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Potsdam-Mittelmark Straße zu, Kantine tot
Lokales Potsdam-Mittelmark Straße zu, Kantine tot
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17:18 29.06.2018
Tamara Baltzer fürchtet durch die Vollsperrung der B2 um ihre Existenz als Kantinechefin. Quelle: Michaela Weiss
Dietersdorf

Die Gewerbetreibenden in Dietersdorf sind empört. Erst vor Kurzem haben sie erfahren, dass die B 2 jetzt saniert und dafür ab nächster Woche für längere Zeit voll gesperrt werden soll. Durch die nun fehlende Zeit, sich auf die Bedingungen einzurichten, droht der „Kantine für alle“ das Aus. Das sagt jedenfalls Tamara Baltzer.

Die Gastronomin ist gleichermaßen enttäuscht und verärgert. Grundsätzlich begrüßt die Unternehmerin die Sanierung der Bundesstraße. Doch sie stört sich an der Kommunikation des Landesbetriebs. Selbst die Stadt Treuenbrietzen hätte erst vor wenigen Tagen von der Umsetzung des Vorhabens erfahren und Tamara Baltzer informiert. „Ich bin flexibel und denke wirtschaftlich, deshalb hätte ich mich betriebswirtschaftlich darauf einstellen können, wenn man mich bloß informiert hätte!“

Seit einiger Zeit schlaflose Nächte

Baltzer hatte für Juli selbst eine Baumaßnahme an der Kantine geplant, das Material ist gekauft. „Ich habe im Januar meine Planung abgeschlossen. Unter anderem wollten wir die Kantine in der Ferienzeit im August für eine Renovierung schließen. Hätten wir von den Baumaßnahmen rechtzeitig gewusst, hätten wir entsprechend reagiert“, sagt Baltzer. Diese Investition wäre verschoben worden, weil die Deckung der Personalkosten vorgeht. „Die vielen Kunden, die morgens hier auf dem Weg zu Arbeit anhalten, brechen weg“, ist sie sich sicher und hat laut eigener Aussage schon seit einiger Zeit schlaflose Nächte. Volle Kosten bei nahezu keiner Beschäftigung. Eine Lücke entsteht, die es jetzt finanziell zu überbrücken gilt.

Umleitung via Niemegk

Die Sanierung der B2 zwischen Schwabeck-Gasthof und Treuenbrietzen erfolgt in zwei Bauabschnitten. Ab Donnerstag bis 18. August zwischen dem Abzweig nach Rietz und Dietersdorf.

Dazu wird außerdem ab dem 30.Juli zwischen dem Rietzer Abzweig und der Sabinchenstadt gebaut – in den Sommerferien bei einer Vollsperrung zwischen Rietz und Dietersdorf. Danach wird die Straße halbseitig freigegeben und der Verkehr per Ampel geregelt.

In den Herbstferien wird der zweite Bauabschnitt zwischen Schwabeck und Dietersdorf ausgebaut.

Die Umleitung führt in allen Fällen über Marzahna, Niemegk und Haseloff.

Zudem belastet sie die logistische Herausforderung, auf die sie sich nicht einstellen konnte. Ihr Wareneinkauf wird behindert, ebenso die Essensauslieferung bei der Ernteversorgung auf den Feldern und bei den Agrargenossenschaften. Nicht zuletzt ältere, nicht mobile Kunden bleiben demnach auf der Strecke.

Arbeiten sollen mit Ferienbeginn starten

Auch Bauamtsleiter Christoph Höhne wurde von der Ankündigung überrascht. „Da wird seit fünf Jahren geplant und zwei Wochen vor Beginn werden wir plötzlich zu einer Bauanlaufberatung eingeladen“, sagt Höhne wenig amüsiert. Er will versuchen, die Gewerbetreibenden und Anlieger so weit wie möglich zu entlasten. Eile ist geboten. Denn mit dem Ferienbeginn am Donnerstag sollen die Arbeiten beginnen.

Der Landesstraßenbetrieb hat dafür 2,2 Millionen Euro eingeplant. In der ersten Bauphase soll bis zum 18. August zwischen dem Abzweig nach Rietz und Dietersdorf eine Vollsperrung erfolgen. „Dort werden vier Durchlässe hergestellt und die Fahrbahn verbreitert“, teilte Irina Lorz vom Landesstraßenbetrieb auf MAZ-Anfrage mit. Außerdem wird die Asphaltdecke erneuert.

Angst um die eigene Existenz

Ob sich die Autofahrer an die jeweils weiträumigen Umleitungen halten, scheint nicht ganz sicher. So muss nach Ansicht von Christoph Höhne davon ausgegangen werden, dass auch die Einwohner von Feldheim und Schwabeck im Herbst betroffen sein werden, denn von dort aus gelangen die Autofahrer auf kürzeren Wegen nach Dietersdorf und Treuenbrietzen. Einzig der Waldweg nach Lüdendorf soll für den Lkw-Verkehr gesperrt werden, wie der Bauamtsleiter berichtet.

Für Tamara Baltzer sind das alles keine Optionen. Sie fürchtet um ihre eigene, vor allem aber die Existenz ihrer drei Mitarbeiterinnen. „Ich kann doch nicht die Frauen, die schon immer zu mir gehalten haben, entlassen“, klagt die 56-Jährige. In diesem Jahr begeht ihre „Kantine für alle“ das zehnjährige Jubiläum, nach feiern ist der Gaststättenbesitzerin jedoch nicht zu Mute.

Von Andreas Koska

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