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Verrückt: Niemegk gibt es gleich zweimal

Zu Hause in... Verrückt: Niemegk gibt es gleich zweimal

Das kann sich jeder vorstellen: auf einmal heißt jemand genau so, wie man selbst. Dem Flämingstädtchen Niemegk passierte das in den 1950er Jahren. Einige Hektik im Ort war die Folge. Mittlerweile gibt es das zweite Niemegk nicht mehr, aber dafür gute Verbindungen zu dessen ehemaligen Einwohnern. Stadtführerin Jutta Linthe erwartet jetzt Gäste aus beiden Niemegks.

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Jutta Linthe mit ihrem Markenzeichen, der geblümten Jacke

Quelle: Sommer

Niemegk. Die bunt geblümte Jacke ist längst zum Markenzeichen von Jutta Linthe aus Niemegk geworden. Ist die 66-Jährige mit dieser Jacke in der Stadt unterwegs, wissen Einheimische sofort, dass sie als Stadtführerin im Einsatz ist. „2012 ging es los, zum Deutschen Wandertag“, erinnert sich die Niemegkerin, die immer ein Lachen im Gesicht trägt und die Stadt aus dem Effeff kennt.

Wenn vom 3. bis 5. Juni das traditionelle Stadtfest ansteht, wird Jutta Linthe mit ihrer bunten Jacke wieder anzutreffen sein - um Niemegkern und Niemegkern einiges aus der Stadthistorie zu erzählen. „Das wird bestimmt putzelig“, entfährt es ihr bei einer Tasse Kaffee.

Eine Busfahrt in den Fläming

Dann verrät sie, dass der Besuch einer kleinen Reisegruppe bevorsteht - Menschen mit Niemegker Wurzeln werden erwartet. „Aber nicht aus unserem Niemegk“, versteht die Stadtführerin die Neugierde weiter zu entfachen. Es geht um eine Stadt gleichen Namens, die jedoch seit Jahrzehnten von den Landkarten verschwunden ist. „Niemegk bei Bitterfeld wurde Ende der 1970er Jahre abgebaggert“, erklärt Jutta Linthe.

Seitdem sind die Menschen, die ehemals dort lebten und die sich noch heute als gebürtige Niemegker bezeichnen, in allen möglichen Landesteilen zu Hause. „Einige von ihnen in Pouch“, so die Stadtführerin - einem Ortsteil der Gemeinde Muldestausee im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Eine Busreise führte die Niemegker mit anhaltinischen Wurzeln schließlich in den Hohen Fläming, schnell ergab sich der Kontakt nach Niemegk.

Wenn die Alt-Niemegker aus Pouch im Juni zum Stadtfest kommen, wird Jutta Linthe ihnen manche Schnurre erzählen können. 1954 wurden die beiden Niemegks einmal verwechselt – für die Fläminger Niemegker kein ganz folgenloser Irrtum, brachte er doch einige Hektik in die Stadt. „In jenem Jahr wurde in unserem Niemegk das Stadtjubiläum gefeiert“, sagt Linthe.

Hektik in den 1950ern

Bis dato war man – zu recht und mit entsprechender Überzeugung – davon ausgegangen, dass die erstmalige Erwähnung der Stadt erst 1161 geschah. Doch die erhaltene Benachrichtigung, dass eine Urkunde aus dem Jahr 1154 gefunden worden sei, wagte niemand anzuzweifeln. In den Wochen darauf legte man sich in Niemegk ordentlich ins Zeug, um in der Kürze der verbleibenden Zeit ein würdiges Stadtfest zu organisieren und machte dabei fast Unmögliches möglich.

Kurze Zeit vor dem Fest trudelte erneut eine Nachricht ein, die für Aufregung sorgte. Nun ließ die Behörde die Stadt wissen, dass nicht Niemegk bei Belzig in der Urkunde von 1154 genannt ist, sondern Niemegk bei Bitterfeld - jene Stadt, die Ende der 1970er Jahre abgebaggert wurde. Für eine unterhaltsame Stadtführung mit Niemegkern jeder Herkunft hat Stadtführerin Jutta Linthe also einiges zu erzählen.

Von Christiane Sommer

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