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Potsdam-Mittelmark Wenn die Liebe zum Vinyl nicht endet
Lokales Potsdam-Mittelmark Wenn die Liebe zum Vinyl nicht endet
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17:51 15.04.2016
Ein Mitarbeiter von Celebrate Records prüft eine frisch gepresste Schallplatte in Stollberg. Quelle: dpa
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Mittelmark

Sie sind rund, haben zwei Rillen und ein Loch in der Mitte – die Schallplatten. Dass die runden Scheiben aus Polyvinylchlorid keine Artefakte aus dem letzten Jahrhundert, sondern auch heute noch bei Musikliebhabern und -kennern beliebt sind, zeigt sich auch in der Tatsache, dass man dieser besonderen Musikszene und den Schallplattenläden einen eigenen Tag gewidmet hat.

Seit 2007 findet jedes Jahr am dritten Samstag im April der Record Store Day statt. Welche Bedeutung die Schallplatten nicht nur damals hatten, sondern auch noch heute haben, das erzählen Schallplattenexperte Andreas Kohl aus Borkheide und Discjockey Andreas Schmutzler aus Brück.

Musikliebhaber greifen oft zur Vinyl-Platte. Quelle: AFP

Lange ist es bei Schmutzler her, aber der gebürtige Sachse kann sich noch genau daran erinnern, als er vor 43 Jahren als DJ angefangen hat. „Ich musste damals vor einer Prüfungskommission vorspielen.“ Um als „Schallplatten-Unterhalter“ in der DDR arbeiten zu können, wurde er nach dieser Prüfung in eine Leistungsstufe eingeordnet. „Danach richtete sich die Gage, für die man arbeiten durfte.“ Einige seiner „Kronjuwelen“ oder „Heiligtümer“, wie Andreas Schmutzler seine letzten Schallplatten liebevoll nennt, hat der 56-Jährige in seinem Schrank verwahrt, um sie zu schonen. „Es war zu schade, sie auf dem Flohmarkt zu verhökern.“ Viel zu schwer sei man damals in der DDR an diese Raritäten gekommen.

Andreas Schmutzler ist Discjockey mit Leib und Seele. Quelle: Uminski

Jedes Jahr am dritten Samstag im April

Und wenn man das Glück hatte, eine zu bekommen, ging der Brücker damit sehr sorgsam um. „Schallplatten haben eine begrenzte Lebensdauer.“ Daher habe er sie auf Magnetbänder überspielt, statt sich die Schallplatten anzuhören. „Wenn man die zu oft abgespielt hat, kamen Knistergeräusche drauf.“ Besonders stolz ist Andreas Schmutzler auf eine Platte von der Band Creedence Clearwater Revival (CCR). Über diese „lang ersehnte“ Schallplatte war der gelernte Elektrofacharbeiter für Funktechnik besonders glücklich, weil man diese sehr selten bekam. „Ein Leben ohne Schallplatten hätte ich mir nicht vorstellen können“, sagt der DJ – auch wenn er die schwarzen Platten nur noch selten aus seinem Schrank holt, denn für seine Arbeit als DJ verwendet Andreas Schmutzler heute einen Laptop und digitale Dateien.

Record Store Day ist wichtiger als Weihnachten

In den USA wurde der Record Store Day 2007 von Ladenbesitzern und Angestellten wie Michael Kurtz ins Leben gerufen.

Die überregional erscheinende Tageszeitung „L.A.Times“ schrieb 2011, dass der Record Store Day wichtiger als Weihnachten sei.

Im deutschsprachigen Raum nahmen 2015 über 200 unabhängige Plattenläden an diesem Tag teil. Auch in diesem Jahr werden es wieder tausende unabhängige Plattenläden sein.

Der Record Store Day findet am dritten Samstag im April statt. An diesem einen Tag bieten die unabhängigen Plattenläden ihren Kunden besonders hochwertige und seltene Musikveröffentlichungen, Events und Gigs an.

Laut dem Bundesverband Musikindustrie ist die Schallplatte schon seit Jahren wieder auf dem Vormarsch. 2014 seien rund 1,8 Millionen Platten für 38 Millionen Euro verkauft worden, so viele wie seit 1992 nicht.

Bei Celebrate Records in Stollberg (Sachsen) etwa stellen rund 40 Mitarbeiter mehr als 2 Millionen Platten jährlich her. Etwa 70 Prozent davon gehen in den Export.

Mehr zum Record Store Day in Deutschland unter www.recordstoredaygermany.de

„Schallplatten sind mein Leben“, sagt Andreas Kohl aus Borkheide, der eine eigene Schallplattenfirma besitzt und als Manager für den weltweit größten Schallplattenhersteller arbeitet. An seine erste Schallplatte kann sich der Borkheider genau erinnern. „Das war 1983, da war ich in der vierten Klasse und habe mir die Schallplatte ,Hitparade der Schlümpfe’ gekauft.“ Seine zweite, „bewusst gekaufte“ Platte holte sich Andreas Kohl am 10. November 1989. „Nachdem ich mein Begrüßungsgeld bekommen habe, kaufte ich mir in Berlin die Platte ,heavier than thou’ von Saint Vitus“, erinnert sich der 44-Jährige.

Andreas Kohl liebt Schallplatten. Er hat fast 10000 davon in seinen Regalen. Quelle: Uminski

„Schallplatten sind mein Leben“

Diese zwei Schallplatten markierten den Beginn einer großen Leidenschaft des Schallplattenexperten. Mittlerweile beläuft sich die Sammlung des gebürtigen Dessauers auf fast 10 000 Platten. „Genau weiß ich es nicht – ich habe sie nie gezählt.“ Unter all den Schätzen befindet sich die Lieblingsschallplatte von Andreas Kohl. „Von Led Zeppelin die Platte drei.“ Das sei die beste Platte, die aufgenommen wurde, sagt der Schallplattenkenner. „Auf dieser Platte ist jeder Song ein absoluter Hit.“ Dass man der Vinylscheibe am heutigen Tag so viel Aufmerksamkeit schenkt, freue den Borkheider. „Schallplatte ist das älteste Medium für Schall – alles begann mit der Schallplatte und es ist schön, dass es wieder dahin zurückgeht.“

Von Johanna Uminski

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