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Potsdam-Mittelmark Viel getrunken wurde in Werder schon immer
Lokales Potsdam-Mittelmark Viel getrunken wurde in Werder schon immer
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07:40 28.04.2016
Hans-Jürgen Krackher (l.) und Norbert Glante beim Stöbern in den historischen Postkarten zum Blütenfest. Quelle: Greiner
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Werder

Als „Markenmacher“ bestimmten früher Produkte wie Palmolive und Dickmanns das Leben von Hans-Jürgen Krackher. Heute ist der 65-Jährige, der Frankfurt/Main verließ um sich in Potsdam an der Havel wohl zu fühlen, fasziniert vom Blütenmarketing für Werder damals und heute. Das „Oktoberfest des Ostens“ ist für ihn eng mit der Höhengastronomie verbunden. Kein Wunder, dass er sich deshalb an der Seite des Vereinsvorsitzenden Norbert Glante für den Freundeskreis Bismarckhöhe engagiert.

Der Werbeexperte Krackher spart nicht mit Lob, für das Stadtmarketing anno dazumal. „Um 1900, vor dem Anfang der Medienzeit, waren Ansichtskarten die Botschaft einer Stadt, Potsdam verschickte sein Sanssouci, Werder das ganze Jahr lang blühende Obstbäume“, sagt Krackher. Dass es dazu kam sei der genialen Marketing-Idee der Werderaner Urgroßväter zu verdanken, sind sich Glante und der Vereinssprecher einig. Statt weiter mühsam nur das Obst mit den Schuten nach Berlin zu schippern, holten die Werderschen die Berliner zum Obstwein. Und sie kamen in Scharen mit Sonderzügen Zehntausende schon zum ersten Blütenfest im Mai 1879. Wenige Wochen zuvor hatte Obstzüchter Wilhelm Wils ein solches Fest vorgeschlagen und darauf hin der Werdersche Obst- und Gartenbauverein beschlossen.

„Lithographen tauchten in der Druckerei die Stadt Werder mit dem Farbpinsel in ein Blütenmeer, die Bismarckhöhe wurde zum Schloss und thronte noch höher als im realen Leben über der Stadt“, sagt Krackher. Fast über den Wolken wurden dann nach vielen Gläsern vom süffigen Obstwein Karten mit lustigen Sprüchen in die weite Welt geschickt. Einige der Karten haben Krackher und der Verein über das Internet gekauft und auf die Bismarckhöhe zurückgeholt. „Und die Preise für die Karten steigen“, sagt Krackher.

Das bevorstehende 137.Blütenfest vom 30.April bis 8.Mai war für den Freundeskreis Anlass, sich die feucht-fröhlichen Botschaften auf den Postkarten genauer anzusehen. „Die preußischen Schulschriften von Sütterlin sind nicht leicht zu lesen, doch die Entschlüsselung der fröhlichen Kartengeschichten ist die Mühe wert“, sagt Glante. So schreibt 1890 Else, eine Holländerin, auf ihrer Karte mit Inselkirche: „Werder. Das ist Nederland in Berlin, von hier kriegen die Deutschen ihr Obst.“ Und die Frauen von Fritz und Erich aus Berlin-Wilmersdorf schwärmen auf ihrer Postkarte von 1927 den Daheimgebliebenen vor: „Alles steht in Werder Kopf, man muss nur ohne Männer ausgehen, dann ist es knorke. Wir sind alle etwas schräg.“ Darum hat August auf seiner Karte an Richard im Mai 1928 gleich gestanden: „Sind Sie auch so blau wie ich? Der Wein schmeckt immer besser. Was soll ich tun, ich kann doch nichts dafür.“ Das ist 88 Jahre her – viel hat sich nicht geändert. Und gerade deshalb wird das Fest geliebt. Nur viel weniger Postkarten werden geschrieben, dafür muss das Handy um so mehr verschicken. Aber die Nachfahren der Gäste von heute können vermutlich nicht mehr in Bergen von Postkarten stöbern und sich dabei köstlich amüsieren – so wie Hans-Jürgen Krackher und Norbert Glante.

Kein Blütenfest in Werder seit 1879 ohne viel süffigen Obstwein und Postkarten mit feucht-fröhlichen Grüßen für die Daheimgebliebenen. Quelle: MAZ/Repro/Kunst und Bild GmbH Berlin

Weitere Informationen rund um das Werderaner Blütenfest gibt es unter www.maz-online.de/bluetenfest

Von Regine Greiner

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