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Wehmut: Theaterzeit in Viesen geht zu Ende

Lehnschulzenhofbühne Wehmut: Theaterzeit in Viesen geht zu Ende

Zehn Jahre lang spielte die Lehnschulzenhofbühne in Viesen (Potsdam-Mittelmark) Frühsommer für Frühsommer zünftiges Theater in uriger Umgebung. Nun ist es damit vorbei, die Macher haben bekannt gegeben, dass die 2017er Spielzeit die letzte ihrer Art sein wird.. Akteure und Zuschauer blicken zurück mit Wehmut.

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Auch das eine der schönen Aufführungen in Viesen gewesen, das Ensemble des Kirschgartens bei einer Aufführung im Jahr 2015.

Quelle: Ann Brünink

Viesen. Fast familiär wirkte die Runde, die sich in der Scheune des Lehnschulzenhofes versammelt hat, um sich an die Anfänge der Lehnschulzenhofbühne zu erinnern und zu erfahren, wie es nach der Schließung weitergeht.

Viele Mitstreiter waren gekommen, die das Projekt Lehnschulzenhofbühne von Anfang an aktiv unterstützt haben. Im Gespräch mit Benno Rougk, Geschäftsführer des MAZ-Regionalverlages Brandenburg, erzählten sie, wie es damals alles begann. „Irgendwann hat mir Katja Lebelt erzählt, dass sie sich einen „Fiat“ gekauft hat. Sie schwärmte begeistert von den Möglichketen, die sich dadurch ergeben würden“, erzählt Regisseur Boris von Poser.

Er habe sich darüber gewundert. Was für besondere Möglichkeiten sollte ein Auto bieten? „Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriff, dass ich sie falsch verstanden hatte. Sie hatte sich ein Pferd gekauft und keinen Fiat.“

Die Lehnschulzenhofbühne in Viesen

Die Lehnschulzenhofbühne in Viesen.

Quelle: Veranstalter

Ins Schwärmen geraten seien auch die Teilnehmer der Rentnerweihnachtsfeier im Dezember 2007, die in der Viesener Gaststätte stattfand, erzählt Hans-Jürgen Schramm. Da saß ein Ehepaar und stritt sich, dass die Fetzen flogen.

Zunächst haben die Anwesenden gar nicht bemerkt, dass Cornelia Heise und Matthias Brenner nicht ernsthaft stritten, sondern den Sketch „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ von Kurt Tucholsky aufführten. Groß war anschließend das Gelächter, denn die beiden seien einfach fantastisch gewesen, so Schramm.

Wolfram Scheller, Regisseur und Vereinsvorsitzender

Wolfram Scheller, Regisseur und Vereinsvorsitzender.

Quelle: Ina Schidlowski

„Alle im Dorf haben akzeptiert, was wir hier tun“, sagt Wolfram Scheller, Regisseur aus Berlin und Vorsitzender des Vereins Lehnschulzenhofbühne Viesen. „Es herrschte hier eine schöne Willkommenskultur“, ergänzt von Poser. Von Anfang an halfen die Dorfbewohner, wo immer es nötig war. Sei es, dass sie Unterkünfte für Schauspieler und Techniker bereitstellten, die im Lehnschulzenhof nicht unterkommen konnten.

Oder sie halfen mit beim Auf- und Abbau der Bühne. Sie konnten sich aber auch direkt mit ihren eigenen Erfahrungen einbringen. Initiiert von Katja Lebelt, haben sie im „Café der Erinnerungen“ ihre eigenen Lebensgeschichten erzählt. Das war so spannend, dass daraus ein Buch entstand.

„Hier wurde mit einfachen Mitteln große Kunst entwickelt“, sagt Boris von Poser. Und indem man sich auf die Bedingungen vor Ort einließ, bei den Inszenierungen die Möglichkeiten nutzte, die der Lehnschulzenhof bot und die Landschaft mit einbezog, hat es auch etwas mit den Künstlern gemacht. Sie haben sich verändert. „Alle Künstler haben hier investiert. Es ist immer Enthusiasmus gewesen“, so von Poser. Das war nicht immer leicht. Scheller berichtet, wie schwer es ihm gefallen sei, am Bühnenaufbau zu arbeiten, während nebenan ein Pferd starb.

Wehmütig wurde es gleich zu Beginn, als Scheller eine Fotoserie mit wunderschönen Bildern von allen Inszenierungen der vergangenen zehn Jahre vorgeführt hat. Aber es wurde auch gelacht über Pannen, die passiert sind. So habe man mal in der Scheune einen unscheinbaren Draht beseitigt, der beim Spielen gestört hat. Damit hatte man unwissentlich den Elektrozaun auf der Koppel abgeschaltet und alle Pferde seien abgehauen.

Wolfram Scheller und Boris von Poser wollen die Theaterarbeit ohne festen Standort an wechselnden Spielstätten und unter neuem Namen fortsetzen: „Theater – Land“. Allerdings wollen sie kein Wandertheater sein. Die Inszenierungen sollen jeweils vor Ort in Zusammenarbeit mit Profis und Laien entstehen. Als erstes Projekt planen sie den Roman „Sommer in Brandenburg“ von Urs Faes in einer Theaterfassung von Monika Radl auf die Bühne zu bringen. Sie hoffen, für dieses Projekt die Stiftung Paretz gewinnen zu können.

Über die Vielfalt der Erscheinungsformen von „Theater auf dem Land“ berichtete Kerstin Dorscht von der Stiftung Paretz. In dem Modellprojekt „Theaterring Brandenburg“ der Stiftung Paretz und des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sollen die erforderlichen Strukturen und Kooperationsmodelle – beispielsweise bei der Öffentlichkeitsarbeit oder der Bereitsstellung eines gemeinsamen Fundus – erarbeitet werden, um Theater auf dem Land zu stärken und gezielt zu fördern.

Von Ann Brünink

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