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Werder (Havel) Flüchtlingsheim soll erst im Oktober eröffnen
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Flüchtlingsheim soll erst im Oktober eröffnen
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21:10 06.08.2018
Das ehemalige Lehrlingsheim auf dem Gelände des Oberstufenzentrums ist jetzt saniert. Dort könnten bis zu 240 Asylbewerber einziehen.  Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Der Einzug der Asylbewerber, Aussiedler und Flüchtlinge im sanierten Lehrlingsheim auf der Jugendhöhe in Werder verzögert sich. Wie der Landkreis Potsdam-Mittelmark auf MAZ-Anfrage mitteilte, soll die Gemeinschaftsunterkunft nicht vor dem 1. Oktober in Betrieb gehen. Zuletzt wurde der 1. September als möglicher Einzugstermin genannt. Wie viele Menschen genau nach Werder kommen sollen, steht nach wie vor nicht fest, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Offene Fragen plagen nicht nur die direkten Nachbarn im Viertel, sondern auch die Stadtverwaltung. Vorige Woche habe der 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) lediglich von dem neuen Termin und einer Einwohnerversammlung erfahren. Wesentliche Fragen, die bereits im Mai gestellt wurden, seien bis jetzt unbeantwortet geblieben.

Am 11. September soll die Informationsveranstaltung stattfinden. Diese Nachricht traf im Werderaner Rathaus einen Tag nach der MAZ-Anfrage bei der Kreisverwaltung ein. Um die Organisation soll sich die Stadt kümmern, so sei es üblich, erklärte der Kreissprecher. Langsam mangelt es in Werder immer mehr an Vertrauen, denn auch die Maximalkapazität von 240 Plätzen in der Unterkunft sei neu für sie gewesen. „Bereits seit Juni werden der Presse vom Landkreis Informationen zum in Werder geplanten Flüchtlingsheim zugespielt, die uns nicht vorliegen“, sagt Christian Große. Wie ein MAZ-Leser aus Werder schrieb, ist in der Bevölkerung zum Teil der Eindruck entstanden, die Informationen würden absichtlich zurückgehalten, um mögliche Kritik der Anwohner zu verhindern und das Projekt heimlich über die Bühne zu bringen.

Sicherheitskonferenz soll grundsätzliche Fragen klären

Der Kreis hält indes weiter daran fest, die Stadt bereits vor längerer Zeit über die Absicht informiert zu haben, im ehemaligen Lehrlingswohnheim eine Gemeinschaftsunterkunft einrichten zu wollen, sagt Kai-Uwe Schwinzert. Der Eigentümer der Unterkunft hat das Haus auf dem Gelände des Oberstufenzentrums in der Schubertstraße inzwischen soweit fertig gestellt, dass der Landkreis es mieten kann. Weiterhin ist geplant, dort vorrangig Familien unterzubringen.

Die künftige Gemeinschaftsunterkunft liegt auf dem Schulgelände des Oberstufenzentrums. Quelle: Luise Fröhlich

Wie in jeder anderen durch den Landkreis betriebenen Unterkunft werde es auch in Werder einen durchgängigen Wachschutz geben. „Grundsätzliche Fragen werden in einer Sicherheitskonferenz erörtert, die vor dem Beginn der Unterbringung einberufen wird“, erklärte der Kreissprecher. Auch darüber war der Stadt Werder bislang nichts bekannt. Die Ausschreibungen für die soziale Betreuung und die unterbringungsnahe Migrationsarbeit laufen derzeit noch, sollen aber in Kürze abgeschlossen sein, heißt es aus der Verwaltung in Bad Belzig weiter. Erst daraufhin könnten Details zur Belegung bekannt gegeben werden. „Dann sind Abstimmungen zwischen den Verwaltungen und dem Träger der sozialen Betreuung sinnvoll und erwünscht“, sagte Kai-Uwe Schwinzert. Die Erfahrung zeige, dass die Situation im Umfeld der Übergangswohnheime oftmals reibungsloser ablaufen als im Vorhinein angenommen.

Vorgespräche mit Schule und Polizei

Bewohner der Jugendhöhe sehen den Standort kritisch. Sie haben Angst vor Übergriffen. „Die Kinder der Grundschule müssen auf ihrem Weg zum Hort einen Weg direkt an der Unterkunft passieren“, schreibt der Leser in seiner Mail. Das Unbehagen sei groß. Die Integration werde ohne Informationen nicht funktionieren. Helfen soll dabei das Zuwanderungs- und Unterbringungskonzept des Kreises, sagt Kai-Uwe Schwinzert. Mit Blick auf zusätzliches Personal und Sozialarbeiter hat die Stadt außerdem mit der benachbarten Karl-Hagemeister-Grundschule Vorgespräche geführt. Diese sollen bei einer Vorbereitungswoche fortgesetzt werden. Auch mit der Polizei gab es erste Abstimmungen. „Wie sich bereits zeigte, wird es schwierig, ohne die erforderlichen Kennzahlen des Landkreises, zum Beispiel zur Zahl der Kinder, den Platz- und Personalaufwand einzuschätzen“, so Christian Große. Je näher der tatsächliche Einzugstermin rückt, desto schwieriger dürfte es zudem werden, qualifiziertes Personal zu finden.

Wie berichtet, soll der Personalschlüssel für die Heimkoordination bei 1:120 und bei der sozialen Betreuung bei 1:80 liegen.

Viele offene Fragen bei den Anwohnern

Wie viele Menschen letztlich in dem Heim leben werden, hängt von der Zusammensetzung der Familienstrukturen und der daraus möglichen Wohnbelegung ab.

Die Familien sollen aus Übergangswohnheimen des Kreises kommen, die bestehen oder geschlossen werden sollen. In dem Gebäude wird es eigene Wohnungen geben.

Die Anwohner fragen sich zum Beispiel, wie die Geflüchteten integriert werden sollen, wenn sie zusammen in einem Wohnblock auf einem Schulgelände leben. Sie fragen nach Standortalternativen, wer ihre neuen Nachbarn sein werden und warum sie bis jetzt kein Mitspracherecht hatten.

Von Luise Fröhlich

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