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Von der Treckergarage zum Bio-Treff

Lübnitz Von der Treckergarage zum Bio-Treff

Lange vor dem heute großen Trend für Bioprodukte hatte die Hofgemeinschaft Lübnitz auf die solidarische Landwirtschaft gesetzt. Jetzt konnte der Hofladen sein zehnjähriges Bestehen feiern. Mit dem Gemüseanbau werden längst nicht nur Mitglieder der Gemeinschaft sondern auch andere Menschen aus dem Fläming mit nachhaltig angebauten Produkten versorgt.

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Andrea Feinbier ist Chefin des Hofadens am Landgut Lübnitz, der jetzt sein zehnjähriges Bestehen feiern konnte.

Quelle: Daniela Singhal

Lübnitz. Was als Nische im Reformhaus begann, hat sich zu einer Massenbewegung entwickelt: Nachhaltig produzierte Lebensmittel sind in Deutschland gefragt wie noch nie. Das war vor zehn Jahren noch nicht so. Dennoch wagten die Mitglieder des Vereins Land-Gut Lübnitz den Schritt und eröffneten einen kleinen Bio-Laden mitten in ihrem 200 Einwohner zählenden Dorf. Ein Wagnis mit Happy End.

Es duftet nach frisch gebackenem Brot und Kaffee. Drei Frauen mit prall gefüllten Einkaufskörben reihen sich vor der Kasse. Sie warten auf Andrea Feinbier, die an der Käsetheke steht und in aller Ruhe einen älteren Herrn bei der Auswahl berät. 30 Sorten stehen bereit. Er entscheidet sich für den Scamorza, einen italienischen Kuhmilchkäse. „Da haben sie eine sehr gute Wahl getroffen“, sagt Feinbier. Die gelernte Einzelhandelskauffrau leitet den Bioladen seit seiner Gründung vor zehn Jahren. Viel Arbeit, viel Verantwortung: Dennoch nimmt sich Feinbier für jeden Kunden die nötige Zeit. Dafür sind sie und ihr Team in der Region bekannt und beliebt. In den Anfangsjahren mussten sie allerdings immer wieder um die Existenz des kleinen Ladens bangen: „Ehrlich gesagt habe ich vor zehn Jahren nicht gedacht, dass ein Bio-Laden in einem so kleinen Dorf laufen kann“, sagt die Chefin.

Das heutige 50 Quadratmeter große Ladenlokal an der Ortsdurchfahrt war früher einmal eine Treckergarage. 2003 wurde sie von der Lübnitzer Gemeinschaft mit Hilfe von Wandergesellen ausgebaut. „Am Anfang haben wir das Ladenlokal nur für die Mitglieder unserer solidarischen Landwirtschaft genutzt. Sie konnten sich ihr Gemüse dort abholen“, erinnert sich Andrea Feinbier. Schon damals gab es die Vision, mit dem Gemüseanbau nicht nur die eigene Gemeinschaft sondern auch andere Menschen aus dem Fläming mit nachhaltig angebauten Produkten zu versorgen. Etwas später kamen die ersten Bio-Produkte dazu: Müsli und Nudeln. 2006 wurde der Hofladen dann offiziell eröffnet und die Kunde über das kleine Bio-Sortiment in Lübnitz machte die Runde. „Das hat sich dann verselbstständigt“, erzählt Feinbier.

Die Nachfrage nach weiteren Bio-Produkten stieg und es kamen immer mehr Kunden – von Brück bis Ziesar. Heute hat der Lübnitzer Laden ein Einzugsgebiet von rund 20 Kilometern. „Der Hofladen ist für unser Dorf eine echte Bereicherung“, sagt die stellvertretende Ortsvorsteherin Vera Nahrath. „Einige Dorfbewohner waren am Anfang skeptisch. Aber jetzt ist der Laden bei uns nicht mehr wegzudenken. Die Bad Belziger Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) gesteht, dass sie „aus Zeitmangel eher selten im Hofladen einkauft“. Sie findet aber trotzdem, „es müsste noch mehr solcher Läden in der Region geben.“

Es sind fast ausschließlich Stammkunden, die in Lübnitz ihre Lebensmittel kaufen. Mittlerweile führt der kleine Laden ein großzügiges Sortiment an Bio-Produkten. Sie werden zweimal wöchentlich vom Terra-Naturkost- Großhandel aus Berlin geliefert. Das Gemüse stammt teilweise aus dem Anbau der solidarischen Landwirtschaft des Vereins Land-Gut Lübnitz. 40 Mitglieder können wöchentlich ihren Ernteanteil im Hofladen abholen. Das leckere Vollkornbrot wird von „Märkisch Landbrot“ gebacken und mittlerweile auch wieder in der hofeigenen Backstube.

„Ohne die vielen bio- und gemeinschaftsinteressierten Menschen in der Region wäre der Hofladen nicht zu dem geworden, was er ist“, sagt Mitarbeiterin Inge Lehmann aus Hagelberg. Fünf Menschen beschäftigt der Bio-Laden mittlerweile. Ein herzliches Team, das sich immer Zeit für ein persönliches Gespräch nimmt.

So ist der Hofladen längst mehr als ein reiner Einkaufsort geworden: Er ist vielmehr ein beliebter Treffpunkt für viele Menschen geworden. Bei fair gehandeltem Bio-Espresso und Latte Macchiato oder einem warmen Mittagessen tauscht man sich über Neues aus dem Fläming aus, vernetzt sich, schmiedet Pläne. „Das freut mich besonders“, sagt Andrea Feinbier happy. „Wir wollen den Menschen mehr bieten als Haferflocken und Bio-Karotten. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen und sich begegnen“, so die Geschäftsführerin.

Von Daniela Singhal

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