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Welpenschule zerbricht an Bürokratie

Kampf um Existenz Welpenschule zerbricht an Bürokratie

Nach mehr als zweijährigem Kampf mit Kreis- und kommunalen Behörden hat die zertifizierte Hundetrainerin Annette Bräu aus Ferch nun ihre Welpenschule schließen müssen. Die Bauaufsicht des Kreises will ihr keine Baugenehmigung für einen 30 Jahre alten Zaun auf dem Hundetrainingsplatz geben. Neun Jahre lang wurde ihr Gewerbe in Langerwisch geduldet.

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Annette Bräu mit ihren drei eigenen Hunden in der Tierpension in Ferch

Quelle: H. Helwig

Ferch . Nach einem mehr als zweijährigen erbitterten Kampf mit Kreis- und Kommunalbehörden hat die zertifizierte Hundetrainerin Annette Bräu aus Ferch jetzt ihre Welpenschule aufgeben müssen. Auf einem gepachteten Privatgrundstück in Langerwisch hatte sie neun Jahre lang an jedem Samstag unerfahrenen Hundehaltern den richtigen Umgang mit dem neuen Familienmitglied gezeigt und sie über Rechte und Pflichten – beispielsweise die Anzeigepflicht – aufgeklärt. Darüber hinaus hatte Bräu ihren Kursteilnehmern im Sinne des Tierschutzes auch empfohlen, darauf zu achten, wie die Nachbarn ihre Vierbeiner halten. „Das Gewerbe war in der Gemeindeverwaltung Michendorf angemeldet. Dort hatte niemand etwas dagegen“, sagt Annette Bräu.

Erst als die Bauaufsicht des Kreises vor zwei Jahren bei einem Kontrollgang das handgemalte Hinweisschild „Welpenschule“ am hinteren Zaun des Grundstückes entdeckte, begann Annette Bräus nervenaufreibender Papierkrieg mit der Behörde um die erforderliche Baugenehmigung für einen Zaun, der nach ihren Worten schon seit dreißig Jahren das Grundstück umschließt. Der Hundetrainingsplatz liegt im sogenannten Außenbereich und überdies auch noch im Landschaftsschutzgebiet „Nuthetal – Beelitzer Sander“. Da konnte die Bauaufsicht den Bauantrag nur ablehnen. „Ich bin kein privilegierter Landwirt, der auf eine Ausnahmegenehmigung hoffen könnte, und kann mich auch nicht auf den Bestandsschutz eines traditionsreichen Gewerbes berufen, wie etwa eine Fahrschule oder ein Baustofflagerplatz, die sich nur wenige Häuser vom Hundeplatz entfernt befinden“, so die Hundetrainerin. Der Zaun könne zu einer „weitreichenden Vorbildwirkung für andere Bauwillige (führen), die sich darauf berufen können“, schrieb die Bauaufsicht in ihrer Ablehnung. Bräu kann da nur den Kopf schütteln. Sämtliche Grundstücke in der Straße sind bereits umzäunt.

Ein Umzug auf ein Grundstück in Glindow, das die Stadt Werder der Hundetrainerin anbot, scheiterte ebenfalls am Einspruch der Bauaufsicht, obwohl sich auch Werder gegenüber der Behörde für die Welpenschule einsetzte. Doch in einer Laufbrücke für die Hunde, einer Wippe und einem Gestell mit einem Sprungreifen, die Bräu mittlerweile längst abgehakt hat, sahen die Bauwächter eine „Splitterbebauung“. Zudem diene die Anlage „keinem öffentlichen Zweck“, denn bei der „Ausbildung als Familienhunde, bei der den Hunden Sozialverhalten beigebracht wird“, gehe es „nur im private Interessen.“

Im vorauseilenden Gehorsam leitete die Gemeindeverwaltung Michendorf Anfang August des vorigen Jahres ein Gewerbeuntersagungsverfahren gegen Annette Bräu ein und bat sie, ihren Gewerbebetrieb einzustellen. Gleichzeitig wurde Bräu eine Anhörung angeboten. Nur wenige Tage später teilte die Gemeinde der Hundetrainerin mit, „dass zu diesem Zeitpunkt keine Gründe zur Untersagung des Gewerbes nach § 35 GewO ersichtlich sind“ und das Verfahren daher eingestellt werde. Langerwischs Ortsvorsteher Wolfgang Kroll (Langerwischer Bürger) bekräftigt dagegen, dass sein Ortsbeirat und er „nicht Dinge dulden, die nicht gesetzeskonform sind“. Er hege keinen persönlichen Groll gegen die Fercherin, meint aber, Bräu habe ihre Welpenschule „illegal betrieben.“ Auf die Frage nach der jahrelangen Duldung des Hundetrainings durch die Gemeindeverwaltung antwortet Kroll: „Die Mühlen mahlen langsam.“

Gerhard Bräutigam, Chef des Rosengutes in Langerwisch, hat Annette Bräu auf seinem Firmengelände einen Platz angeboten, auf dem früher eine Hundepension betrieben wurde. Doch auch dort wies die Bauaufsicht darauf hin, dass ein Betrieb nicht ohne vorherige Baugenehmigung aufgenommen werden kann. Auch eine einstweilige Nutzung bis zum Abschluss eines dritten Genehmigungsverfahrens wird ihr verwehrt.

„Mit der Aufgabe der Welpenschule habe ich auch meine Selbstständigkeit verloren“, sagt Bräu. Sie lebt nun in ihrer Hundepension in Ferch vom Gehalt des Ehemannes mit. Fünf Hunde darf die Trainerin auf Erlaubnis des Veterinäramtes betreuen. Mit einer Petition an die Gemeinde Michendorf und die Aufsichtsbehörden im Landkreis, die auch auf ihrer Webseite veröffentlicht ist, will sie ein letztes Mal an das Gewissen der Verantwortlichen appellieren, sich dem wichtigen gesellschaftlichen Thema der Hundeerziehung zu stellen. Eine erste Unterschriftensammlung vor zwei Jahren blieb allerdings erfolglos.

Schon mehrere tausend Euro verloren

Ihre Lizenz als Hundetrainerin erwarb sich Annette Bräu vor zehn Jahren an der einzigen Hundeakademie in Deutschland in Darmstadt. Dorthin fährt sie auch regelmäßig zu Fortbildungsveranstaltungen.

Mit einer Tierpraxis in Michendorf hat die Hundetrainerin einen Erste-Hilfe-Kurs für Hundehalter aufgebaut.

Eine Klage gegen die Bauaufsicht lehnt Annette Bräu ab, da diese keine aufschiebende Wirkung hätte und sie ihr deshalb nach eigenen Worten nichts nutzen würde.

Den Widerspruch gegen die Versagung der Baugenehmigung hatte die Bauaufsicht des Kreises ebenfalls abgelehnt.

Auf der Suche nach Alternativen für ihre Welpenschule hatte sich Annette Bräu auch an den Hundesportverein Seddiner See gewandt, dessen Hundeplatz nicht mehr so oft genutzt wird. Doch die Seddiner Hundesportler lehnten ab.

Im Streit mit den Behörden hat Annette Bräu nach eigenen Angaben bereits mehrere tausend Euro verloren.

Von Heinz Helwig

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