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Potsdam-Mittelmark „Was rockt hier?“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Was rockt hier?“
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12:30 06.09.2017
Die Band „Jacke wie Hose“ im Proberaum am Norbert-Haus: Marco Beuster, Pascale Hoenow, Marco Henschke, Johannes Nest, Chris Zschammer und Ilhani Tas (v. l.). Quelle: Jens Steglich
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Michendorf

Im Dezember 2012, bei einem Konzert in Potsdam, ist es passiert. Über den entscheidenden Moment ist dieser Satz überliefert: „Sie haben einmal in die Tasten gehauen und es war um ihn geschehen.“ In die Tasten und Saiten gehauen haben „Jacke wie Hose“ – das ist eine besondere wie hinreißende Band, die aus vier Schützlingen und zwei Betreuern des Michendorfer Sankt-Norbert-Hauses besteht, eine Behinderteneinrichtung des Deutschen Ordens. Fasziniert von den ersten kraftvollen Klängen war damals Chris Zschammer, ein Filmemacher, der auch Radiosendungen beim Freien Radio Berlin moderiert.

„Es war die totale Entdeckung“, sagt Chris. Er schickt danach Aufnahmen von der Band seinem Kumpel Hans Kotter in Bayern. Beide beschließen, einen Film über „Jacke wie Hose“ zu drehen und schmeißen dafür eigenes Geld in den Hut.

Im Frühjahr 2013 drehen die beiden freien Filmautoren die ersten Szenen, begleiten später die Band über zwei Jahre bei einigen Konzerten und Touren. Herausgekommen ist so etwas wie ein Road Movie, das am 6. September 2017 beim Portobello-Festival in der britischen Hauptstadt London aufgeführt wird. „Es sind knapp 90 Minuten pralle Lebensfreude“, sagt Chris, der nach London geflogen ist, um zu schauen, wie der Streifen bei den Briten ankommt. Sie bekommen den deutschen Film über die Michendorfer Inklusionsband mit englischem Untertitel zu sehen. „Hey, what’s rocking?“, heißt er dort.

„Was rockt hier?“ heißt die Original-Version ohne Untertitel, die auch ohne Erklärstimme aus dem Hintergrund auskommt. Der Film spricht für sich. Nichts ist inszeniert: „Was passiert, das passiert“, sagt der Filmemacher, der private Momente – etwa Marco (Bass) beim Wäscheaufhängen – genauso eingefangen hat wie einen rauschhaften Trip der Band ins beschauliche Bayern. Dort rockten„Jacke wie Hose“ in Wasserburg am Inn und in München. „Die Bayern sind ausgeflippt.“

Es ist ein Film mit einem liebevollen Blick auf die Akteure, aber kein leiser Film. Leise konnte er nicht sein, bei dieser Musik. Die Musik, die sie spielen, „ist der kleinste gemeinsame Nenner“, sagt Chris. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist eine Sensation, wenn man weiß, dass die musikalischen Vorlieben der Bandmitglieder weit auseinanderliegen und die Kastelruther Spatzen auch dazugehören. Die Songs bewegen sich zwischen Pop und Punk, sind laut und kraftvoll und werden mit Hingabe auf die Bühne gebracht. Früher, in der Anfangszeit, wenn Sänger Pascale bis zur Erschöpfung den Song „Badespaß“ sang, kamen ihm manchmal die Tränen – vor Freude. Der Rammstein-Fan agiert ähnlich energiegeladen wie seine Vorbilder, vergisst auf der Bühne ab und an die Texte, was aber keinem auffällt. Wenn ihm beim Refrain „Sommer, Sand und Badespaß“ die Worte verschwimmen, hört sich das an wie bei einer Punkband, die sich gerade in Ekstase spielt.

Die Frage im Filmtitel „Was rockt hier?“ würden die Musiker mit einem lauten „Wir rocken hier!“ beantworten. Wir – das sind Marco (Bass und Gesang), Pascale (Gesang), Illi (Keyboard), Micha (Schlagzeug) sowie Marco und Johannes, die beiden Betreuer, an der Gitarre. Und Chris, der Filmemacher, der als Schlagzeuger jetzt auch dazugehört. Bassist Marco hört am liebsten Marschmusik und Helene Fischer und schaut Frauen gern beim Laufen zu. Deshalb ist er Fan von Turbine Potsdam. Seine Fangesänge im Stadion sind aus der Masse herauszuhören. Pascale, der Rammstein-Fan, ist auch oft im Turbine-Stadion. Als er aus dem Norbert-Haus in eine eigene, betreute Wohnung nach Beelitz ausgezogen ist, haben sie ein Lied darüber geschrieben: „Ich zieh’ aus.“ Mischa, der zweite Schlagzeuger, ist ein gemütlicher Typ, der ein Herz für Fußball und Bier und bei den Touren im Film immer einen Plüsch-Eisbären als Maskottchen dabei hat.

Illi, der Ruhepol, mag die Kastelruther Spatzen und steht hinter dem Keyboard „wie jemand von Kraftwerk“, sagt Chris, der Filmautor. Er stammt aus Bayern, hat an Babelsbergs Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ studiert, spielt bei „Jacke wie Hose“ nun Schlagzeug und „schwitzt richtig dabei“, wie Pascale betont. Johannes Nest, der Betreuer und Gitarrist, fuhr früher Motorradrennen und war 2008, als er mit 25 Jahren der Mann für Langerwischs Ortsgeschichte wurde, wahrscheinlich der jüngste Ortschronist der Welt. Von Marco Henschke, dem anderen Betreuer, sagen sie: „Er ist ein Musiktalent und könnte in der Band alle Instrumente spielen.“ Er selbst ist zu bescheiden, um das zuzugeben. „Ich war schon auf Konzerten, da wurde er der neue Rio Reiser genannt“, sagt ein Arbeitskollege.

Die Band, die früher meist bei Inklusionsfestivals oder Sommerfesten spielte, wird inzwischen auch für Punkkonzerte gebucht. Im Dezember haben sie einen Auftritt in einem Club in Halle mit den „Toten Crackhuren im Kofferraum“. So heißt eine Frauen-Punkband

Von Jens Steglich

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