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Weihnachtsgeschenk klingt nun in Pflügkuff

Feierliche Orgelweihe Weihnachtsgeschenk klingt nun in Pflügkuff

Die Kirche im kleinen Dörfchen Pflügkuff bei Treuenbrietzen erhielt aus dem Schwarzwaldort Schömberg eine Orgel geschenkt. Sie ist am Sonntagnachmittag nun mit einem Festgottesdienst geweiht worden. Seit mehr als 70 Jahren verfügte die Kirche in dem rund 30 Einwohner zählenden Dorf nicht mehr über eine Orgel. Eingefädelt wurde die Schenkung in Jerusalem.

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Henrike Etté spielt die Pflügkuffer Orgel, die Bernd und Dorothea Brandl aus dem Schwarzwald vermittelt hatten.

Quelle: Thomas Wachs

Pflügkuff. In der kleinen Feldsteinkirche zu Pflügkuff ist jetzt eine großes Weihnachtsgeschenk festlich eingeweiht worden. Aus dem Nord-Schwarzwald war vor Jahresfrist eine Orgel in den Hohen Fläming transportiert worden. Sie ist ein Geschenk der Kirchengemeinde in Schömberg. Nach ihrem ersten kurzen musikalischen Einsatz zur Weihnachtsandacht ist das Instrument am Sonntag nun mit einem von den Treuenbrietzener Pfarrern Gunther Seidel und Dirk Matthies gestalteten Festgottesdienst in der mit gut 80 Gästen voll besetzten Kirche gefeiert worden. Kantorin Henrike Etté füllte nach Jahrzehnten der Ruhe, die Kirche wieder mit Orgelmusikmusik. Das zuletzt dort notdürftig eingesetzte Spinett hat dort nun endlich ausgedient.

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Die Kirche im kleinen Dörfchen Pflügkuff bei Treuenbrietzen erhielt aus dem Schwarzwaldort Schömberg eine Orgel geschenkt. Sie ist am Sonntagnachmittag nun mit einem Festgottesdienst geweiht worden. Seit mehr als 70 Jahren verfügte die Kirche in dem rund 30 Einwohner zählenden Dorf nicht mehr über eine Orgel. Eingefädelt wurde die Schenkung in Jerusalem.

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Gäste aus dem Schwarzwald bei Orgelweihe

Bei der Weihe mit dabei waren Bernd und Dorothea Brandl sowie weitere Vertreter der Kirchengemeinde Schömberg. „Wir freuen uns, dass die Orgel hier einen guten Platz gefunden hat“, sagte der Professor für Kirchengeschichte Bernd Brandl. „Bei uns hatte das Instrument keine Verwendung, alle Kirchen sind mit Orgeln versorgt“, erzählte der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates aus Schömberg. Für ihn und seine Frau gab es doppelte Freude über den neuen Wirkungsort für die Orgel. Denn Dorothea Brandl stammt aus Felgentreu (Teltow-Fläming). Sie absolvierte in Treuenbrietzen ihre Schulzeit, bis ihre Eltern 1960 mit der Neunjährigen in den Westen gingen.

Schenkung in Jerusalem eingefädelt

Ihren Anfang nahm die ungewöhnliche Schenkung weit in der Ferne. Bei einer Reise nach Jerusalem trafen die Brandls einen Orgelbaumeister aus dem Raum Berlin bei der Arbeit. Ihm berichteten die Urlauber von ihrem ungenutzten Instrument in Schömberg, das die Gemeinde gern abgeben würde. Der Orgelbauer erzählte seinem Kollegen Jörg Stegmüller aus Michendorf von der Begegnung in der Ferne. Im Kontakt mit dem Bad Belziger Kantor und Orgelexperten Winfried Kuntz wiederum wurde eine Verwendung für das Instrument gesucht. Nachdem zwei andere Orte abgesagt hatten, fiel die Wahl auf Pflügkuff.

Ungenutzt seit Jahrzehnten

Die jetzt in Pflügkuff postierte Orgel war um 1960 von der renommierten Firma Steinmeyer aus dem Schwarzwald für den Andachtsraum einer Tuberkulose-Klinik im Kurort Schömberg im Nord-Schwarzwald gebaut worden.

Nach Schließung der Klinik fiel das Instrument im heutigen Wert von rund 6000 Euro an die Kirchengemeinde von Schömberg mit heute circa 2300 Gemeindegliedern. Dort gab es jedoch keine Verwendung. Die Orgel blieb Jahrzehnte lang ungenutzt.

Für den Aufbau in der kleinen, rund 800 Jahre alten Feldsteinkirche zu Pflügkuff war auch Improvisationstalent gefragt. Denn die vier längsten der hölzernen Pfeifen passten auf der Empore nicht unter die flache Decke. Orgelbauer Jörg Stegmüller winkelte sie kurzerhand ab.

Jörg Stegmüller machte sich vor Weihnachten auf eine arbeitsreiche Tagestour in den Schwarzwald. Dort wurde das Orgelgeschenk fachmännisch abgebaut, verladen und schon am gleichen Abend in Pflügkuff wieder ausgepackt. Tags darauf waren viele Helfer zur Stelle, um das neue Instrument mühevoll auf die Empore zu bugsieren. Jürgen Grabo hatte dazu auch einen Lastenaufzug von einer Dachdeckerei organisiert. „Wir hätten nie geglaubt, dass unsere kleine Kirche jemals wieder eine Orgel haben würden“, erzählte der Vorsitzender des Kirchenrates im gut 30 Einwohner zählenden Pflügkuff am Sonntag erfreut der MAZ.

Empore seit mehr als 70 Jahren verwaist

Denn das angestammte Instrument ging irgendwann um 1950 zur Restauration nach Potsdam. Seither war der Korpus auf der Empore verwaist. „Aus Potsdam kam die Orgel nie wieder zurück“, erinnert sich auch Ruth Petzer bei der Kaffeetafel zum Ausklang der Orgelweihe im Feuerwehrhaus. Die 84-jährige Ureinwohnerin von Pflügkuff war trotz Gehbeschwerden gemeinsam mit ihrer Tochter, Sigrid Platz, extra zum Festgottesdienst erschienen. „Das ist doch fast ein Jahrhundertereignis für unser kleines Dorf“, sagten beide Frauen. Entgehen lassen wollte sich dies auch Uwe Strobel nicht. Er kam am Mittag in Treuenbrietzen mit den Eheleuten Brandl ins Gespräch und folgte ihnen nach Pflügkuff. „Eine Orgelweihe erlebt man ja nicht alle Tage“, begründete der Treuenbrietzener seinen spontanen Sonntagsausflug nach Pflügkuff.

Von Thomas Wachs

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