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Potsdam-Mittelmark Vom Bäcker zum Jagdhornbläser
Lokales Potsdam-Mittelmark Vom Bäcker zum Jagdhornbläser
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19:31 07.07.2017
In seiner Rolle als Karnevalspräsident: Dietmar Schmitt hat nun den Posten für die 26-jährige Yara Anders geräumt. Quelle: Franziska Appelt
Ferch

Dietmar Schmitt, geboren 1954, ist mit einer Regentschaft von 42 Jahren einer der amtsältesten Karnevalspräsidenten Deutschlands. Vor wenigen Wochen übergab er den Posten an die 26-jährige Yara Anders, die über viele Jahre bereits die Fercher Tanzmädchen trainierte. Schmitt lebte mit seinen drei Geschwistern und Eltern seit seinem dritten Lebensjahr in Glindow und gehört seit 37 Jahren zu Ferch wie der Schwielowsee. Er ist nicht nur Mitglied im örtlichen Karnevalsverein, sondern engagierte sich über viele Jahre auch beim Jugendaustausch mit Schwielowsees Partnergemeinde Bodzentyn und leitete über 18 Jahre die Fercher Kinder- und Jugendjagdhorngruppe.

Herr Schmitt, wann haben Sie mit dem Jagdhornblasen begonnen?

In Glindow war ich im Fanfarenzug, dort habe ich das Blasen gelernt. Durch meine Forstlehre habe ich dann das Jagdhorn kennengelernt. Dadurch bin ich wiederum zur Jagd gekommen. Mein Ausbilder war immer der Meinung: Wer Jagdhornblasen kann, muss auch zur Jagd gehen. Ich war aber nie der große Jäger, mir haben die Tiere leidgetan.

Welche Bedeutung hat das Jagdhorn für die Jagd?

Das Jagdhorn gehört zum jagdlichen Brauchtum einfach dazu. Man könnte die Signale auch mit der Geige spielen – Noten gibt es, aber nach dem dritten Baum würdest du das nicht mehr hören. Ein Jagdhorn hörst du über 300 Meter weit und der Schütze weiß, es geht los. Und mit den Totsignalen werden die Tiere geehrt.

Jagdhornblasen ist für Dietmar Schmitt zu einer Leiderschaft geworden. Quelle: Franziska Appelt

Konnten Sie gleich im Forstbereich lernen?

Ich habe erst Bäcker gelernt, weil ich keinen Internatsplatz für die Forstlehre bekommen hatte und es keine andere freie Lehrstelle in der Nähe gab. Das frühe Aufstehen am Bäckerberuf hat mich gar nicht gestört. Aber ich wollte von Anfang an in die Forst. Meister für Natur- und Landschaftspflege habe ich dann gelernt und habe seitdem nie wieder die Backrolle angefasst.

Woher kommt Ihre Verbundenheit zum Wald?

Wir sind in Glindow groß geworden. Dahinter sind gleich die Glindower Alpen. Da sind wir jeden Tag von Herbst bis Frühjahr in den Bergen rumgekrochen. Dadurch habe ich Bücher über Naturschutz gelesen.

Sie kommen ursprünglich aus Franken, was hat Sie nach Brandenburg geführt?

Ich war ja erst drei Jahre alt. Aber die Eltern haben Arbeit in der Ziegelei gefunden – erst in Rädel, danach in Glindow. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Schlesien, weshalb die Verwandtschaft noch in der Region lebte.

Die ersten Karnevalserfahrungen waren keine guten

Waren Sie schon immer ein Karnevalsfreund?

In Glindow war mir der Karneval ein Graus. Alle anderen durften immer als Ritter und Cowboy gehen und mein Zwillingsbruder und ich mussten als Fliegenpilze oder Max und Moritz gehen. Dann sind wir lieber gar nicht zum Kinderkarneval gegangen.

Wie sind Sie dann zum Fercher Karneval gekommen?

1970 hatte ich meinen ersten Auftritt mit dem Jagdhorn beim Karneval. Das Motto lautete: „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“. Seitdem bin ich auch beim Karneval dabei. Bevor der Generationswechsel 1975 anstand, war ich Kartenabreißer und Türsteher.

Und letztlich für 42 Jahre Präsident.

Als sich der Verein nach elf Jahren auflösen wollte, hat eben die Jugend übernommen. „So wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“ war damals unser Motto für die Session. Jedes Prinzenpaar wurde dann für den Verein rekrutiert. Es kann nicht jeder eine Büttenrede schreiben. Aber du brauchst auch welche, die eine Girlande aufhängen und das Bühnenbild malern. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Denn ein Häuptling ohne Indianer ist auch nur ein Indianer.

Welche Vorteile bringt eine lange Amtszeit?

Nach einer 42-jährigen Regentschaft baut man natürlich auch Beziehungen zu anderen Vereinen auf – bis nach Köln und Nürnberg und auch in die umliegenden Dörfer Schmergow, Glindow, Töplitz, Werder, Groß Kreutz und Beelitz. Alles befreundete Karnevalsvereine. So lange wie ich hatte den Posten noch niemand. Die meisten halten maximal sieben Jahre durch.

Waren sie traurig, als Ihre Amtszeit endete?

Wir haben den Staffelstab eben weitergegeben. Ich stehe Yara und dem Verein weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Ich war länger Präsident, als die DDR existiert hat. Mit Gewalt musste ich allerdings nicht vom Thron gestoßen werden. Ich mache den Platz gerne frei für die Jugend und bin jetzt Ehrenpräsident.

Schmitt will seine polnischen Freunde weiter besuchen

Sie haben sich auch in anderen Projekten engagiert, zum Beispiel beim Jugendaustausch mit der polnischen Partnergemeinde Bodzentyn. Wie kam es dazu?

Sofia aus Bodzentyn hat damals in Ferch überall sauber gemacht. Eines Tages kam sie in der Flottstelle zu uns gelaufen und rief mit starkem Dialekt: „Ein Toter! Kannst du mir helfen?“ und ich sagte: „Ick kenn dir jarnich“. So habe ich Sofia kennen gelernt und bin über 18 Jahre lang da runter gefahren. Vor einigen Wochen das letzte Mal. Mehrmals auch mit der Jagdhorngruppe.

Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen der Partnerschaft mit Bodzentyn?

Es ist traurig, dass es seit letztem Jahr eingeschlafen ist. Wenn es einmal aufhört, dann hört es für immer auf. Ich werde meine polnischen Freunde aber weiterhin besuchen. Wenn ich heute durch Bodzentyn gehe, dann grüßen mich die Leute. Die Jugendlichen, die damals in Deutschland waren, freuen sich und sagen: „Ach Dietmar ist da!“ Die erinnern sich gerne.

Von Franziska Appelt

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