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Potsdam-Mittelmark Von der Röhre zum Transistor
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17:20 12.02.2016
Umgeben von wertvollen Schätzen (von links): Lennart und Armin Kahn aus Niemegk stehen 800 Hifi-Geräte aus Japan zum „Ausschlachten“ für Ersatzteile zur Verfügung. Die beiden Techniker restaurieren aber nicht nur alte Hifi-Geräte. Quelle: Johanna Uminski
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Niemegk

In ruhiger und entspannter Atmosphäre wird bei „good old hifi“ fleißig gelötet, gehämmert, geschraubt und gemessen. In der Werkstatt von Firmeninhaber Lennart Kahn und seinem Vater Armin in Niemegk stehen Hifi-Geräte aus Japan im Mittelpunkt. Die zwei Restauratoren bringen die alten Schmuckstücke wieder auf Vordermann. Aber nicht alle lassen sich restaurieren. Solche Geräte werden dann zur Ersatzteilgewinnung „ausgeschlachtet“. 800 dieser Ersatzteilspender stehen den beiden Tüftlern insgesamt zur Verfügung – darunter auch viele alte Radios. Zum heutigen Welttag des Radios hat die MAZ einen Blick auf die Rundfunkempfänger geworfen.

Das Radiohören ist aus dem Leben der beiden Niemegker nicht mehr wegzudenken. „Wir hören von morgens bis abends Radio Fritz“, sagt Armin Kahn. Vor allem die Live-Situation und Interaktion schätzen die beiden Techniker am Radio. „Man hat das Gefühl, dabei zu sein“, sagt Lennart Kahn. Warum das Massenmedium auch heute noch mit Fernsehen, Internet und Co. mithalten kann, ist für den Tüftler ganz klar: „Man muss nur hören und braucht dafür weder seine Hände noch Augen.“

Ohne Radio macht das Leben keinen Sinn

Dass die Unesco einen Welttag des Radios ausgerufen hat, das wusste der 63-jährige Armin Kahn nicht. Ein Thema, dem sich sicher auch am heutigen Welttag des Radios sein Lieblingssender mit Sitz in Potsdam-Babelsberg widmen wird. „Radio Fritz wird bestimmt eine ganze Sendung dazu machen“, schwärmt der gebürtige Berliner.

Für den Niemegker ist das Radio aber nicht nur Informations- und Unterhaltungsquelle, sondern erfüllt auch noch einen anderen wichtigen Aspekt. „Durch Worte und Musik im Radio wird die Fantasie im Kopf angeregt“, sagt Kahn. Das sei insbesondere für Jugendliche wichtig, die das Interesse am Lesen verloren haben. Außerdem könne man durch die starken Bilder im Fernsehen leichter manipuliert werden. „Alle Sender kämpfen um die Zuschauerquoten mit den besten und stärksten Bildern“, weiß der Hifi-Fan. Das sei im Radio nicht möglich.

Unesco fördert Aufbau von ländlichen Radiostationen

Die Unesco hat den 13. Februar zum Welttag des Radios ausgerufen, der auf die wichtige Bedeutung dieses Mediums aufmerksam machen soll – da viele Menschen ohne Radio von Informationen ausgeschlossen wären. Sind Radios in abgeschiedenen Regionen doch häufig die einzige Informationsquelle.

Im Rahmen ihres internationalen Programms zur Medienförderung unterstützt die Unesco den Aufbau von Radiostationen in ländlichen und isolierten Gebieten.

Damit soll sichergestellt werden, dass Menschen mit Informationen in ihrer lokalen Sprache von unabhängigen Radiostationen versorgt werden.

Das ermöglicht den Hörern an der öffentlichen Diskussion und am demokratischen Meinungsbildungsprozess teilzuhaben.

Eine wichtige Nachrichtenquelle ist das Radio auch in der Katastrophenvorsorge, um die lokale Bevölkerung vor Gefahren zu warnen.

Doch der 63-Jährige kennt sich nicht nur mit Radioprogrammen, sondern ganz besonders mit dem Innenleben der Empfänger aus. Für ein Radio seien eine Spannungsquelle, Kondensatoren, Widerstände, Spulen und Transistoren nötig, erklärt der Techniker. Das reiche aber nur für ein Mittelwellenradio aus. „Ein UKW-Radio ist komplizierter zu bauen“, sagt Kahn.

Das Innenleben fasziniert sie

Die alten Schmuckstücke, die Kunden zur Reparatur und Restauration nach Niemegk schicken, kommen aus der ganzen Welt. Für die Ersatzteile muss der Hifi-Experte dann häufig selbst weit über die Grenzen schauen – „Ich bestelle auch in den USA“, sagt er.

Über mangelnde Aufträge können sich Lennart und Armin Kahn nicht beklagen. „Die Wartezeiten für die Reparaturen betragen bis zu acht Monate.“ In dem Beruf ist vor allem viel Geduld gefragt. „Davon hat mein Sohn mehr als ich“, sagt der dreifache Vater, der wenige Jahre vor der Rente steht. Doch ans Aufhören denkt der 63-Jährige noch lange nicht. Das könne er sich nicht vorstellen, betont Armin Kahn. „Ich wüsste sonst nicht, wofür ich morgens aufstehen sollte“, schmunzelt der Niemegker und geht zu seinem Werkstattplatz, um weiter an einer alten Hifi-Anlage zu tüfteln.

Von Johanna Uminski

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