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Werder (Havel) Amerikaner forschten zu Kriegsvermisstem am Glindower See
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Amerikaner forschten zu Kriegsvermisstem am Glindower See
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05:40 08.08.2018
Ein Mitglied des Untersuchungsteams der DPAA gräbt an einer Absturzstelle in Russland. Quelle: Laurent Gramley/DPAA
Werder

Die Amerikaner folgen einem Prinzip: Keiner wird zurückgelassen. Das ist der Grund, warum sie auf der ganzen Welt noch immer nach ihren vermissten Soldaten, zum Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg suchen. Kürzlich war ein Team in Werder zu Gast und sah sich unter anderem die Absturzstelle des am 6. März 1944 über dem Glindower See verunglückten Bombers B-24 mit dem Namen „Ford’s Folly“ an. Konkret geht es der amerikanischen Behörde für Vermisstensuche und Kriegsgefangenenwesen (DPAA) um ein Mitglied der zehnköpfigen Crew, wie Sprecher Rengert Elburg der MAZ erklärte. „Der Besuch war lohnenswert“, sagte er. Denn die Delegation traf in der Blütenstadt auf Klaus-Peter Meißner, der im April ein Buch über den Bomber-Absturz und Anekdoten rund um den geborgenen Motor, die Besatzung und deren Nachfahren veröffentlicht hatte.

Zum Ergebnis der Untersuchungen kann Rengert Elburg keine Details nennen, aus Rücksicht auf die betroffenen Angehörigen. „Da dürfen wir keine falschen Hoffnungen wecken“, erklärt er. Das Team hat sich Anfang Juni in ganz Brandenburg über drei Wochen insgesamt fünf Absturzstellen angesehen. An jeder Stelle arbeitet die Delegation in der Regel fünf bis sieben Tage. Unter der Wasseroberfläche des Glindower Sees habe die Behörde nicht suchen lassen, sagt Rengert Elburg, denn es sei nicht klar, ob sich dort wirklich noch Überreste finden lassen. „Sie haben sich vor Ort umgeschaut, waren auf Friedhöfen und haben sich Unterlagen aus dem Krieg angesehen“, berichtet der Sprecher, der die Reisen der Teams organisiert und vor Ort Kontakte knüpft.

Buch war den Amerikanern noch nicht bekannt

So war es auch in Werder. Rengert Elburg meldete den geplanten Besuch zunächst im Rathaus an. Die Bürgermeisterin zögerte nicht lange und leitete die Anfrage gleich an den Historiker Klaus-Peter Meißner weiter. Vor Ort kamen sie zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem Untersuchungsteam zusammen. „Ich konnte in dem speziellen Fall zwar nicht helfen, da ich mich ja für das Buch vorrangig um die Überlebenden bemüht habe. Ich habe aber Zeitzeugen kontaktiert, die wertvolle Informationen liefern konnten“, erzählt Klaus-Peter Meißner. Mit der amerikanischen Behörde stehe er weiter in Kontakt und wolle noch Material nachliefern.

„Viele Dinge aus dem Buch waren uns noch nicht bekannt. Einige Hinweise werden definitiv in unsere Nachforschungen einfließen“, sagt Rengert Elburg. Teil des Gesprächs war zum Beispiel ein Grabkreuz auf dem Petzower Friedhof, das verschollen ist. Es trug die Aufschrift „März 1944 – Hier ruhen drei Amerikanische Flieger“. Die dort verscharrten Soldaten sind inzwischen umgebettet worden. Der Potsdamer Helmut Schöll hatte das Holzkreuz im Mai 1976 in Petzow fotografiert und das Bild für Meißners Buch zur Verfügung gestellt. Die Delegation hat ein Exemplar der Veröffentlichung mitgenommen.

Beispiel für erfolgreiche Suche

Die aktive Suche nach vermissten amerikanischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg war eigentlich 1951 abgeschlossen. Nach dem Vietnamkrieg habe die Doktrin, Vermisste nach Amerika zurückzuholen, wieder an Bedeutung gewonnen, so Elburg. 2010 wurde die aktive Suche nach Vermissten aus vergangenen Kriegen wieder aufgenommen. Vorige Woche gab es ein Beispiel für eine erfolgreiche Suche und Überführung von Überresten im Koreakrieg gefallener Soldaten nach Amerika. Vize-Präsident Mike Pence hatte bei einer Gedenkfeier in Hawaii 55 mit der Flagge geschmückte Särge in Empfang genommen.

Je mehr Zeit vergeht, umso schwieriger sei die Suche: „Zeitzeugen sterben, Absturzstellen werden überbaut oder liegen auf landwirtschaftlich genutzten Feldern“, erklärt Rengert Elburg. Zwischen Werder, Potsdam und Brandenburg/Havel befinden sich sieben Absturzstellen. Nur die im Glindower See ist mit der Suche nach einem Vermissten behaftet.

Kein Interesse an „Kriegsschrott“

Die DPAA ist eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums, spezialisiert auf die Suche nach Kriegsvermissten. Etwa 16 Millionen amerikanische Soldaten waren im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Mehr als 400.000 starben.

Mehr als 72.000 amerikanische Soldaten gelten heute infolge des Weltkriegs noch immer als vermisst.

In ganz Deutschland hat die DPAA rund 5500 Absturzstellen registriert. Etwa 500 davon stehen mit der Suche nach Vermissten in Verbindung.

Sprecher Rengert Elburg erzählt, dass oft Menschen anrufen und von einem gefundenen Teil eines US-Flugzeugwracks berichten. Das allein helfe der Behörde nicht weiter. „Wir sind nicht an Kriegsschrott interessiert“, sagt er. Nur wenn ein Angehöriger des Militärs damit zusammenhängt, wird die Behörde aktiv.

Ein Büro der DPAA befindet sich in Bruchmühlbach-Miesau (Rheinland-Pfalz). Von dort aus organisiert Rengert Elburg die Einsätze der Teams. Vor der Suche vor Ort wird in Archiven recherchiert.

Von Luise Fröhlich

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