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Potsdam-Mittelmark Wenn die Malerei der Hauptlebensinhalt ist
Lokales Potsdam-Mittelmark Wenn die Malerei der Hauptlebensinhalt ist
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20:43 25.08.2016
Thomas Kahlau malt im Atelier seines Caputher Wohnhauses. Quelle: Luise Fröhlich
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Caputh

Für Thomas Kahlau (55) aus Caputh ist das Malen ein Stück Lebensbewältigung, ein glückseliges Ereignis. Im Alter von 15 Jahren hatte er einen folgenschweren Unfall, der zur Lähmung seiner Arme und Beine führte. Vor 30 Jahren begann er mit der Mundmalerei und wird am Sonntag 28. August im Heimathaus Caputh an der Kunsttour beteiligt sein.

Herr Kahlau, Sie waren als Mundmaler schon oft an der Caputher Kunsttour beteiligt. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?

Thomas Kahlau: Es ist die Art und Weise der Präsentation. Man ist in diesem kleineren Rahmen direkt bei den Künstlern vor Ort und meist dort, wo ihre Werke entstehen. Spannend ist der Austausch mit den Menschen und dass die Künstler ihre Geschichten zu den Werken erzählen können. Dadurch entsteht eine ganz andere Beziehung zu den Bildern. Viele Sachen sind so wie meine hier in Caputh entstanden. Dadurch dass wir alle andere Stilrichtungen haben, kommt am Ende eine gute Mischung raus.

Welche Stilrichtung würden Sie Ihren Bilder zuordnen?

Kahlau: Ich habe schon immer gerne naturalistisch gemalt, zwischen Expressionismus und Impressionismus. Mal wird es ein bisschen farbiger und mal etwas düsterer. Das kommt ganz auf die Stimmung an. Die Natur inspiriert mich einfach und die Motive halte ich mit einem Fotoapparat oder anhand von Notizen in meinen Gedanken fest.

Haben Sie sich die Malerei selbst beigebracht?

Kahlau: Größtenteils ja. Ich hatte aber auch viele Lehrer, angefangen bei einer Kunsterzieherin und einem freischaffenden Künstler, bis hin zu meinem Mentor. Das meiste habe ich mir im Selbststudium mit Büchern autodidaktisch beigebracht. Es braucht viel Zeit und Geduld, bis man das Malen mit dem Mund gut beherrscht und die nötige Lockerheit hat. Beim ersten Mal würde Ihnen nach zehn Minuten alles weh tun, weil die entsprechenden Muskeln erstmal trainiert werden müssen.

„Weidenköpfe am Weg“ Quelle: Kunsttour Caputh

Was brauchen Sie zum Malen?

Kahlau: Meine Pinsel sind ganz normale handelsübliche, die über ein Rohr an einem Mundstück befestigt werden. Beim Mundmalen können die Zähne sehr leiden, weil das ja keine natürliche Belastung ist. Angefangen habe ich mit einer Zigarettenspitze und habe meine eigene Technik so weiter entwickelt, dass ich jetzt ein sehr breites Mundstück brauche. Aber auch ohne die Hilfe meiner persönlichen Assistenten von der Arbeitsgemeinschaft „Spina Bifida und Hydrocephalus“ könnte ich nicht malen. Da ich meine Arme nicht bewegen kann, müssen sie mir die Farbe auf die Paletten geben oder die Staffelei vorbereiten.

Haben Sie sich denn schon immer fürs Malen interessiert oder kam das erst nach ihrem Unfall und der Lähmung?

Kahlau: Ich war im Kunstunterricht immer ganz gut. Nach dem Unfall war es dann mehr ein Hobby, eine Beschäftigungstherapie. Ich habe mich zuerst in Sprachen ausprobiert, habe Japanisch gelernt und eine Zeit lang Texte für einen Fremdsprachendienst übersetzt. Nach der Wende lief das aus und ich konnte mich mehr der Malerei widmen. Man malt eigentlich nur mit dem Mund, wenn man es wirklich muss, weil es anfangs sehr schwierig ist. Aber es hat auch Vorteile, denn der Weg von dem Ort, wo die Idee entsteht, zum Mund ist kürzer als der Weg zur Hand.

Welche Bedeutung hat die Malerei in Ihrem Leben?

Kahlau: Die Malerei ist mein Hauptlebensinhalt, weil ich mich in ihr ausleben kann. Durch meine Behinderung bin ich in meiner Bewegung sehr eingeschränkt. Mit dem Pinsel Bewegung in meine Bilder zu bringen, gibt mir das Gefühl, lebendig zu sein.

Gibt es Bilder, die Ihnen besonders am Herz liegen?

Kahlau: Ja, an meinen Schlüsselbildern hänge ich schon, aber sie sind alle verkäuflich und ich bin auch niemand, der sich seine eigenen Bilder ins Haus hängt. Alle könnte ich außerdem gar nicht behalten, weil ich schon mehr als 1000 Bilder gemalt habe. Das Bild hat in dem Moment des Erschaffens für mich den größten Wert. Ich mag es, meine Heimat und die Natur abzubilden. Die Natur war schon immer sehr wichtig und inspirierend für mich.

Kämpfernatur

Thomas Kahlau kam 1961 in Potsdam zur Welt. Seine ersten Malversuche mit dem Mund unternahm er zehn Jahre nach seinem schweren Unfall im Alter von 15 Jahren. Zeichenunterricht bekam er von dem Maler Hans Weiß und Herbert Sander, Maler und Grafiker, stand ihm beratend zur Seite.

Von 1986 bis 1992 erhielt Kahlau ein Stipendiat der Vereinigung der Mund- und Fußmalenden Künstler in aller Welt (VDMFK). Parallel schrieb er eine Autobiografie namens „Die Kraft in mir“, die 1992 erschien. Vor acht Jahren kam eine überarbeitete Neuauflage auf den Markt. Seit 1995 ist der Mundmaler Mitglied in der VDMFK.

2000
verlieh ihm der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz für seine Lebenseinstellung, mit der er vielen anderen Betroffenen Mut machen konnte.

Von Luise Fröhlich

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