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Werder (Havel) Winzerfest: Dem Wein sind 28 Grad genug
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Winzerfest: Dem Wein sind 28 Grad genug
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19:53 29.07.2018
Das gibt eine frühe Lese: Weinbauer Manfred Lindicke und Kerstin Otto, Vorsitzende des Vereins zur Förderung des historischen Weinbaus im Raum Werder. Quelle: Jens Steglich
Werder

Sind wir hier in der Toskana oder auf dem Werderaner Wachtelberg? Selbst wenn der Winzerfest-Besucher am Samstag ohne einen Schluck Rebensaft den Weinberg in der Havelstadt erklommen hat, konnten die Bilder aus dem Italien-Urlaub und jene vom heimischen Weinbaugebiet leicht verschwimmen, so sehr ähnelten sie sich: Grüne Weinhänge vor blauem Himmel, eine glühende Sonne und Menschen, die im Schatten ein Glas Wein genießen – Ansichtskarten aus den südeuropäischen Wein-Hochburgen sehen nicht anders aus.

Bereits zum 17. Mal hatte der Verein zur Förderung des historischen Weinbaus im Raum Werder die Freunde des Rebensaftes aus Nah und Fern auf den Berg gerufen, um Winzerfest zu feiern. Das Wetter ist in diesen Tagen auch auf dem Wachtelberg ein Thema. Weinbauer Manfred Lindicke muss seine Rebstöcke dieses Jahr wässern, damit sie nicht schlapp machen. Und die Lese muss zwei bis drei Wochen früher beginnen als üblich. Lindicke schätzt, dass die Weinernte bereits um den 25. oder 28. August beginnt. Normalerweise startet die Lese an Werders bekanntesten Weinberg erst Mitte September.

Majestäten im Weinberg: Glindows Kirschkönigin Melanie Mach, Weingott Bacchus, der mit bürgerlichen Namen Michael Großwendt heißt, und Werders Baumblütenkönigin Peggy Sinning. Quelle: Jens Steglich

Was aber wird das wohl für ein Wein werden, wenn der Sommer schon im April begann und die Sonne auf die Hänge scheint, als würden diese in Italien oder Spanien liegen? Nein, auch der Jahrgang 2018 aus Werder wird keiner sein, der Weinen aus Umbrien oder der Toskana ähnelt. „Warum sollten wir hier mediterrane Weine anbauen, die es genug in Südeuropa gibt“, fragt Kerstin Otto zurück, die Vorsitzende des Fördervereins. Es gehe darum, einen eigenen Weinstil für die Region zu finden. Der Werderaner Wein ist mild, fruchtig, säurearm, frisch und filigran, sagt Lindicke, der die Lese früher starten will, um die Geschmacksnoten nicht zu gefährden. Der höhere Zuckergehalt, den die Trauben wegen der vielen Sonnenstunden haben, soll in Prozente umgewandelt werden. „Wir werden wohl einen alkoholreicheren Wein bekommen.“

Auf 6,2 Hektar wächst am Werderaner Wachtelberg Wein. Quelle: Jens Steglich

Mehr Prognosen will Lindicke nicht wagen, weil bis zur Ernte noch viel geschehen kann. „Entscheidend ist, was drei bis vier Wochen vor der Lese passiert“, sagt er. „Wenn es dann regnet, haben wir ein Problem.“ Regen kurz vor der Lese würde die Trauben platzen und faulen lassen. Aktuell wünscht sich der Winzer einige Regenschauer. Nur Hagel und Unwetter dürfe es nicht geben. Die Hitze fällt für Lindicke unter die Kategorie Wetterextreme. Das Problem für die Weinstöcke ist, dass sie bei Temperaturen über 28 Grad den Nährstofftransport aus den Wurzeln hoch zu den Beeren einstellen, erklärt Lindicke. Die Weinpflanze hat dafür einen guten Grund: „Sie will überleben.“

Vom Aussichtsturm haben Besucher einen guten Blick über den Weinberg bis hinunter zur Havel. Quelle: Jens Steglich

Dank der Wässerung sehen Reben und Trauben auf dem 6,2 Hektar großen Weinberg noch gut aus. Insgesamt bewirtschaftet Lindicke 7,6 Hektar – am Galgenberg stehen auf etwa 1,4 Hektar weitere Weinstöcke. Geerntet werden jährlich 60 und 70 Tonnen, in guten Jahren auch 80 Tonnen, sagt er. Das ergibt maximal 80 000 Flaschen im Jahr, die zu zwei Drittel mit Weiß- und zu ein Drittel mit Rotwein abgefüllt werden. Die Weinberge der Blütenstadt gehören zur Weinregion Saale-Unstrut, dem „nördlichsten Anbaugebiet für Qualitätswein“, so der offizielle Bezeichnung. Der Titel ist eine „weingesetzliche Entscheidung“. In Deutschland sollen es laut Lindicke nicht mehr als 100 000 Hektar Reben sein, damit keine Überproduktion entsteht und die Weinbauern überleben können. Jene, die weiter oben im Norden mit dem Weinbau begonnen haben, dürfen den Titel „Qualitätswein“ nicht benutzen.

Winzer Josef Rabold aus der Pfalz ist seit fünf Jahren Stammgast beim Werderaner Winzerfest und hatte dieses Jahr 15 Weinsorten aus der Heimat mitgebracht. Quelle: Jens Steglich

Dieses Problem hat Winzer Josef Rabold nicht. Er ist Besitzer eines Weingutes in Burrweiler in Rheinland-Pfalz und seit fünf Jahren Stammgast beim Winzerfest. 15 Weinsorten aus der Heimat hat er mitgebracht, um die Vielfalt der Pfalz zu zeigen. „Ich finde es toll, dass die traditionelle Anlage hier wieder aufgerebt wurde“, sagt er und fügt hinzu: „Wer hätte gedacht, dass es in Werder an der Havel einen Weinberg gibt.“ Wie es zur Wiederbelebung der Tradition kam, schildert Lindicke, der von Haus aus Obstbauer ist, so: Werner Große, damals Bürgermeister der Stadt, fragte ihn, ob er bei der Rekonstruktion des Weinbergs helfen könne. „Da habe ich leichtsinniger Weise ja gesagt.“ Seit 22 Jahren ist Lindicke nun Werders Weinbauer.

Gäste aus Bernburg (Sachsen-Anhalt), „dem heißesten Ort Europas“, wie sie sagten. Sie besuchten das erste Mal das Werderaner Winzerfest, kennen die Region aber schon länger: Sie machen seit den 1980er Jahren regelmäßig Urlaub in ihrem Bungalow in der Kolonie Zern. Quelle: Jens

Südeuropäische Weinpflanzen sind auf dem Wachtelberg übrigens auch zu finden: Auf dem Lehrpfad, wo sich der Besucher 150 Sorten anschauen kann. Wer sich über die Rosen wundert, die an der Spitze der Weinreihen wachsen, dem sei gesagt: Das sind Zeige-Rosen. Man könnte sie auch die Alarmmelder des Weinbergs nennen. Schädlinge, die dem Wein gefährlich werden können, sind zuerst an den Rosen zu sehen.

Von Jens Steglich

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