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Potsdam-Mittelmark Weltliche Trauerfeiern in der Winterkirche
Lokales Potsdam-Mittelmark Weltliche Trauerfeiern in der Winterkirche
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02:15 20.03.2017
Pfarrerin Christiane Klußmann (links) und Vereinsvorsitzende Monika Nebel in der Wuster Kirche. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Wust

Es ist eine Nachricht, die hunderte Menschen in Wust und Gollwitz erleichtern wird: Die Evangelische Kirchengemeinde Brandenburg-Ost und der Kultur-Wust-Verein haben sich geeinigt, dass künftig gegen Gebühr weltliche Trauerfeiern in der Wuster Kirche stattfinden dürfen. Gleiches gilt für Gollwitz.

Zur Verfügung steht dafür die Winterkirche. Ermöglicht hat das die neue Pfarrerin Christiane Klußmann, die Hausherrin der beiden Kirchen ist. Es ist ein langgehegter Wunsch und seit Jahren der Appell des Vereins an die Kirchengemeinde, dies zu ermöglichen. Bei einer Unterschriftenaktion in dem knapp 500-Einwohner-Dorf, die der Verein 2011 gestartet hatte, unterzeichneten 75 Prozent der erwachsenen Wuster. Doch Pfarrer Rasmus Gramsch lehnte den Wunsch ab.

Die Wuster Dorfkirche, wie von der März-Sonne angestrahlt. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bisher mussten die Trauergesellschaften die kleine Halle auf dem Friedhof nutzen, wenn die Verstorbenen nicht Mitglieder der Evangelischen Kirche gewesen waren. Die Trauerhalle ist winzig, nur wenige Menschen finden dort Platz. Sie stoßen mit ihren Knien fast an den Sarg, so eng ist es dort. Die meisten Trauergäste sind daher gezwungen, die Zeremonie von draußen zu verfolgen. „In die Trauerhalle passen ein Sarg und vier Personen“, berichtet Monika Nebel, seit gut einem Jahr Vorsitzende des Vereins Kultur-Wust. „Es gab Bestattungen, bei denen standen 60, 70 Trauernde im strömenden Regen“, sagt die 62-Jährige. „Sie ist einfach miniklein, die Leichenhalle. Es war ein Bild des Grauens.“

Das Unverständnis der Vereinsmitglieder war besonders groß auch, weil vor allem sie es bisher gewesen sind, die die Kirche seit 19 Jahren mit Leben füllen durch ihre Aktionen und Kultur-Events. 2014 war es auch den Kulturwustlern und ihrer Tatkraft zu verdanken, dass der Kirchenturm saniert werden konnte. Mit Eigenmitteln durch Spenden, kirchlichen Mitteln und Landesgeldern vor allem wurde das 120.000 Euro-Projekt gestemmt. „Ihr habt zwar die Kirche mit gerettet, aber wenn einer von euch stirbt, darf eure Trauerfeier nicht mal bei Regen in der Kirche stattfinden.“ Diesen empörten Satz hat Monika Nebel von Wustern häufig gehört.

Mit dem Gemeindekirchenrat ist der Kompromiss abgestimmt

Pfarrerin Christiane Klußmann ist die Nachfolgerin von Rasmus Gramsch. Sie ist seit November für die Kirchengemeinde Brandenburg-Ost mit Wust, Gollwitz und Neuschmerzke und damit für 100 Kirchenangehörigen zuständig neben ihrer Lukas-Kirchengemeinde. „Wir haben uns auf der Hälfte getroffen“, sagt sie zur neuen Übereinkunft. Das große Bedürfnis der Wuster und Gollwitzer nach einem solchen Schritt hat sie erkannt, noch bevor sie die Pfarrstelle angetreten hatte. Die 44-Jährige sagt aber deutlich: „Die Kirche ist ein Gotteshaus für Gottesdienste in erster Linie und eine kirchliche Bestattung ist ein Gottesdienst. Eine weltliche Trauerfeier richtig in der Kirche, das wollte ich nicht und auch der Gemeindekirchenrat nicht. Mit ihm ist der Kompromiss nun abgestimmt.“ Deswegen darf das Kirchenschiff nicht genutzt werden, sondern nur die kleinere, aber beheizbare Winterkirche. Nun gelte es zu schauen, ob es so funktioniert, sagt die Pfarrerin. „Wir sind im Probelauf. Wenn es läuft, ist es schön, wenn nicht, werden wir eine Lösung finden.“

So ist es in der Lukas-Kirchengemeinde in Jeserig geregelt

In Wust und Gollwitz dürfen ab sofort weltliche Trauerfeiern in den jeweiligen Winterkirchen der Dorfkirchen statt finden. „Durch die beiden Dörfer soll ein kleiner Ruck gehen“ mit der guten Nachricht, hofft die neue Pfarrerin Christiane Klußmann. Die 44-Jährige ist auch die Pastorin der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde Jeserig. Wie sieht es dort aus? „Es ist eine Vielfalt – jedes Dorf hat eine angemessene Lösung gefunden“, sagt die Pastorin.

In Schenkenberg ist es den Angehörigen Verstorbener, welche nicht Mitglied der Evangelischen Kirche waren, schon seit längerem erlaubt, die großzügigen Gemeinderäume, nicht aber die Kirche für die Trauerfeier zu nutzen.

In Jeserig hingegen ist der Gemeindekirchenrat nach Angaben von Christiane Klußmann restriktiv. Teilnehmer weltlicher Trauerfeiern dürfen die Kirche in Jeserig nicht nutzen. „In Jeserig war es aber auch nie Thema“, so die Pfarrerin.

In Trechwitz „steht es auch nicht zur Debatte“. Dort gibt es den von der Kirchengemeinde betriebenen Waldfriedhof mit einer ausreichend großen Trauerhalle. Auf dem kleinen Friedhof an der Trechwitzer Kirche lassen sich nur Gemeindemitglieder bestatten.

In Deetz unterhält die Gemeinde Groß Kreutz einen 7510 Quadratmeter großen Friedhof mit Trauerhalle. „Auf dem kleinen Friedhof neben der Kirche gibt es nur wenige Bestattungen, doch dort lassen sich nur Gemeindmitglieder beerdigen. Die Trauerfeiern sind natürlich in der Kirche“, berichtet Christiane Klußmann.

Diese Woche hat sich Klußmann den Kulturwustlern offiziell vorgestellt. Inoffiziell war sie schon bei einer Putzaktion im Kirchturm mit dabei und hat dafür als Begrüßung eine Blume geschenkt bekommen. „Bei der Drecksarbeit hat Frau Klußmann sofort mitgeholfen“, sagt Monika Nebel. Beide Seiten sind nach Jahren auch der disharmonischen Klänge zwischen Verein und Pfarrsprengel von einander angetan: „Ich bin ganz dankbar, dass es den Verein gibt“, sagt die Pfarrerin. „Der Unterschied zwischen einem Dorf mit einem Verein und einem ohne Kirchenförderverein ist ganz deutlich zu spüren.“

Was von Anfang an so hätte sein können, nun wird es so: ein Miteinander. Es mündet erstmals in einem großen gemeinsamen öffentlichen Fest der Kirchengemeinde mit dem Kultur-Wust-Verein am Ostersonntag: „Wir ziehen wieder an einem Strang“, sagt Klußmann. „Und das wollen wir zeigen.“

Von Marion von Imhoff

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