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Potsdam-Mittelmark Vogelgrippe: Frau Hinze schafft ihre Hühner ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Vogelgrippe: Frau Hinze schafft ihre Hühner ab
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00:17 13.03.2017
Margarete Hinze in ihrem Hühnerstall in Michelsdorf. Schon als Mädchen hat sie Federvieh versorgt. Jetzt sieht sie keine andere Möglichkeit, als es ihre Hühner abzuschaffen. Quelle: Marion von Imhoff
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Michelsdorf

Die Geflügelpest und die damit verbundene Stallpflicht stürzt eine betagte Michelsdorferin in die Verzweiflung. Margarete Hinze will nach Jahrzehnten der Tierhaltung ihre Hühner abschaffen. Ein Leben ohne Hühner – undenkbar war das bisher für die 87 Jahre alte Frau. „Ich kann das Leid der Vögel nicht mehr ertragen“, sagt sie aber nun, zermürbt von den Bedingungen, die derzeit wegen der Tierseuche für Hühnerhaltung gelten. Seit Monaten muss die Rentnerin ihre 50 Hühner wegen der Stallpflicht in einem Nebengelass ihres Wohnhauses einsperren. „Mein Leben lang habe ich Hühner gehalten und schon meine Eltern hatten Hühner“, sagt die alte Dame. „Ich glaube, ich kann sie nie wieder herauslassen. Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr. Im Winter ging es ja noch, aber jetzt im Frühling wollen die Vögel doch hinaus und auf dem Boden scharren. Ich halte es nicht mehr aus, das mit anzusehen“, sagt Margarete Hinze, die von vielen im Dorf nur Gretchen genannt wird.

Margarete Hinze, als die Welt noch in Ordnung war – im November 2016 kurz bevor infolge der Tierseuche die Stallpflicht erlassen wurde. Quelle: Marion von Imhoff

„Ich werde die Hühner abschaffen“, sagt die Michelsdorferin, die früher während ihres Erwerbslebens in einer Näherei in Brandenburg gearbeitet hat. Verkaufen werde sie die Tiere nicht. „Ich werde sie einfrieren und selbst verbrauchen“ So gehe es nicht mehr weiter. „Wenn ich die Stalltür öffne, fliegen mir die Tiere doch über den Kopf, die wollen einfach raus und kratzen und Gras fressen. Dann werden die Eier so schön gelb.“

Die Michelsdorferin lebt in ihrem Elternhaus. Es ist ein kleines weißes Haus, das so typisch ist für diese Gegend, mit einem Hof, einem Stück Land daran und gegenüber einer Scheune und dem Hühnerstall. Es gibt keinen Garten mit Lavendel, Buchsbaum, Rosen und Rhododendren, nur Freiland für die Hühner und ein paar Hundert Quadratmeter Hausacker. Dort wächst Grünzeug für die Hühner unter alten Obstbäumen und Beerensträuchern.

Margarete Hinze mit ihren Hühnern, als diese noch unter freiem Himmel scharren durften. Quelle: Marion von Imhoff

Schon als kleines Kind hat Margarete Hinze die Hühner ihrer Eltern versorgt. Es ist nicht schwierig sich vorzustellen, wie sie in den 30er Jahren als Fünf- oder Sechsjährige mit dem Lockruf „putt, putt“ die Hühner vom Stall in den Freilauf dirigierte und abends wieder zurück, damit sich der Fuchs kein Federvieh greift. Ein kleines Mädchen in einem Blumenkleid inmitten von ein paar dutzend Hühnern.

Doch jetzt, mehr als acht Jahrzehnte später, wird es wohl bald kein Gackern mehr auf dem kleinen Hinze-Hof geben. Vor der Haustür stehen immer ein paar 10er-Kartons mit frischen Eiern. Wer die haben will, wirft zwei Euro in ein Schälchen und nimmt sich die Eier mit. Klingeln ist dafür nicht nötig. Die Eier ihrer Hennen, die seien die besten weit und breit, hatte Margarete Hinze noch im November erzählt. Das war kurz vor dem Erlass der Stallpflicht, als schon bekannt war, dass diese drohte. Damals hoffte die alte Dame, es würde sich nur um Wochen handeln. Doch daraus wurden Monate und ein Ende der Stallpflicht ist noch nicht absehbar.

Auch andere Geflügelhalter geben auf

Margarete Hinze aus Michelsdorf ist kein Einzelfall. Auch andere private Hühnerhalter haben aufgegeben infolge der strickten Auflage, ihre Tiere im Stall zu halten. Das sagt Kreis-Amtstierarzt Hans-Georg Hurttig.

Einige Rassegeflügelzüchter haben Volieren gebaut, die so beschaffen sind, dass ihre Tiere nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommen können. Dafür braucht es Ausnahmegenehmigungen des Veterinäramtes.

Offen ist noch immer, wie lange die Stallpflicht als Schutzmaßnahme gegen Geflügelpest weiterhin gilt. „Die Anzahl der positiven Befunde bei Wildvögeln ist noch hoch“, sagt dazu Hans-Georg Hurttig.

„Wenn Sie die Eier meiner Hühner essen, möchten Sie bestimmt nie wieder andere Eier kaufen“, versprach die Michelsdorferin damals im Herbst und rühmte die intensiv gelbe Farbe des Eigelbs. „Das kommt vom guten Futter für meine Tiere. Sie bekommen jeden Tag Grünes.“ Munter pickten die Hennen derweil auf dem Erdboden und an den Kohlrabiblättern, die Margarete Hinze für sie in das Freilandgehege geworfen hatte.

Braun, weiß und schwarz sind ihre Hennen. Die Hühner kaufte sie jedes Jahr in einer einheitlichen Farbe, damit sie das Alter der Tiere erkennen kann. Hin und wieder hat sie eines geschlachtet. „Mein Stall ist nicht klein. Daran liegt es nicht. Ich gebe viel Stroh herein, damit sie dort kratzen können, aber das ist nicht das gleiche. Margarete Hinze schüttelt wieder und wieder den Kopf: „Mein ganzes Leben lang habe ich Hühner gehabt, immer habe ich Hühner gehabt. Ach, die armen Tiere.“

Von Marion von Imhoff

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