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Potsdams Offerte stellt Wasserwerkbau in Frage

Diskussion über Senkung um 20 Cent Potsdams Offerte stellt Wasserwerkbau in Frage

Das Tauziehen um das Wasserwerk im Verband Mittelgraben geht in die entscheidende Runde. Grund ist ein neues Angebot der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP), die mit dem Lieferpreis fürs Trinkwasser deutlich nach unten gehen will, wenn der Verband weiter den Großteil des Wassers aus Potsdam bezieht und auf den Bau eines eigenen Wasserwerks verzichtet.

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Das Potsdamer Wasserwerk versorgt auch Wilhelmshorst.
 

Quelle: Hübner

Michendorf/Nuthetal.  Die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) will mit ihrem Lieferpreis fürs Trinkwasser deutlich um gut 20 Cent pro Kubikmeter nach unten gehen, wenn der Zweckverband Mittelgraben (WAZV) auch in Zukunft einen Großteil seines Trinkwassers aus Potsdam bezieht. Ein entsprechendes Vertragsangebot liegt dem Verband jetzt vor und wird am heutigen Donnerstag erstmals im Vorstand besprochen. Die neue Offerte aus Potsdam ist so lukrativ, dass sie den Plan des Verbandes, bei Michendorf ein eigenes Wasserwerk zu bauen, in Frage stellt. Befürworter des Wasserwerks dürften es jedenfalls schwerer haben, den teuren Wasserimport aus Potsdam als Argument für das Projekt ins Feld zu führen.

Nach MAZ-Informationen liegt ein Vertragsentwurf vor, der Netto einen Mengenpreis von nur noch 0,69 Cent pro Kubikmeter vorsieht. Damit würde der Verband künftig etwa 21 Cent pro Kubikmeter weniger an die EWP zahlen als bisher. Hinzu kommt üblicherweise noch ein Netto-Grundpreis von 30 000 Euro im Jahr. Der neue Vertrag soll bis 2035 laufen und könnte bereits am 1. Januar 2016 in Kraft treten, wenn die Verbandsversammlung zustimmt. Ihr soll der Vertragsentwurf erstmals am 16. Dezember vorgelegt werden.

Die Verhandlungen mit der EWP haben Verbandsvorsteher Reinhard Mirbach (CDU), zugleich Bürgermeister in Michendorf, und Nuthetals Gemeindechefin Ute Hustig (Linke) geführt. Beide wollten sich zu Details des Angebots aus Potsdam nicht äußern – mit dem Verweis darauf, dass vor einer Information der Gremien Stillschweigen vereinbart worden sei. „Zu laufenden Verhandlungen äußern wir uns nicht“, erklärte auch Potsdams Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz. Die Verbandsvertreter aus Nuthetal und Michendorf hielten sich ebenfalls bedeckt.

Klare Worte kommen indes von der Michendorfer SPD: „Wichtigste Aufgabe des Zweckverbandes ist die dauerhafte Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zu günstigen Konditionen. Es wurde ein guter Vertrag ausgehandelt, der exakt dieses leistet. Hierüber sollten sich Verband und EWP einig werden“, sagte Michendorfs Vize-SPD-Ortschef Ralf Behrens. Durch Abschluss dieses langfristigen Vertrages sei der risikobehaftete Bau eines neuen, eigenen Wasserwerks in Wilhelmshorst entbehrlich, heißt es in einer Erklärung der Partei.

Um den Bau des Wasserwerks auf einem Areal in der Nähe des Michendorfer Ortsteils Wilhelmshorst wird schon länger heftig gerungen. Ursprüngliche Intention des Projekts war es, den Verband unabhängig vom teuren Wasserimport aus Potsdam zu machen. Der Verband bezieht für seine Kommunen Michendorf und Nuthetal derzeit etwa 60 Prozent des Trinkwassers von der EWP.

Wasserimport aus Potsdam

 555 000  
 
  Kubikmeter sollen
 
  f als jährliche Mindestabnahmemenge vereinbart werden. Das entspricht etwa der Menge, die der Verband derzeit aus Potsdam bezieht. Würde der Verband weniger beziehen, müsste er dennoch für die Mindestmenge zahlen.

Der neue Liefervertrag soll auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Er kann mit einer Frist von 24 Monaten erstmals zum 31. Dezember 2035 gekündigt werden. Ansonsten verlängert er sich automatisch um fünf Jahre.

Sollte der Zweckverband am Bau des Wasserwerks festhalten, würden der EWP eine gute halbe Million Euro im Jahr an Einnahmen für die Wasserlieferung verloren gehen.

Innerhalb des Verbandsvorstands gibt es anscheinend unterschiedliche Meinungen, ob der Vertrag abgeschlossen werden soll. Differenzen soll es zwischen Bürgermeister Reinhard Mirbach und Verbandsvertretern aus seiner Gemeinde Michendorf geben. Dem Vernehmen nach befürwortet Mirbach den Abschluss des mit ihm ausgehandelten Vertrages, andere halten am Bau des Wasserwerks fest. Er wollte das nicht bestätigen und sagte nur so viel: „Wir werden es im Vorstand besprechen und anschließend in der Verbandsversammlung entscheiden.“ Mirbach dementierte Gerüchte, er würde an der Vorstandssitzung nicht teilnehmen.

Felix von Streit, Geschäftsführer der Mittelmärkischen Wasser- und Abwasser GmbH (MWA), bleibt dabei, dass auf lange Sicht ein eigenes Wasserwerk von Vorteil sei. „In der kurzen Frist ist der neue Preis der EWP unbestritten günstiger, auf einen Zeitraum von 50 Jahren betrachtet, sei er nach jetzigem Erkenntnisstand aber nicht günstiger als die Wassergewinnung mit einem eigenen Wasserwerk“, sagte er. Die MWA ist Geschäftsbesorger des Verbands. Vor allem Vertreter aus Nuthetal zweifeln die Rechnung an. Sie gehen davon aus, dass der Bau eines Wasserwerkes für geschätzte fünf Millionen Euro dem Verband und den Kunden teurer käme.

Von Jens Steglich

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