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Viele Hürden bis zum Lieblingsplatz im Bahnhof

Treuenbrietzen Viele Hürden bis zum Lieblingsplatz im Bahnhof

Günstig ersteigert haben Petra Hannemann und Guido Franz vor sechs Jahren den alten Bahnhof von Treuenbrietzen. Bevor der aber zu einem einmaligen Wohnhaus werden konnte, waren viel Arbeit zu erledigen und einige Hürden in Behörden zu nehmen. Ein lapidarer „Bahnbetriebszweck“ blockierte über Jahre die Baugenehmigung.

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Ihren Lieblingsplatz gefunden haben Petra Hannemann und Guido Franz als Besitzer des Treuenbrietzener Bahnhofs.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Viel ruhiger als in der Altstadt wohnen Petra Hannemann und ihr Lebenspartner Guido Franz nun direkt am Bahngleis. Als das historische Empfangsgebäude in Treuenbrietzen 2010 unter den Hammer kam, schlug das Paar zu. Schuld am Wechsel in das zumindest in der Sabinchenstadt einmalige Wohnquartier ist irgendwie auch die MAZ. „Im Fläming-Echo hatte ich damals den Bericht über die bevorstehende Versteigerung gelesen“, erinnert sich Guido Franz. Seine Partnerin hielt die spontane Idee, den Bahnhof zu kaufen, zunächst für einen Scherz und reagierte gar nicht. „Doch er meinte es ernst“, erzählt die in Potsdam tätige Schwimmmeisterin, die über viele Jahre auch für die Kinder in der Treuenbrietzener Badeanstalt nur als „Frau Schwimmmeister“ bekannt und beliebt war.

Der  Bahnhof Treuenbrietzen hat noch Ausbaureserven

Der Bahnhof Treuenbrietzen hat noch Ausbaureserven.

Quelle: Thomas Wachs

Zweimal hatte die heute 60-Jährige in ihrem Leben schon Häuser gebaut oder saniert. „Bis zur Rente sollte man damit eigentlich fertig sein“, sagte sie sich. Und trotzdem fuhr sie mit ihrem Partner aufgeregt zur Auktion nach Berlin. „Ich war die einzige, die sich gemeldet hatte, als der Auktionator fragte, wer noch nie da war“, erzählt Hannemann. „Da gingen Objekte für fünf Millionen weg, und wir mitten drin“, erzählt Hannemann. Nach einem kleinen Bietergefecht mit anfangs acht Interessenten fiel der Hammer bei 19 500 Euro für die Einheimischen und ein Objekt, das die beiden bis dahin nur von außen kannten.

Ruhiges Leben am Bahngleis

Zum zentralen Besichtigungstermin hatte das Paar, das beruflich verhindert war, noch zwei Freundinnen geschickt. Gleich am Winterabend nach der Auktion dann die erste Besichtigung mit der Taschenlampe. Weniger demoliert als befürchtet, präsentierte sich der Bau auch im Inneren.

Nach vier Jahren des Ringens um die Baugenehmigung und einem Jahr Umbauzeit wohnen die stolzen Bahnhofsbesitzer nun seit Weihnachten 2015 in ihrem einmaligen Domizil. Zudem können drei Wohnungen vermietet werden. Zwei sind bereits saniert. Das großzügige eigene Wohnzimmer mit vier Meter hoher Decke entstand in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte. Der Wartesaal ist zur langgestreckten Küche geworden. Über große Fenster geht der Blick hinaus auf den alten Bahnsteig. Er verwandelte sich in eine weitläufige Terrasse mit vielen Pflanzen. „Passanten fragen manchmal, wann denn der Blumenladen öffnet“, erzählt Hannemann.

Bahnhof unterm Hammer

Am 4. Dezember 2010 standen beim Auktionshaus Karhausen in Berlin 137 Immobilien aus dem gesamten Bundesgebiet zur Versteigerung. Darunter acht Bahnhofsgebäude.

Als einziger in Brandenburg war der Treuenbrietzener Bahnhof dabei und für ein Mindestgebot von 14 000 Euro zu haben.

Eigentümer des Bahnhofes war zuletzt eine in Luxemburg ansässige Gesellschaft mit Vertriebsgesellschaft in Deutschland, der Main Asset Management GmbH.

Vermarktet wurden von der Firma zahlreiche ehemalige Immobilien der Bahn AG.

Diese hatte im Jahr 2003 im Paket mit mehr als 100 anderen Bahnhöfen auch die Treuenbrietzener Station an die später insolvente Firma First Rail Estate mit Sitz in Neufelden bei Frankfurt am Main verkauft.

Die Immobiliengesellschaft wollte die Gebäude langfristig vermieten. Für Treuenbrietzen war damals zum Beispiel ein „Rucksackhotel” als Herberge mit einfachem Standard geplant. Es fand sich jedoch kein Pächter.

Auch andere Pläne – wie die zur Einrichtung des Besucherzentrums für den Naturpark „Nuthe-Nieplitz” – scheiterten. Es steht inzwischen in Glau.

„Die paar Leute, die hier tagsüber am neuen Bahnsteig vorbei kommen, stören uns nicht“, sagt der 48-jährige Guido Franz. Ansonsten leben wir hier furchtbar ruhig, so ganz ohne direkte Nachbarn“, erzählt der Abteilungsleiter eines Potsdamer Möbelhauses. Ab und an gibt seine Partnerin Reisenden auf dem Weg nach Jüterbog oder Berlin Tipps zur Wahl des richtigen Bahnsteiges oder reicht auch mal einen Fahrplan über den Terrassenzaun. Für das Zugpersonal gibt es ab und zu Kaffee und Kaffee.

Zermürbende Behördengänge

Längst ist der alte Bahnhof für Petra Hannemann und Guido Franz zum Lieblingsplatz geworden. Langsam treten die Strapazen der Umbauzeit in den Hintergrund. Bis zum Eisenbahnbundesamt gingen die zermürbenden Behördengänge, bis Ende 2014 endlich die Baugenehmigung erteilt wurde. Schließlich gab es zuvor noch einen „Bahnbetriebszweck“, der alle Pläne blockierte. „Dabei ging es nur um einen Schalter im Haus, ein Kabel und drei Laternen, die daran hingen“, erinnert sich Petra Hannemann.

Café-Betrieb nach Lottogewinn

Mit dem Bau des neuen Bahnsteiges war auch dieses Hindernis abgeklemmt und der Bahnhof nur noch Privathaus. Nun würde sich Petra Hannemann noch freuen, „wenn die Sprayer ihre Graffiti wieder abholen könnten“. Nur mühsam lässt sich der Klinkerstein des einstigen Bahngebäudes nämlich von den Schmierereien aus einer Zeit befreien, als der aufgegebene Bahnhof sich selbst und damit einigen Randalierern überlassen war. „Und wenn der große Lottogewinn mal bei uns landet“, kann die Bewohnerin sich vorstellen, als Rentnerin im noch nicht sanierten Teil des Bahnhofes ein kleines Cafè oder einen Fahrradverleih zu betreiben.

Von Thomas Wachs

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