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Vom Junkie zum Töpfer

Menschen im Fläming Vom Junkie zum Töpfer

Vier Jahre ist Max Krüger nun schon bei der Suchthilfegemeinschaft Scarabäus und absolviert in deren Betrieb eine Ausbildung zum Töpfer. Der gebürtige Hesse ist in den Hohen Fläming gekommen, als er 2009 in seinem Leben einen Tiefpunkt erreicht hatte und Hilfe brauchte. 

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Max Krüger verbringt viel Zeit an der Töpferscheibe.

Quelle: Gunnar Neubert

Schmerwitz. Vier Jahre ist Max Krüger nun schon bei der Suchthilfegemeinschaft Scarabäus und absolviert in deren Betrieb eine Ausbildung zum Töpfer. Das Handwerk fordert seine volle Konzentration. Derzeit entstehen in den geschickten Händen des 26-Jährigen Tassen, eine so wohlgeformt wie die andere.

Der gebürtige Hesse ist in den Hohen Fläming gekommen, als er 2009 in seinem Leben einen Tiefpunkt erreicht hatte und Hilfe brauchte. "Ich war an der Grenze zum Tod und bin nun froh, dass ich noch lebe", gesteht der rothaarige Lockenkopf.

Über einen Zeitraum von gut sieben Jahren haben harte Drogen seinen Alltag bestimmt. Als dies schon bald bei seiner Berufausbildung zum Altenpfleger aufgefallen war, ist der junge Mann dort rausgeflogen. Er geriet auf die schiefe Bahn. Einbrüche und Diebstähle folgten, um das Leben im Rausch zu finanzieren.

"Mein Vater hat mir geraten, zu Scarabäus zu gehen und überreichte mir das Faltblatt der Einrichtung", berichtet Max Krüger. Seine Tante, die von Beruf Töpfermeisterin ist, hatte das Papier an einem Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt in Berlin eingesteckt.

Die erste Zeit in Schwerwitz war für den Süchtigen ziemlich schwierig. "Keine Drogen, kein Alkohol und kein Rauch ‒ ich musste mich dem kalten Entzug stellen", berichtet Max Krüger.

Hinzu kamen knallharte Regeln im Gemeinschaftsleben. "Aber authentisch ist es. Betroffene helfen Betroffenen", berichtet der ehemalige Junkie den Akteuren des Schmerwitzer Vereins die Wirkung der Strategie. "Die härteste Herausforderung war, hier zu bleiben und nicht abzuhauen", erklärt der Töpfer-Lehrling. Er hat durchgehalten und resümiert nun zufrieden: "Der Kontakt zu meiner Familie ist jetzt super. Die Lügerei gegenüber den Eltern und Geschwistern hat ein Ende".

Wenn Max Krüger das sagt, ist seine Erleichterung darüber deutlich herauszuhören. Vor allem die weite Entfernung zur Heimat habe ihm geholfen, nicht wieder rückfällig zu werden, erklärt er.

Längst ist der Alltag von Max Krüger wieder strukturiert. Er treibt regelmäßig Ausdauersport und verbringt viel Arbeits- und Freizeit in der Königsblau-Töpferei. Dem traditionellen Handwerk will er nach Abschluss der Ausbildung treu bleiben. "Ich habe im Internet eine nette Töpferin in Neuseeland kennen gelernt", erzählt der aufgeschlossene Mann. Für voraussichtlich neun Monate will er zu ihr ziehen. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes ein neues Ziel gefunden.

Von Gunnar Neubert

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