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Potsdam-Mittelmark Wanderausstellung gegen das Vergessen
Lokales Potsdam-Mittelmark Wanderausstellung gegen das Vergessen
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02:21 26.03.2018
Nach der Eröffnungsveranstaltung diskutierten Armin Lufer (2. v. l) und Henri Danker, Schulleiter des OSZ (l.) mit Schülern weiter über die Folgen von Kriegen. Quelle: H. Helwig
Teltow

„Kriegsgräber erklären sich heute nicht mehr aus sich selbst heraus. Jugendliche haben keinen persönlichen Anknüpfungspunkt zu den Grabstätten“, heißt es in dem Einführungsfilm zur Wanderausstellung „Den Blick gegen das Vergessen gerichtet“. Mit seiner Dokumentation gegen Militarismus und Krieg ging der Verein Deutsche Gesellschaft am Freitag ins Oberstufenzentrum (OSZ) Technik Teltow. Kathrin Schulz-Kahmann, Fachkonferenzleiterin für Wirtschafts-und Sozialkunde, wollte ihren Schülern für den letzten Wiso-Unterricht vor den Osterferien mal etwas anderes bieten.

Die Deutsche Gesellschaft und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatten im Jahr 2008 Schüler einer deutschen, einer polnischen und einer französischen Klasse für eine Woche zu einem einzigartigen Projekt auf die Kriegsgräberstätte Golm in Swinemünde auf der Ostseeinsel Usedom eingeladen. Dort sollten die Jugendlichen ihre Erlebnisse und Eindrücke von der Anlage in Fotos, Texten und Gedichten wiedergeben. Dazu forschten sie auch in Archiven, um sich mit den gefallenen Soldaten zu beschäftigen. „Es ist keine Ausstellung mit Jahreszahlen und Zeittafeln. Sie wurde aus dem Blickwinkel von Jugendlichen für Jugendliche zusammengestellt“, erklärt Sebastian Rösner, Leiter EU und Europa der Deutschen Gesellschaft. Mit der Dokumentation ist der Verein zehnmal im Jahr in ganz Deutschland unterwegs. Begleitend zur Ausstellung berichtet jeweils ein regionaler Zeitzeuge von seinen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen mit dem Krieg.

Aus dem Geländespiel wurde bitterer Ernst

Einer von ihnen ist der fast 90-jährige Armin Lufer aus Berlin. Er war am Ende des Zweiten Weltkrieges so alt, wie die meisten Berufsschüler in Teltow – zwischen 15 und 17 Jahre. Aufgewachsen in Breslau, in einer preußischen Familie, war er von den Aufmärschen der Soldaten begeistert, wenn diese durch die Garnisonstadt zogen. „Wir sind als Kinder neben ihnen im Takt der Musik mitmarschiert“, berichtet Lufer. Schon der Großvater war beim Militär. Wenn ihn sein Onkel, ein Offizier, zu den Paraden am Oderdamm mitnahm, war der Junge sehr stolz.

Als Lufer 1938 automatisch Mitglied im Jungvolk wurde, empfand er das nicht als Zwang, sondern war begeistert von den Sport- und Spielmöglichkeiten, die ihm die obligatorische Jugendorganisation bot. Dann kam der 9. November 1938. Lufer erlebte, wie jüdische Menschen gedehmütigt wurden und eine Weinhandlung gegenüber seinem Wohnhaus in der damaligen Michaelisstraße bis auf die Grundmauern zerstört wurde.

Als Lufer im April 1945 seine Mittlere Reife erworben hatte, kam der Einberufungsbefehl. Er sollte sich bei einem Unternehmen Barthold melden und mit anderen Stellungen an der deutsch-polnischen Grenze ausheben. „Da wussten wir: Was immer nur ein Geländespiel war, wird nun bitterer Ernst.“ Der Abschied vor allem von der Mutter fiel ihm schwer. „Wir wussten zwar, wo wir hin müssen, aber nicht, wann wir zurückkommen“, sagt Lufer.

Vom Hitlerjungen zum Antifaschisten

Als Mitglied der Kampfgruppe der Hitlerjugend, die der SS unterstellt war, muste sich Lufer später mit anderen an der Grenze eingraben. Sie sollten den Angriff der Roten Armee abwehren. Ein einschneidendes Erlebnis wird er wohl nie vergessen. Gemeinsam mit anderen Hitlerjungen musste Lufer der Exekution des zweiten Bürgermeisters von Breslau beiwohnen. Dieser wollte die Stadt zur „freien Stadt“ erklären und sie vor der Zerstörung bewahren. Dafür wurde er standrechtlich erschossen.

Von diesen Erlebnissen geprägt, hat sich Lufer nach dem Krieg vom Hitlerjungen zum Antifaschisten entwickelt, bekennt er. Mit 90 Jahren berichtet er auch polnischen Jugendlichen aus seinem Leben und berät Doktoranden, die zum Thema Breslau forschen. „So lange, wie ich Luft habe, werde ich meine Erlebnisse vermitteln, damit sich sowas nie wiederholt.“

Verein fördert politische Bildung und Demokratieverständnis

Die Deutsche Gesellschaft mit Sitz in Berlin ist ein Verein, der sich für die politische Bildung und die Förderung des Demokratieverständnisses engagiert. Er diskutiert mit Jugendlichen über jede Form von Extremismus, organisiert wissenschaftliche Tagungen und auch Zeitzeugengespräche.

Die Wanderausstellung wurde vom Bundesfamilienministerium gefördert.

Die Schüler hatten sich intensiv auf die Veranstaltung in Teltow vorbereitet. Einige Teams fotografierten, andere drehten kurze Videoclips und ein Interview mit dem Zeitzeugen oder schrieben Beiträge zur Ausstellung.

Ein zweiter Besuch im OSZ Teltow sei nicht ausgeschlossen, so Sebastian Rösner von der Deutschen Gesellschaft

Von Heinz Helwig

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