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Wegen Konkurrenz: Angst um die Oberschule

Bad Belzig Wegen Konkurrenz: Angst um die Oberschule

Bad Belzig stehen jetzt Strategie- und Etatdebatten bevor. Auf dem Schulcampus am Weitzgrunder Weg werden Hoffnungen gehegt. Doch geht es nach Einschätzung der Sozialarbeiter Julia Zwank und Olaf Görisch nicht nur um Investitionen, sondern auch um Identifikation der Lokalpolitiker mit „ihrer“ Bildungsstätte.

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Stürmische Zeiten: Julia Zwank und Olaf Görisch sorgen sich um den Bestand der Krause-Tschetschog-Oberschule Bad Belzig.

Quelle: René Gaffron

Bad Belzig. Die Tatsache, dass dieses Jahr nur drei Siebtklässler an der Krause-Tschetschog-Oberschule aufgenommen worden sind, die vorher in der Kleinen Grundschule Dippmannsdorf gelernt haben, sehen Olaf Görisch und Julia Zwank als erstes Signal. Die Familien aus den nördlich der Kur- und Kreisstadt gelegenen Orten honorieren die Offerten der Gesamtschule Lehnin, neuerdings sogar mit Abiturstufe, und schicken ihre Kinder dorthin. Wenn es diese Schulform demnächst in Treuenbrietzen (oder Brück) geben sollte, sehen die beiden an der Oberschule tätigen Sozialarbeiter die Gefahr, dass der Standort schon bald in Frage sehen könnte.

Nicht das erste Mal wird deshalb Alarm geschlagen. Die Schulleitung um Cornelia Scholla hat bereits Briefe an den Kreis Potsdam-Mittelmark, der die Schulentwicklungsplanung zwischen Havel und Fläming erledigt; sowie an Staatliches Schulamt und Ministerium, die letztlich Bildungsangebote genehmigen und Lehrer stellen müssen, geschrieben. Mithin an die Kommune als Trägerin der Bildungsstätte.

Immerhin hat jetzt hat der Auftritt von Olaf Görisch im städtischen Hauptausschuss mit dazu geführt, dass die Stadtväter den ausgeglichenen Etatentwurf für dieses Jahr nicht bestätigt haben, sondern statt dessen Anfang Februar in einer Strategie-Konferenz die Schwerpunkte der Stadtpolitik nochmals auf den Prüfstand kommen. Die zuletzt meist in Rede stehenden Vorhaben wie Feuerwehrgerätehaus-Neubau, Sanierung der alten Geschwister-Scholl-Grundschule und Rettung der Kunsteisbahn sind schließlich alle nicht spruchreif geworden. Entsprechend steigen die Erwartungen auf dem Schulcampus am Weitzgrunder Weg, wenn die Prioritäten neu gesetzt werden.

Seit fast 50 Jahren

Die Oberschule Bad Belzig ist 1968 erbaut und eingeweiht worden. Zunächst für die zehnklassige Polytechnische Oberschule „Bruno Kühn“.

Ab 1991 war unter dem Dach die Gesamtschule Belzig untergebracht (bis 200(/09 mit gymnasialer Oberstufe).

Seit 2009 trägt die Bildungsstätte den Namen der Ehrenbürger Artur Krause und Erich Tschetschog, die am 3. Mai die kampflose Übergabe von Belzig an die Rote Armee organisierten.

In diesem Schuljahr werden 197 Schüler von 22 Lehrern unterrichtet, hinzu kommen Sozial- und Sonderpädagogen.

Seit sieben Jahren wird die Oberschule in der Kur- und Kreisstadt jeweils für hervorragender Berufs- und Studienorientierung ausgezeichnet. Nicht zuletzt dank des Engagements von Fachlehrerin Jutta Stephan, die jetzt in den Ruhestand wechselt.

„Es ist mitnichten so, dass der Oberschulstandort neben dem Fläming-Gymnasium in der Kur- und Kreisstadt obligatorisch und unanfechtbar ist“, widersprechen Julia Zwank und Olaf Görisch jedenfalls der schon häufig formulierten Stellungnahme des Rathauses. Vor allen dürfte nicht der Vergleich der Kapazität der einstigen Gesamtschule mit 700 Kindern und Jugendlichen mit der heutigen Zahl von 200 Lernenden als falsches Argument genutzt werden.

Zum einen wird bekanntlich ein Gebäudeteil von der benachbarten Geschwister-Scholl-Grundschule mit genutzt. Zum anderen bestehen beim Praxis- und Projektlernen heute andere Anforderungen als noch vor zehn Jahren. Insofern hat der Vorsitzende des städtischen Fachausschusses, Lothar Lehmann (Freie Wählergemeinschaft) schon einmal zugesichert, dass eine der nächsten Tagungen vor Ort stattfindet, damit sich die Politiker ein Bild machen können.

Doch geht es Schülern, Lehrern und Eltern nicht nur um Investitionen in die Ausstattung, sondern Identifikation. Sie finden, dass sich die Wahrnehmung der Bildungseinrichtung in der Umgebung verbessern müsste. Wozu der Eigenbeitrag gehört, wie Julia Zwank und Olaf Görisch einräumen. „Gleichwohl sollen die Stadtväter mehr als bisher mit Lippenbekenntnissen zu ihrer Schule stehen“, sagt die 37-Jährige.

Denn neben dem vom Kreis Potsdam-Mittelmark bestens ausgestatteten Fläming-Gymnasium, das für die meisten Familien die erste Adresse hierzulande darstellt, bräuchte es nach Meinung der Sozialarbeiter im Interesse beider Bildungsstätten eine für Leistungsträger attraktive Oberschule in der Nähe. „Dort, wo es ausschließlich Gesamt- oder Oberschulen vor Ort gibt, engagieren sich die Lokalpolitiker wirkungsvoller“, hat Olaf Görisch festgestellt.

„Das wirkt sich dann in der ganzen Kommune aus“, hofft der 45-Jährige auf ähnliche Entwicklungen für Bad Belzig.

Von René Gaffron

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