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Viele Lehrstellen zum Start noch unbesetzt

Ausbildungsmarkt im Fläming Viele Lehrstellen zum Start noch unbesetzt

Zwei Wochen vor Start des neuen Ausbildungsjahres gibt es in Potsdam-Mittelmark noch reichlich und attraktive Lehrstellen, die noch besetzt werden können. So auch im Gerätewerk der Kohl AG Treuenbrietzen. Handwerkliche Berufe sind bei Schulabgängern jedoch weniger gefragt als Bürojobs und soziale Tätigkeiten, wissen auch die Vermittler der Agentur für Arbeit.

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Justin Grieß (li.) ist Lehrling im Gerätewerk Treuenbrietzen. Meister Adrian Schenk erklärt das moderne Fräszentrum.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es im Landkreis Potsdam-Mittelmark noch zahlreiche unbesetzte Lehrstellen. So waren von den 1135 von Betrieben gemeldeten Ausbildungsplätzen mit Stand Ende Juli noch 538 unbesetzt. Dem stehen 256 Bewerber gegenüber, die bis Ende September noch keinen Ausbildungsplatz sicher haben. Dabei stieg das Angebot im Vergleich zum Vorjahr um gut 190 Stellen. Die Zahl der Bewerber für eine Berufsaubildung blieb mit 747 Schulabgängern indes annähernd konstant.

Rein statistisch kann jeder Abgänger also heute aus zwei Angeboten wählen. „Vor wenigen Jahr war das noch andersherum“, sagt Marko Wilke von der Agentur für Arbeit. „Da kamen auf jede Lehrstelle noch zwei Bewerber“, erklärt der Leiter der Geschäftsstelle Bad Belzig.

Allianz geschmiedet

Die Arbeitsagenturen Potsdam und Neuruppin, die Handwerkskammer (HWK) Potsdam sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam vermitteln als Partner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung freie Lehrstellen.

Die Handwerkskammer Potsdam kann aktuell in Westbrandenburg noch 500 freie Lehrstellen in 63 verschiedenen Ausbildungsberufen anbieten: So für Elektroniker (54), Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (52) sowie Kraftfahrzeugmechaniker (43).

In der Lehrstellenbörse für den IHK-Bezirk Potsdam stehen noch 930 Ausbildungsangebote für dieses Jahr. Darunter für Kaufleute im Einzelhandel, Lagerfachkräfte, Sport- und Fitnesskaufleute, Köche, Industriemechaniker, Kaufleute für Büromanagement, Berufskraftfahrer und andere.

Bei der Arbeitsagentur Potsdam findet am 10. Oktober ein Aktionstag zur Nachbesetzung von Ausbildungsplätzen statt.

Doch die reinen Zahlen trügen. Das Problem: Die freien Stellen decken sich nicht mit den Wünschen der Schulabgänger. „Sie zieht es heute immer mehr in Bürojobs und soziale Berufe“, erklärt Monika Bothe. Die Berufsberaterin der Arbeitsagentur geht in die Schulen und berät auch Eltern zur Lehrstellensuche für ihre Kinder. Offene Plätze vermitteln kann die Agentur beispielsweise noch für Industriekaufleute, Friseure, Köche oder auch Schornsteinfeger und Kaufleute im Groß- und Einzelhandel.

Monika Bothe und Frank Liebig von der Agentur für Arbeit können noch einige Ausbildungsplätze vermitteln

Monika Bothe und Frank Liebig von der Agentur für Arbeit können noch einige Ausbildungsplätze vermitteln.

Quelle: Thomas Wachs

Allgemein haben die Branchen Gastronomie, Handwerk, Metallverarbeitung und Landwirtschaft das Nachsehen und zunehmend Probleme, freie Stellen zu besetzen und Nachwuchs zu finden. „Dabei haben wir durchaus attraktive Betriebe in der Region, die wirtschaftlich gut aufgestellt sind und auch über die Ausbildung hinaus langfristige Beschäftigung bieten“, sagt Frank Liebig. Er ist in der Arbeitsagentur Ansprechpartner für Unternehmen im Raum Bad Belzig. Diese wollen verstärkt wieder ausbilden. „Die Firmen sollten jedoch stärker werben und mit dem wuchern, was sie zu bieten haben“, so Liebig.

Stellen auch für nächstes Jahr schon im Blick

Er animiert Personalchefs der Firmen und Inhaber kleinerer Betriebe, Ausbildungsplätze auch schon für das nächste Jahr zu melden. „Denn Neuntklässler orientieren sich durchaus jetzt schon für die Zeit nach dem Schulabgang“, weiß Monika Bothe. Sie animiert Eltern und unversorgte Schüler, die dieses Jahr noch auf der Suche sind, flexibel zu bleiben. Bis Dezember ist der Einstieg oft noch möglich, weil es anfangs durchaus auch Wechsel gibt. Dabei lohne auch ein Blick in andere Zweige, wenn der eigentliche Wunschberuf stark nachgefragt ist, so Bothe.

Die Beraterin kennt aber auch Hürden: „Ohne eigenes Auto ist es in ländlichen Regionen wie dem Fläming mitunter schwer, den Ausbildungsplatz oder die Berufsschule zu erreichen.“ Unternehmen könnten diese Probleme der Infrastruktur lösen, indem sie – womöglich auch im Verbund mit anderen – Lehrlingsquartiere bieten.

Lehrlingssuche längst auch in sozialen Netzwerken

Aktive Werbung um Mitarbeiter ist für das Treuenbrietzener Gerätewerk der Kohl AG mit seinen verschiedenen Geschäftszweigen seit Jahren schon ein großes Thema. „Wir sind regelmäßig auf allen Ausbildungsmessen im Umland vertreten“, sagt Geschäftsführer Rainer Sieberhein. Schon seit Jahren nutzt das Unternehmen auch das Internet aktiv. Vor allem, um Lehrlinge für die Metallbranche zu interessieren. Eigens wurde ein Film produziert und schon vor 15 Jahren wieder eine eigene Lehrwerkstatt aufgebaut, um Fachkräfte selbst auszubilden. Sieben bis neun Lehrstellen jährlich bietet das für den Automobilbau und die Bahn als Zulieferer tätige Unternehmen mit 380 Beschäftigten und derzeit 18 Lehrlingen allein am Standort in Treuenbrietzen seit Jahren regelmäßig. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle übernommen.

„Noch nie hatten wir aber so wenige Bewerber wie dieses Jahr“, so der Geschäftsführer. Auch er sieht die Tendenz, „dass Jungs heute stärker in bislang typische Frauenberufe drängen.“ Aktuell kann er noch fünf Ausbildungsplätze für Maschinenführer, Zerspaner und Metalltechniker besetzen. „Wir würden gern auch noch mehr ausbilden, um Stellen nachzubesetzen, die ältere Kollegen durch das Thema Rente mit 63 nun verstärkt frei machen“, so Rainer Sieberhein.

Chancen auch mit schlechterem Zeugnis

Selbst Bewerber mit schlechteren Schulnoten bekommen heute eine Chance für bestimmte Berufe im Gerätewerk. Für die immer komplexer werdenden Anforderungen an hoch modernen Maschinen seien jedoch immer mehr auch Computerkenntnisse gefragt und Abstriche bei den Leistungsanforderungen nur begrenzt möglich. Das bestätigt Justin Grieß. Der 21-jährige Treuenbrietzener begann voriges Jahr die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bewusst im Heimatort: „Warum soll ich weit weg gehen, wenn ich hier einen modernen Betrieb habe, der mich ausbildet“. Unter anderem an einem CNC-Fräsautomaten modernster Bauart. Das Fünfachs-Fräszentrum für rund 850 000 Euro ging voriges Jahr in Betrieb.

Von Thomas Wachs

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