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Werder (Havel) Mediterrane Oase am tristen Bahnhof
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Mediterrane Oase am tristen Bahnhof
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08:09 14.07.2018
Andreas Fraedrich hat unter anderem eine Zitronenplantage auf der gepachteten Fläche am Bahnhof angelegt. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Im Tageslicht ist die „Königin der Nacht“ alles andere als eine Augenweide. Wild wuchern die Triebe des Kaktus ineinander, klettern in die Höhe und bilden ein Geflecht, das die Pflanze grässlich aussehen lässt. Alle paar Jahre aber entfaltet sie ihre ganze Schönheit und blüht vom späten Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden. Andreas Fraedrich hat vor zwei Jahren ein solches Exemplar von einem Sammler ergattert und kann derzeit zusehen, wie eine Knospe nach der anderen aufbricht. Seine rot-weiß-blühende „Königin der Nacht“ steht im Kakteengarten, den der 49-jährige Berliner auf einer Fläche direkt am Bahnsteig in Werder angelegt hat. Zwischen dem Restaurant und dem denkmalgeschützten alten Klohäuschen hat der gelernte Landschaftsgärtner eine Oase am sonst so trostlosen Bahnhof erschaffen.

Die Blüte der „Königin der Nacht“ ist prächtig. Quelle: Privat

„Werder nennt sich ,Blütenstadt’ und ich denke, dass der Bahnhof ein Ort sein sollte, der das wieder spiegelt“, sagt Andreas Fraedrich. Vom Eigentümer Werder-Feinkost hat er die einstige Brache im Frühjahr gepachtet und sie in eine mediterrane Gartenwelt verwandelt. Neben der Kakteenecke gibt es eine Zitronenplantage nebst Kanarischen Dattelpalmen und einer Fläche, die sich Lorbeer und Myrte teilen. Auf einem Testfeld pflanzte er kanarische Kartoffeln an, die dezent lilafarben blühen.

Noch ist das kleine Paradies nur durch den Bauzaun zu bewundern, der die Anlage vor Vandalismus schützen soll. Zum Baumblütenfest wollte Andreas Fraedrich seinen kleinen Garten für Besucher öffnen. „Das hat das Sicherheitskonzept des Festes aber leider nicht zugelassen“, erklärt er. Ob das Gelände jemals zugänglich sein wird, ist derzeit noch offen. Ein Blick durch und über den Zaun lohnt sich allemal

Winterlager gesucht

Während sich die Pflanzen dank des Werderaner Mikroklimas wohler fühlen denn je, denkt Andreas Fraedrich bereits an den Winter. „Alles, was hier steht, muss eingewintert werden“, sagt der Mann, der hauptberuflich Pflanzenkonzepte erstellt und große Veranstaltungen wie die Messe in Leipzig ausstattet.

Am Werderaner Bahnhof grünt’s. Quelle: Luise Fröhlich

Das erfordert nicht nur eine funktionierende Logistik, sondern vor allem Platz. Deshalb sucht er eine idealerweise hohe beheizte Halle. Für eine langfristige Lösung zur Lagerung der Pflanzen über die kalte Jahreszeit will sich Andreas Fraedrich bei Gärtnereien oder anderen Unternehmern in Werder umhören. Er sehe auch Potenzial für weitere Projekte in der Zukunft.

In Berlin entwickelt er unter anderem Urban-Gardening-Projekte. Ein bekanntes Beispiel für diese Art des Gärtners ist der Prinzessinnengarten am Moritzplatz. Seit vielen Jahren bewirtschaften Anwohner dort ein Stück Land inmitten der Stadt. Die Pflanzen befinden sich in recycelten Bäckerkisten, Tetra Packs und Reissäcken. Dadurch ist der Garten jederzeit mobil. Die Idee der Gestaltung einer Brachfläche passe gut zu dem Stück zwischen Restaurant und Klohäuschen am Bahnsteig, so Andreas Fraedrich. „Ich wollte schon immer ein Projekt am Bahnhof machen und habe länger nach einer Location gesucht“, sagt er.

Interesse am Garten ist groß

In Berlin falle es immer schwerer, Flächen mit guter Verkehranbindung zu finden. In Werder lasse sich seine Idee gut verwirklichen. Zunächst hatte er mit dem ehemaligen Blumenladen in der Schalterhalle geliebäugelt, den die vorherigen Inhaber aufgeben mussten. Dann entdeckte er die ausgeschriebene Fläche mit dem historischen Toilettenhaus, das er als derzeit als Lagerraum benutzt.

Die „Königin der Nacht“ (links hinten) steht auf der Kakteenfläche in guter Gesellschaft. Quelle: Luise Fröhlich

Er habe den Eindruck, dass der Werderaner Bahnhof und sein direktes Umfeld stiefmütterlich behandelt werden. In anderen Ländern wie Korea oder Japan zum Beispiel würden Bahnhöfe besonders zur Kirschblütenzeit wesentlich hübscher aussehen. Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) betonte in der Vergangenheit mehrmals, dass das Bahnhofsgebäude in privater Hand ist und die Stadt keinen Einfluss auf die Gestaltung hat. Das gilt für etliche Bahnhöfe im Land Brandenburg, die von der Deutschen Bahn verkauft wurden. In Werder passierte das vor neun Jahren.

Bei den Reisenden komme Andreas Fraedrichs Projekt gut an: „Die Leute sprechen mich hier oft an und fragen.“ Perspektivisch könnte die Fläche zu einem Ort werden, an dem der Landschaftsgärtner seinen Kunden Konzepte vorstellen und Pflanzen zeigen kann, die er vermietet. Vor drei Jahren ist er hauptberuflich in die Branche gewechselt, hatte sich vorher nur nebenberuflich mit Pflanzen befasst. Das Gärtnern steckt in seiner Familie: Schon die Großmutter war Gärtnerin. „Ich habe damals in West-Berlin viel von großen Pflanzen- und Baumprojekten mitgenommen, wie von der Buga in Britz“, erzählt Andreas Fraedrich.

Von Luise Fröhlich

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