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Vielfach der Kriegstoten gedacht

Treuenbrietzen Vielfach der Kriegstoten gedacht

In und bei Treuenbrietzen haben Vertreter dreier Nationen am Wochenende vielseitig der Kriegstoten verschiedener Länder gedacht. Am Sonntag fand mit Gästen aus Italien und Russland das traditionelle Zeremoniell an drei Gedenkstätten statt. Einen Tag zuvor ist zudem in Rietz ein neu gestalteter Gedenkort für drei erschossene Zwangsarbeiter eingeweiht worden.

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Mehr als 100 Vertreter dreier Nationen nahmen am gemeinsamen Gedenken in Treuenbrietzen teil. Darunter diese Abordnung der Botschaft Italiens auf dem russischen Ehrenhain.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist in und bei Treuenbrietzen am Wochenende mehrfach der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mehrerer Nationen gedacht worden. Traditionell kamen dazu am Sonntag auf Einladung der Stadt Treuenbrietzen auch Abordnungen aus Italien sowie von der Botschaft Russlands mit kommunalen Vertretern aus Treuenbrietzen und Niemegk sowie Bürgern zusammen.

Die italienische Botschaftsrätin, Susanna Schlein, sowie Roman Terentiev, Vertreter der Russischen Botschaft in Berlin, würdigten bei ihren Ansprachen an der Gedenkstätte bei Nichel für die 127 von deutschen Soldaten am 23. April 1945 erschossene italienische Militärinternierte beziehungsweise auf den Ehrenhain in Treuenbrietzen für gefallene sowjetische Soldaten jeweils die Initiativen der Stadt Treuenbrietzen für eine Versöhnung über den Gräbern und die Pflege der Gedenkstätten.

Gerade auch die jüngsten politischen Entwicklungen müsste in den Bemühungen bestärken, solche Ereignisse nie wieder zuzulassen, sagten die Redner vor mehr als 100 Teilnehmer des Gedenkens an drei Orten. Es schloss am Triftfriedhof in Treuenbrietzen zudem die zivilen und militärischen deutschen Opfer ein.

Ehrung deutscher Opfer am Triftfriedhof

Ehrung deutscher Opfer am Triftfriedhof: Die italienische Botschaftsrätin Susanna Schlein, sowie Roman Terentiev, Vertreter der Russischen Botschaft, gedenken hier mit Treuenbrietzens SVV-Chef, Michael Mrochen (v.l.n.r.).

Quelle: Thomas Wachs

Bereits am Sonnabend war im Kreise von circa 50 Teilnehmern im Ortsteil Rietz eine neue Gedenkstätte eingeweiht worden. Sie erinnert an drei osteuropäische Zwangsarbeiter, die am 22. April 1945 von Deutschen Soldaten im Dorf willkürlich erschossen worden waren. Nach einem Streit um die Gedenkkultur und die Versetzung der Gedenkstätte auf die andere Straßenseite lobte Ortsvorsteher Berthold Birka die neue Anlage. „Sie entspricht unserer seit Jahren im Ort zelebrierten Erinnerungskultur“, sagte Birka am Sonnabend.

Streit um Gedenkkultur

Im April 1945 werden in Rietz zwei Männer und eine Frau erschossen, die als Zwangsarbeiter aus Osteuropa im Dorf lebten.

Zur Neugestaltung der Gedenkstätte war ein Streit um die Gedenkkultur entbrannt.

Bislang erinnerte ein Holztafel aus DDR-Zeiten an der Wand einer privaten Scheune über einem kleinen Blumenbeete an die drei „von den Faschisten ermordeten Zwangsarbeiter“.

Die Bauverwaltung Treuenbrietzen hat die Gedenkstätte von Landschaftsplaner Gunnar Lange aus Bad Belzig erarbeiten lassen und mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises abgestimmt.

Das neue Denkmal hat drei Metallstelen aus Stahl mit Geschlechtssymbolen für die beiden Männer und die Frau.

Zudem ist am Boden eine Gedenktafel aus Aluminium montiert mit der Aufschrift „In Gedenken an die drei am 22. April 1945 ermordeten osteuropäischen Zwangsarbeiter“. Sie waren im Dorf als Landarbeiter eingesetzt.

Am Sonntag wurde das internationale Gedenken sodann noch einmal überschattet von Empörungen, die Treuenbrietzens Heimatvereinschef, Wolfgang Ucksche, vor einem Jahr mit problematischen Äußerungen ausgelöst hatte. Der frühere Journalist Wolf Thieme aus Werbig bei Bad Belzig hatte nun in einem an der Gedenkstätte in Nichel verteilten Flugblatt den Ausschluss Ucksches von der Gedenkveranstaltung gefordert. Er hatte voriges Jahr in Film- und Fernsehbeiträgen für Empörung gesorgt, als er versuchte, Kriegsverbrechen aus den Apriltagen 1945 in der Stadt zu legitimieren. Bezogen auf die Erschießung von 127 italienischen Militärinternierten bei Nichel hatte Ucksche angesichts von Befehlsstrukturen in Armeen eine Ermordung geleugnet.

Die neue Rietzer Gedenkstätte für drei 1945 ermordete osteuropäische Zwangsarbeiter

Die neue Rietzer Gedenkstätte für drei 1945 ermordete osteuropäische Zwangsarbeiter.

Quelle: Thomas Wachs

Während seiner Ansprache zu seinem traditionellen, abschließenden Empfang griff Bürgermeister Michael Knape (parteilos) dieses Thema am Sonntag auf. Demnach sei die seit mehr als 20 Jahre zelebrierte Versöhnung „eine starke Geste“, aber auch noch ein „sehr zerbrechliches Pflänzchen“, so Knape. So habe Debatte der vergangenen 365 Tage gezeigt, wie diese Versöhnung „immer wieder schwer erarbeitet werden muss“.

Dennoch verwahrte sich der Bürgermeister gegen einen von einzelnen Teilnehmern geforderten Ausschluss Ucksches von den Gedenkveranstaltungen. Das passe nicht zum Versöhnungsgedanken. Vielmehr sollte das Thema weiter aktiv diskutiert werden, so Knape

An der Gedenkstätte bei Nichel werden 127 erschossene Italiener geehrt

An der Gedenkstätte bei Nichel werden 127 erschossene Italiener geehrt.

Quelle: Thomas Wachs

Nach den Äußerungen hatte die Stadt ihrem damals im Bereich Tourismus tätigen Mitarbeiter Wolfgang Ucksche eine Abmahnung ausgesprochen. Eine Kündigung war arbeitsrechtlich nicht haltbar. Ucksche wurde daraufhin „mit neuen Aufgaben betraut, bei denen er nicht mehr mit der Thematik in Kontakt kommt“, erklärte Knape auf Nachfrage der MAZ. Seitdem liege aus gesundheitlichen Gründen aber eine Dienstunfähigkeit vor.

Wolfgang Ucksche verwies auf Nachfrage der MAZ auf sein „demokratisches Grundrecht zur Meinungsäußerung sowie zur Teilnahme am Gedenken“. Ansinnen des Heimatvereins sei es stets gewesen, im Zusammenhang mit den verschiedenen Kriegsereignissen vom April 1945 und deren Opfern „eben nicht aufzurechnen, wer Opfer und wer Täter ist“.

Der Heimatverein habe auch nach Ansicht von Bürgermeister Michael Knape „das Thema des Gedenkens an die Opfer aller Nationen früh besetzt und weiter bedient“. So habe er dazu beigetragen, „die heutige Gedenkform zu ermöglichen“.

Von Thomas Wachs

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