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Weiterbildung: Exportschlager für China

Bildungsministerin besucht Teltow Weiterbildung: Exportschlager für China

In Teltow werden Strategien entwickelt, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter fit für die Zukunft machen können. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) schaute im Ausbildungsverbund vorbei und zeigte sich angetan. Doch dann wurde es ernst: Wanka musste per Smartphone eine leuchtende Kugel zum Rollen bringen.

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Ministerin Wanka steuert den Roboterball mit dem Handy – Professor Busch ist zufrieden.

Quelle: Jürgen Stich

Teltow. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) schien zunächst etwas unwillig, als ihr der Professor das Mobiltelefon in die Hand drückte. „Sie können den Roboterball jetzt steuern“, sagte er und Wanka schaffte es tatsächlich, eine kleine, leuchtende Kugel über die Auslegware zu manövrieren. Dann wurde die Ministerin mit einem jungen Mann konfrontiert, der sie durch eine unförmige Datenbrille anstarrte. „Er kann sie sehen“, erklärte der Professor, „aber gleichzeitig ist er in der Lage, in einer virtuellen Welt Prozesse in Gang zu setzen.“

Schließlich zog Wanka die Reißleine. „Das ist mir alles zu abstrakt hier. Was hat das mit Weiterbildung zu tun?“, fragte sie in die Runde. Denn dieses Thema sollte eigentlich im Mittelpunkt ihres Besuchs gestern im Ausbildungsverbund der IHK Potsdam in Teltow stehen. Professor Carsten Busch von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin klärte auf: „Es geht doch zunächst einmal darum, den Kursteilnehmern die Angst vor der digitalen Welt spielerisch zu nehmen.“

Dieser junge Mann sieht die Welt, wie sie ist, und noch ein bisschen mehr – dank der Datenbrille

Dieser junge Mann sieht die Welt, wie sie ist, und noch ein bisschen mehr – dank der Datenbrille.

Quelle: Jürgen Stich

Busch betreut eine Gruppe von sogenannten Weiterbildern – also von Fachleuten, die in Betrieben für die Weiterbildung der Mitarbeiter zuständig sind. Der Kurs ist Teil eines Projekts, den das Bundesbildungsministerium mit einer halben Million Euro fördert. Deshalb der Besuch der Ministerin, die sich vor Ort versichern wollte, ob das Geld gut angelegt ist. Wanka hatte Zahlen mitgebracht. „Was die Digitalisierung aller unserer Lebensbereiche angeht, sieht das ein Drittel der Deutschen durchaus positiv.“ Umfragen hätten aber auch ergeben, dass sich 40 Prozent der Arbeitnehmer „große Sorgen“ machen, dass Internet und Computer ihre Jobs gefährden. „Wir wollen die Digitalisierung menschlich gestalten“, sagte die CDU-Politikerin. „Und deshalb ist die Weiterbildung in den kleinen und großen Unternehmen ein so zentrales Thema.“

Der Teltower Ausbildungsverbund stemmt das Projekt „Quali4Pro“ gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Bildungsforschung, der Lernfabrik Neue Technologien Berlin und Weiterbildungsexperten der k.o.s. GmbH. Um das Gebiet sinnvoll einzugrenzen, konzentrieren sich die Partner auf die „Professionalisierung und Qualifizierung des Weiterbildungspersonals im Cluster Energietechnik“. Das wiederum hängt mit der Energiewende zusammen, die insbesondere in Berlin und Brandenburg viele Betriebe vor neue Herausforderungen stellt. Um Schritt zu halten, müssen auch ältere Mitarbeiter ständig hinzulernen, idealerweise kümmert sich das Unternehmen um eine professionelle Weiterbildung.

Das Weiterbildungspersonal fit für die Zukunft zu machen, ist das Ziel des Projekts. Wenn es gelingt, ein erfolgreiches Programm zu erarbeiten, kann das sehr lukrativ werden. „Die Energiewende ist ein Exportschlager“, sagte Bernd Benser von der Schönefelder Grid-Lab GmbH, dem Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Systemsicherheit der Elektrizitätsnetze, in der anschließenden Diskussionsrunde mit der Ministerin. „Der chinesische Markt ist sehr interessiert an Bildungs- und Weiterbildungskonzepten aus Deutschland.“

Wanka hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. Sie kündigte an, dass sie Forschungen zum Thema Weiterbildung an den Universitäten finanziell unterstützen werde. In Brandenburg sei in Görlitz das erste „Lernlabor“ an den Start gegangen – sechs weitere sollen folgen. Mit den rund 40 000 Berufsschulen in Deutschland will Wanka einen „Digital-Pakt“ schließen. Alles das soll am Ende dazu beitragen, dass die viel beschworene Industrie 4.0 endlich ins Laufen kommt. „Und dabei liegt unser Fokus auf den kleinen und mittleren Betrieben. Denn dort sind die Herausforderungen der Digitalisierung besonders groß.“

Von Jürgen Stich

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