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Was Luther einst im Hohen Fläming trieb

Niemegk Was Luther einst im Hohen Fläming trieb

Der Reformator Martin Luther hatte einst enge persönliche Beziehungen nach Niemegk. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Historiker Roland M. Lehmann ausgewertet und jetzt bei einem Vortrag in Niemegk vorgestellt hat. Interessant ist unter anderem eine Taufe, die Luther wohl als Freundschaftsdienst selbst vollzog.

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Historiker Roland M. Lehmann und Pfarrer Daniel Geißler (re.) mit der Kopie einer Luther-Predigt.

Quelle: Christiane Sommer

Niemegk. Wie der Sohn des Niemegker Pfarrers Konrad Cordatus mit Vornamen hieß, den Martin Luther am 8. August des Jahres 1532 taufte, kann auch Roland M. Lehmann nicht beantworten. Der Doktor war jetzt in der Niemegker Johanniskirche zu Gast und stellte seine Forschungsergebnisse zu Luthers Predigten außerhalb von Wittenberg vor.

Knapp 35 historisch Interessierte folgten den Ausführungen des Historikers. Lehmann, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und als Pfarrer am Naumburger Dom tätig ist, hatte sich für seine Habilitation unter anderem mit drei erhalten gebliebenen Taufpredigten Luthers befasst. Die Niemegker ist eine davon. Seinen einstündigen Vortrag bezeichnete der Experte für Kirchengeschichte als „Werkstattbericht“.

Aber warum machte sich ein Mann wie Martin Luther vor 485 Jahren auf den Weg nach Niemegk, um dort den Sohn eines Pfarrers zu taufen?

Lehmann hat Antwort auf diese und viele andere Fragen. Er erklärt, dass Cordatus ein begeisterter Anhänger und enger Vertrauter Luthers war, erzählt von dessen Lebensweg und dass der Reformator ihn 1531 nach Niemegk entsendete. Cordatus übernahm die dortige Pfarrstelle und folgte Georg Witzel im Amt. Der lag im Streit mit Luther, saß vorübergehend im Gefängnis auf der Burg Eisenhardt in Belzig ein und hatte sich letztendlich von Luthers reformatorischen Gedanken losgesagt.

Schon im Sommer darauf, kam der Reformator dann persönlich nach Niemegk. Lehmann erläutert in diesem Zusammenhang, dass Luther oft für Freunde Taufen, Trauungen und Begräbnisse auch außerhalb Wittenbergs vollzog. Die Taufe im Hause Cordatus ist Beleg für das besondere Verhältnis zwischen beiden. Ob dieselbe im Pfarrhaus oder in der Kirche stattfand, kann auch der Experte nicht mit Sicherheit sagen. „Ich gehe davon aus, dass er am Tag zuvor anreiste und dass die Taufe in der Kirche war“, sagte Lehmann mit Blick auf den Inhalt der Predigtmitschrift. Die hält Pfarrer Daniel Geißler als Kopie in den Händen. Persönliche Bezüge sucht man in der ausgeschriebenen Handschrift jedoch vergeblich.

„Schade, dass der Name des Kindes nicht notiert worden ist“, bemerkt Stadtführerin Jutta Linthe. Allzu gern hätte sie denselben in ihre historischen Führungen durch Niemegk einfließen lassen. Stattdessen bezieht sich der Inhalt auf die Taufe als Gottes Werk an den Menschen – das der Mensch nicht beeinflussen könne, wie den Tag und die Nacht.

Fritz Lintow aus Raben kam mit der Hoffnung, dass der Kirchenhistoriker im Rahmen seiner Forschungen „in den schlauen Büchern“ ein Indiz dafür gefunden haben könnte, dass Luther einst auch auf dem Rabenstein war. Doch Historiker Lehmann winkt ab.

Gabriele Eissenberger aus Garrey auch. Luther und die Reformation sind ihr Steckenpferd. Sie erklärt: „Martin Luther ist 1530 von Brück aus direkt nach Wittenberg zurückgekehrt. Gesundheitliche Probleme werden dafür genannt.“ Seine Begleiter, Johannes Bugenhagen und Justus Jonas, indes reisten von Brück aus nach Niemegk zur Visitation weiter. Dort war jedoch noch Georg Witzel im Amt. Weshalb vermutet wird, dass Luther eher der Begegnung mit Witzel aus dem Weg gehen wollte.

Die Fragen nehmen nicht ab. Doris Richter aus Bad Belzig hofft, dass Lehmann etwas Licht in das Dunkel um Luthers Amme bringen könnte, die einen Belziger Schuster heiratete und nach 1534 ein Grundstück in der Nähe der Marienkirche erhielt. Doch auch in dieser Angelegenheit muss der Experte passen. Die Reformation vor Ort bedarf eben noch unendlich viel Forschungsarbeit.

Der Vortrag des Historikers ist Teil einer Veranstaltungsreihe zum Reformationsjubiläum im Amt Niemegk. Das ganze Jahr über werden 500 Jahre Reformation mit Lesungen, Konzerten und Vorträgen gefeiert. Ein großes Lutherfest steigt am 31. Oktober auf Burg Rabenstein. Bei einem Vortrag von Pfarrer Griesbach aus Werder steht am 13. September dann noch einmal Conrad Cordatus – Luthers Freund und Reformator Niemegks – im Mittelpunkt.

Von Christiane Sommer

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