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„Weisser Ring“ will Arbeit in Mittelmark stärken

Hilfe für die Opfer von Einbrüchen und Gewalt „Weisser Ring“ will Arbeit in Mittelmark stärken

Der „Weisse Ring“ hilft Kriminalitätsopfern, wieder ein normales Leben zu führen. Damit er möglichst vielen Menschen helfen kann, will Martin Gronwald den Verein in Potsdam-Mittelmark besser vernetzen und bekannter machen. Dafür sucht Gronwald jetzt Unterstützer.

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Ein Großteil der Fälle des „Weissen Rings“ in Potsdam-Mittelmark sind häusliche Gewalt.

Quelle: dpa

Bad Belzig. Manchmal geht es ganz schnell. Man kommt vom Urlaub nach Hause, freut sich auf Normalität und merkt, dass etwas nicht stimmt. Die letzten Schritte bis nach oben und das Herz bleibt beim Anblick der Tür kurz stehen. Sie steht einen Spalt weit offen. Der Alptraum: Ein Einbruch in den eigenen vier Wänden. Dann ist nichts mehr wie zuvor und das Leben ändert sich von einem auf den anderen Tag.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Viele wissen dann nicht mehr ein noch aus“, sagt der Außenstellenleiter des „Weissen Rings“ Potsdam-Mittelmark Martin Gronwald. An ihn kann man sich wenden, wenn man Beistand braucht in einer solchen Situation. Er und seine zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter im Landkreis geben Kriminalitätsopfern rechtlichen Beistand, helfen im Umgang mit Behörden und sprechen mit ihnen über ihre Ängste. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Gronwald seine Arbeit. Nach einem Hilferuf reagiert der „Weisse Ring“ innerhalb von 24 Stunden, auch am Telefon und per E-Mail berät er Betroffene. Natürlich ist die Polizei für die Kriminalitätsopfer zuständig. „Doch die Beamten haben nicht die Zeit für eine umfassende Opferhilfe“, sagt der Ehrenamtliche.

Vermittlung von Anwälten, Psychologen und Wohnungen

Der Verein kümmert sich darum, dass das Leben der Leidtragenden weitergehen kann und hilft bei allem, was die Tat angerichtet hat. Viele kommen in finanzielle Bedrängnis, so dass sie 250 Euro Soforthilfe bekommen: Wenn sie beispielsweise nicht mehr wissen, wie sie über den Monat kommen sollen, weil ihnen alles geklaut wurde.

Opferberater Martin Gronwald

Opferberater Martin Gronwald

Quelle: Melanie Höhn

Gronwald vermittelt Anwälte, Psychologen oder sucht mit den Betroffenen nach einer neuen Wohnung. Er wendet sich auch an das Ordnungsamt und die Telekom und sorgt dafür, dass Anonymität gewahrt wird. Gronwald: „Unsere Betreuer gehen auch mit in den Gerichtssaal. Das gibt dem Opfer ein besseres Gefühl.“ Das Schwierigste sei jedoch im Erstgespräch herauszufinden, in welcher Situation sich derjenige befindet, denn manchmal können Menschen nicht formulieren, was sie brauchen.

Ideeller Wert für immer verloren

Ein Ehepaar aus Stahnsdorf beispielsweise betreute der gebürtige Niedersachse nach einem Einbruch und sprach mit ihnen in vielen Sitzungen über das Erlebte. „Zwar wird der materielle Schaden von der Versicherung ersetzt, aber der ideelle Wert der Dinge ist für immer verloren. Das ist das Schlimme für die Betroffenen“, weiß der 64-Jährige. Viele können dann in ihrem eigenen Haus auf Dauer nicht mehr leben, fühlen sich unsicher. Manche verkaufen ihre Wohnung und ziehen in eine andere Stadt. Die Frau aus Stahnsdorf musste alles wegschmeißen, was der Einbrecher angefasst hatte. Für sie war das Eindringen in ihre Privatsphäre unerträglich. Manche machen aus ihrem Haus eine Burg, fahren nicht mehr in Urlaub.

Wie man Opferhelfer wird

Wer sich dafür interessiert, beim Weissen Ring mitzumachen, kann sich bei Martin Gronwald unter 0151 55164763 melden.

Zunächst wird ein Anwärter bei erfahrenen Opferhelfen mitlaufen und Fälle kennenlernen. Danach besucht er ein Wochenendseminar, bekommt dort ein Kommunikationstraining und lernt die verschiedensten Rechtsbereiche kennen. Danach können schon eigene Fälle bearbeitet werden.

Abgeschlossen ist die Ausbildung erst nach dem zweiten Seminar. Wer sich für die Arbeit beim Weissen Ring interessiert, sollte sich bewusst sein: „Opferarbeit braucht Zeit“, sagt Martin Gronwald. Seine ehrenamtlichen Mitarbeiter sind zwischen 30 und 75 Jahre alt.

Häusliche Gewalt, Stalking und Cyber-Kriminalität

Bei Martin Gronwald laufen neben Einbrüchen und Diebstählen viele Fälle von häuslicher Gewalt und Stalking auf. Meistens sind Frauen die Leidtragenden. Manchmal versuchen Männer ihre Ex-Partnerin in allen Lebensbereichen zu diffamieren, verbreiten Lügen in der Verwandtschaft oder im Job und sprechen manchmal sogar Morddrohungen aus, erzählt er. Auch Cyber-Kriminalität nehme immer mehr zu, vor allem bei Schülern zwischen 14 und 17 Jahren. Das gehe mit Mobbing einher, wenn beispielsweise Bilder im Internet veröffentlicht und Schüler bloßgestellt werden. „Ich kannte einen Fall, als ein Mädchen aus dem ersten Stock des Schulgebäudes springen wollte“, erzählt der ehemalige Polizeibeamte. „Diese Kinder können sich oft nicht wehren.“ In solchen Fällen hilft der „Weisse Ring“, eine schulpsychologische Beratung zu vermitteln und unterstützt Eltern, sich beim Provider einzuklagen, damit dieser die Bilder entfernt.

Bessere regionale Vernetzung

Alle vier Wochen treffen sich Gronwald und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter, um aktuelle Fälle zu besprechen und sich auszutauschen. Inzwischen gibt es 420 Außenstellen des „Weissen Rings“ deutschlandweit, 19 davon in Brandenburg. „Doch der ’Weisse Ring’ ist hier in der Region noch nicht so bekannt, wie ich es gerne hätte“, sagt er. Deshalb veranstaltet er am 22. September um 10.30 Uhr in der Burg Eisenhardt eine Infoveranstaltung, um den „Weissen Ring“ sozialen Vereinen und lokalen Politikern vorzustellen. Dann wird die Außenstelle Potsdam-Mittelmark auch offiziell eröffnet. Das oberste Ziel von Martin Gronwald: Die bessere regionale Vernetzung, um Opferhilfe voranzutreiben.

 

Von Melanie Höhn

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