage der Schuldunfähigkeit befassen: Michael A. hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und beteuert, dass er weder sich noch seine Frau umbringen wollte. Zudem sagt er, sich an den Unfall nicht erinnern zu können. Präsent sei allein das Bild dreier Feuervögel, die auf das Auto zuflogen.

Schuldunfähigkeit wurde untersucht

Michael A. ist von Hause aus Psychiater – ein Mann vom Fach also. Es ist davon auszugehen, dass er weiß, dass schuldunfähig ist, wer wegen eines seelischen Defekts – etwa wegen einer Geisteskrankheit – oder wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung das Unrecht seines Handelns nicht einsehen oder aber sein Verhalten nicht rechtskonform steuern kann. Drei Mal ist Michael A. von Margarete Schulte, der vom Gericht bestellten Psychiaterin, im Gefängnis befragt worden.

Von MAZonline