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Waldscouts werden am Hagelberg ausgebildet

Junge Leute lernen Natur kennen Waldscouts werden am Hagelberg ausgebildet

Den dunklen Wald nicht fürchten, sondern als Freund kennenlernen. Das haben junge Leute jetzt bei Paul Wernicke am Hagelberg gelernt. Von Grützdorf aus, wo die Wildnisschule „Hoher Fläming neuerdings ihr Domizil hat, haben sie mitunter in außergewöhnlicher Gangart die Natur für sich entdeckt.

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Tanz und Kampf mit dem Stock auf dem Stamm.

Quelle: Stefan Specht

Hagelberg. Was tun, wenn man nachts allein im Wald liegt und einem die Käfer über Arme, Beine und Kopf krabbeln? Die Waldscouts der Wildnisschule „Hoher Fläming“ wissen es jetzt: Ruhig bleiben und nicht großartig bewegen. Die Käfer tun nichts. Sie sind nur neugierig. Dieses Wissen umzusetzen, sich auch im finsteren Wald geborgen fühlen und fast unsichtbar darin bewegen, das sind die Ziele des Workshops, der bis Sonntag unter Leitung von Paul Wernicke stattfand. Teilnehmer waren 16 überwiegend sehr junge Frauen und Männer. Vier so genannte Teamer führten sie durch die Woche.

Der Workshop ist nur einer von zahlreichen verschiedenen im Programm der Wildnisschule. Nun öffnete Paul Wernicke ihn für Erwachsene, die beiden ersten Male waren ausschließlich den Jugendlichen vorbehalten. „Unser Waldscout eignet sich gerade für junge Leute, da man beispielsweise im Gegensatz zum Tracking - also dem Fährtenlesen - schnell Erfolge erzielen kann“, sagt der Wildnispädagoge.

Die ersten Tage beinhalteten Übungen, mit denen sich die Teilnehmer untereinander und selbst kennenlernen. Auf dem Plan stehen Übungen zum Laufen und Beobachten. „Wir haben Gangarten ausprobiert, die ganz andere Muskeln beanspruchen als das normale Laufen“, berichtet Christoph Schumann. Der Potsdamer ist wie die meisten anderen zum wiederholten Mal dabei. „Obwohl ich viel aus dem Programm kenne, ist alles stets neu. Mit verbundenen Augen einige Meter durch den Wald zu laufen, ist immer eine Herausforderung“, so der Schüler.

Das Leben im Camp ist zwar geregelt, die Zeiten sind aber nicht in Stein gemeißelt. Paul Wernicke stellt sich rasch auf Wetter und Besonderheiten der Gruppe ein. Wenn die Touren nachts länger dauern, geht es am nächsten Morgen später los. Auf eine ausgedehnte Mittagspause legen Wernicke und sein Partner Ralf Greiner bei ihren Teilnehmern aber großen Wert. Auch ausgewogenes und reichhaltiges Essen sind ihnen wichtig. „Wir essen hier viel mehr und mit größerem Appetit als zuhause“, erzählt Teilnehmer Paul Klatt. Er berichtet, dass mit jedem Tag die Zeit mehr und mehr verschwimmt.

Paul Wernicke scheint zufrieden. Immerhin er hat Datum und Uhrzeit noch im Blick und ruft zum Treff am größten Baum des Platzes. An der „Babu“ getauften alten Eiche wird dreimal täglich zur Opfergabe getroffen. Stellvertretend für den Wald und die Natur danken die Teilnehmer der Eiche für den Schutz. Erst seit rund 15 Monaten treffen sich die Gruppen dort. Sie ist Teil des neuen Areals, auf der die Wildnisschule beheimatet ist. In Mahlsdorf gegründet, gab es bald Ärger mit den Waldbesitzern dort, der schließlich vor Gericht führte. In Grützdorf hatte es zwölf Jahre lang eine Gemeinschaft gegeben, die gemeinsam Landwirtschaft betrieb. Der dazugehörige Verein löste sich auf, das 13 Hektar große Grundstück am Hagelberg steht zum Verkauf. Die Wildnisschule von Paul Wernicke, die das Grundstück seit Ostern 2014 pachtet, will nun zuschlagen. „Für uns ist es hier perfekt“, sagt Paul Wernicke.

Dann geht es weiter. Eine Mischung aus Tanz und Kampf mit Stöcken auf einem umgestürzten Baum steht nun im Plan. Niemand soll sich weh tun, sich an die körperlichen Grenzen zu bringen, ist dagegen schon Ziel dieser Aktion. So wie es immer wieder an die eigenen Grenzen geht. „Im dunklen Wald hat jeder Angst. Die Frage ist, wie man damit umgeht“, sagt Paul Wernicke. Am Ende der Woche wünscht er sich, dass sich die Frauen und Männer ohne Furcht im Wald bewegen. „Sie sollen ihn als Freund und Beschützer wahrnehmen.“

Von Stefan Specht

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