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Warum eine Familie nicht am BER leben wollte

Neue Heimat in Bad Belzig Warum eine Familie nicht am BER leben wollte

Das Ehepaar Drobbe liebt Flugzeuge. Man könnte meinen, die Heimat im Umfeld des BER wäre da kaum zu toppen. Und dennoch: Die Drobbes haben sich eine neue Heimat gesucht und sie in Bad Belzig gefunden. Dort möchten sie alt werden. Wer glaubt, sie hätten den Fluglärm nicht ausgehalten, liegt jedoch falsch. Es gibt ein Problem, das für die Familie viel schwerer wiegt.

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Seit Dezember 2015 zu Hause in Bad Belzig: Ingrid und Werner Drobbe fühlen sich in der neuen Heimat wohl.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. Ingrid und Werner Drobbe leben seit 17 Monaten in der Kur- und Kreisstadt. Sie sind damit so etwas wie „Neu-Bad Belziger“. „Konkret ist es ihre Anschrift seit dem 15. Dezember 2015“, erklärt die 66-Jährige. Kaum ausgesprochen, ergänzt ihr zwei Jahre jüngerer Ehemann: „Hier wollen wir jetzt alt werden“.

Offen und ehrlich erzählen sie, was die kleine Stadt am Rand des Hohen Flämings in ihren Augen so lebenswert macht. Aber auch davon, warum sie ihrer eigentlichen Heimat den Rücken kehrten. Bis zum Umzug lebten die Drobbes in Selchow, einem Dorf im Landkreis Dahme-Spreewald, nahe am Flughafen Schönefeld und noch näher am künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg-International. Doch als Grund für den Wohnortwechsel nennen die beiden nicht die stetig über die Köpfe der Menschen hinweg düsenden Flugzeuge und die damit verbundene Geräuschkulisse. Schließlich hat sie früher am Airport gearbeitet und mit ihrem Ehemann gar einen echten Flugzeugliebhaber im Haus.

Einige Orte wurden platt gemacht

Vielmehr hatten sie die immer schlechter werdende Infrastruktur vor Ort satt. „Die Einwohnerzahl von Selchow ist von knapp 400 auf etwa 200 geschrumpft“, sagt Werner Drobbe. Häuser mussten dem Flughafenbau weichen, erklärt Ehefrau Ingrid. „Die Orte Diepensee und Kienberg wurden komplett für den Flughafenbau geopfert. Sie sind von der Landkarte verschwunden“, ergänzt ihr Ehemann.

Dass das Messegelände der Internationalen Luftfahrtausstellung fast vor seiner Haustür lag, konnte in den Augen des 64-Jährigen die schlechter werdende Wohnqualität und Anbindung von Selchow im Alltag nicht aufwiegen. Die Wege wurden immer weiter, konnten teilweise nur noch mit dem Auto zurückgelegt werden.

„In Bad Belzig ist die Situation ganz anders“, sagt Ingrid Drobbe. Sie lobt die ärztliche Versorgung, die Einkaufsgelegenheiten, das Umfeld, die kurzen Wege. „Die Anbindung an den Personennahverkehr ist ebenfalls hervorragend“, ergänzt Ehemann Werner.

Dabei wäre die Familie beinahe in ein anderes Bundesland gezogen. Ursprünglich wollten die Ingrid und Werner Drobbe nach Baden-Württemberg. Doch weil die Wohnungssuche dort nicht optimal verlief, ließen sie ihren Blick über zunächst über das Berliner Umland, später darüber hinaus schweifen. Lübben im Spreewald, Perleberg in der Prignitz und Bad Belzig im Hohen Fläming kamen in die engere Wahl.

Bewog hielt gleich Wohnungen parat

„Eine Woche nachdem wir mit der Bad Belziger Wohnungsgesellschaft (Bewog) Kontakt aufgenommen hatten, klingelte schon das Telefon“, erinnert sich Ingrid Drobbe. Das Unternehmen hatte zwei Wohnungen für die Eheleute - eine im Wohngebiet Klinkengrund, eine in der Kurparksiedlung. Kurze Zeit darauf erhielten sie ein weiteres Angebot aus Perleberg. Doch keine Chance: Die Wohnung in Bad Belzig hatten sie bereits besichtigt. „Wir waren dem Charme der Stadt erlegen“, sagt Werner Drobbe.

Kurz darauf packten die beiden in Selchow die Koffer und verlagerten ihren Lebensmittelpunkt in den Hohen Fläming. „Wir haben hier eine wunderschöne neue Heimat gefunden“, sind sie sich einig und schwärmen von Land und Leuten. Die Eheleute erzählen von Fahrradausflügen und Spaziergängen in und um Bad Belzig und vom Seecafé, dessen Neueröffnung sie sehnsüchtig erwarten.

Nur einen einzigen Fleck im Stadtgebiet gibt es, über den sie sich ärgern. „Das ist die Brache mit den Bauruinen neben dem Lidl-Markt an der Brücker Landstraße“, sagt Werner Drobbe. Sie hinterlasse keinen guten Eindruck.

Die Natur macht den Ärger wieder wett. An der könne sich der 64-Jährige gar nicht satt sehen. Um diese auch von oben zu sehen, haben sie sich in naher Zukunft ein Ziel gesetzt: Familie Drobbe möchte den Butterturm bezwingen. „Da will ich schon lange hinauf. Ich darf nur das Fernglas nicht vergessen“, bemerkt der 64-Jährige.

Von Christiane Sommer

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