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Potsdam-Mittelmark Weihnachten auf Deutsch-Bulgarisch
Lokales Potsdam-Mittelmark Weihnachten auf Deutsch-Bulgarisch
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00:16 26.12.2017
Maria Blisse kocht für ihre Familie zum Weihnachtsfest Gerichte aus ihrer bulgarischen Heimat. Quelle: Andreas Koska
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Brück

Bei Familie Blisse im Brücker Stadtviertel Rottstock kommen an Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat auf den Tisch – wie es bei vielen deutschen Familien Brauch ist. Aber dieser Klassiker ist nur ein Teil des Buffets. Denn bei Familie Blisse gibt es wahlweise auch „Neunerlei“ oder „Dreizehnerlei“ – also neun oder eben 13 Gerichte.

Dazu gehören unter anderem mit Rosinen, Pilzen oder Reis gefüllte Weinblätter, unterschiedliche Salate und in einer Terrine lange im Ofen oder Kamin gegarte Bohnen. Dazu gibt es Porree in Ringen mit einem Kräutersalz und Paprikapulver bestreut, Zwiebeln und Knoblauch. Auf den Tisch kommen darüber hinaus getrocknete Früchte, in der Hauptsache Pflaumen und Apfelringe, aller Arten Nüsse. Das ist der bulgarische Teil des Weihnachtsfestes von Familie Blisse.

Für den ersten Feiertag wird das deutsche Menü aus Gans und Klößen mit der bulgarischen Banica ergänzt. Banica ist ein herzhaftes Blätterteiggebäck mit einer Füllung aus Käse und beliebigen weiteren Zutaten. „Wir haben ein deutsches Weihnachten mit bulgarischen Elementen“, sagt Maria Blisse. Die Bulgarin gehört seit 16 Jahren zu der Familie aus Brück-Rottstock.

Bulgarisches Essen von bulgarischen Geschirr ist bei Familie Blisse aus Brück zur Tradition geworden. Quelle: Andreas Koska

Kennengelernt hat sich das Paar in Bulgarien. Maria stammt aus der 70 000-Einwohner-Stadt Jambol, die knapp 100 Kilometer von der Schwarzmeerküste und dem weitaus bekannteren Burgas entfernt liegt. Im November 2001 heiratete sie den deutschen Sven Blisse.„Ich war im Frühjahr 2001 zum ersten Mal in Brück, mit einem Besuchsvisum für zwei Monate, kurz danach war Bulgarien dem Schengen-Abkommen beigetreten“, erinnert sie sich, „so dass ich einen Monat länger bleiben durfte.“ Mit ihr sind bulgarische Küche und Sitten eingezogen. „Bei uns in Bulgarien ist der Heiligabend der letzte Fastentag. Es wird fleischlos gegessen“, erklärt sie dass große, vegetarische Buffet.

Gemeinsam mit dem Schwiegereltern wird auf diese Weise in Brück-Rottstock seit vielen Jahren eine deutsch-bulgarische Weihnacht gefeiert. Dabei hat die internationale Familie inzwischen auch eigene Bräuche entwickelt. „Meine Schwiegermutter Hellgard hat vorgeschlagen, eine weitere Tradition aufleben zu lassen“, berichtet Maria Blisse. So wird der Tisch nach dem Essen nicht abgeräumt, sondern bis zum ersten Weihnachtsfeiertag alles stehen gelassen. „Es könnte ja sein, dass Jesus vorbeikommt, dann muss er bewirtet werden können“, erklärt sie.

Am Heiligabend gibt es Banica, ein herzhaftes Blätterteiggebäck mit einer Füllung aus Käse und beliebigen weiteren Zutaten. Quelle: Andreas Koska

Von dem multikulturellen Haushalt profitieren auch die beiden Kinder von Sven und Maria Blisse. Tochter Maja und Sohn Martin sind zweisprachig aufgewachsen. „Wenn meine Eltern uns besuchen oder wir in Bulgarien sind, dann plappern sie spätestens nach zwei Tagen ohne Probleme“, berichtet die stolze Mutter, die selbst ein hervorragendes, akzentfreies Deutsch spricht. „Das meiste habe ich hier gelernt“, erklärt sie, „eine kleine Grundlage bildete sicher der Deutschunterricht in der Schule und das Touristikstudium in Burgas.“

Ihre beiden Kinder besuchen nun einmal in Monat eine bulgarische Schule in Berlin, an der auch Maria Blisse selbst aktiv ist. Die Gerichte aus ihrer Heimat steuert sie dort selbstverständlich auch zur Weihnachtsfeier gern bei. Wie Zuhause in Brück wird es in der Schule auf dem traditionellen bulgarischen Geschirr serviert. „Vor kurzem brachte mir Lothar Koch eine Kiste voll mit den typischen Tonwaren vorbei“, erzählt Maria Blisse über den ehemaligen Landrat, „er und seine Frau waren häufig in Bulgarien.“

Auch dieses Jahr werden alle Blisses und die Eltern von Maria gemeinsam an der festlich geschmückten Tafel sitzen und das deutsch-bulgarische Buffet genießen. Ihre Eltern wollen wie immer aus Jambol anreisen. Die gemeinsamen Traditionen überwinden alljährlich alle Sprachbarrieren und die mehr als 1500 Kilometer, die zwischen Brück und der bulgarischen Heimat von Maria Blisse liegen.

Der bulgarische Brauch: Nach dem Essen mit Gesang zu den Nachbarn

Die Feier am 24. Dezember läuft in Bulgarien nach einem alten Brauchtum ab: Zunächst werden einfache Linsen gereicht. Anschließend wird eine Mahlzeit aus veganen Gerichten vorbereitet: Reis, Kohl, Bohnen, gefüllte Paprika, diverse eingelegte Gemüsesorten, Nüsse, Äpfel, Honig und Brot. Erst an den Folgetagen sind deftigere Gerichte auf Fleischbasis erlaubt.

Jeder Gast des Hauses bekommt eine Nuss auf seinen Teller gelegt, die er aufknacken muss. Der Inhalt gibt eine erste Idee, wie das kommende Jahr ausfallen wird.

Als Nächstes reicht der Älteste an diesem Tisch den Gästen Brot, in das eine Münze eingebacken ist. Wer sie findet, hat im nächsten Jahr besonders viel Glück.

Nach dem Abendessen ziehen die jungen Männer singend durch ihre Nachbarschaft. Sie nennen sich „Koledari“ und erinnern entfernt an die Sternsinger.

Mit ihrem Gesang wünschen die Männer den Nachbarn viel Glück im neuen Jahr. Im Gegenzug erhalten sie kleine Geschenke wie Süßigkeiten, Wein oder etwas Geld.

Von Andreas Koska

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