Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Werder (Havel) Betrüger manipulierten Auto beim Verkauf
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Betrüger manipulierten Auto beim Verkauf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 12.02.2019
Ein Werderaner hat schlechte Erfahrungen beim Autoverkauf über das Internet gemacht. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Werder

Fast hätte Hendrik Scholz beim Verkauf seines Firmenwagens rund 17 000 Euro verloren. Der bekannte Werderaner Unternehmer, der unter anderem das Event „Rock in Church“ veranstaltet, witterte den Betrug im letzten Moment und ließ den Interessenten abblitzen. Mit großem Aufwand hatte dieser gemeinsam mit einem Komplizen versucht, den Preis für den gebrauchten Audi S7 zu drücken. Die Betrüger gingen sogar so weit, den Wagen zu manipulieren. Hendrik Scholz kam mit dem Schrecken davon, will aber vor der Masche warnen. „Leute sollten wirklich wachsam sein, wenn sie ihr Auto privat verkaufen“, sagt der 63-Jährige.

Hendrik Scholz veranstaltet unter anderem das Event „Rock in Church“. Quelle: Anne Knappe

Alles begann damit, dass Hendrik Scholz seinen sechs Jahre alten Audi S7 auf einem Internetportal angeboten hat. „Es gab ungefähr zehn Anfragen, darunter war einer aus der Slowakei, der sehr gut Deutsch sprach und das Auto über seine Firma kaufen wollte“, erklärt der Werderaner. Er ließ sich vom Finanzamt bestätigen, dass diese Firma wirklich existiert und sagte dem Interessenten das Auto zu. Hendrik Scholz schickte ihm eine Rechnung, die Bezahlung sollte in Bar bei Übergabe des Wagens erfolgen. Plötzlich teilte der potenzielle Käufer aber mit, er wolle eine Spedition schicken und nicht selbst nach Werder kommen. Damit war Hendrik Scholz wiederum nicht einverstanden. Das Treffen fand auf Nachfrage des Interessenten letztlich in Kassel statt, wo Hendrik Scholz ursprünglich seine Firma gegründet hatte und noch immer eine Geschäftsstelle betreibt. Die beiden trafen sich in der Stadt Baunatal nahe Kassel. „Es war mitten in der Stadt auf einem Parkplatz, ich habe mir nichts dabei gedacht“, sagt Hendrik Scholz.

Glindower Werkstatt erkannte den Betrugsversuch

Komisch kam ihm allerdings vor, dass er das Auto unbedingt vorwärts einparken sollte und der Käufer keine Probefahrt machen wollte. Anschließend lockte er den Werderaner weg vom Auto, in ein Café. Die Männer verhandelten über den Preis und erledigten die Geldübergabe schließlich bei der Bank. Zurück beim Audi wollte der Käufer plötzlich doch eine Probefahrt machen und setzte sich ans Steuer. „Der Motor machte genau eine Umdrehung und starb ab. Der Typ schob die Schuld darauf, dass ich zu schnell gefahren wäre, aber ich hatte das Auto erst kurz vorher zur Inspektion im Audizentrum“, erzählt Hendrik Scholz. Wie sich herausstellte, hatte offenbar ein Komplize des Interessenten die Motorhaube geöffnet und frisches Öl in den Kühlkreislauf sowie Wasser in den Ölbehälter gekippt. Zahlen wollte der Käufer noch, aber nur noch 15 000 Euro und damit die Hälfte des eigentlich vereinbarten Preises.

Hendrik Scholz überlegte in dem Moment der Überraschung kurz, das Angebot anzunehmen, rief dann aber in der Werkstatt seines Vertrauens in Glindow an. „Die erkannten den Trick sofort. Eine Baufirma hatte wohl eine ähnliche Masche erlebt“, berichtet er. Auf der Bank floss das Geld also wieder zurück an den Käufer, der den Audi weiter hartnäckig erwerben wollte. Hendrik Scholz ließ das Auto in die nächste Werkstatt schleppen und zahlte für die Motorspülung 1500 Euro. „Zum Glück war der Motor nicht kaputt“, sagt er.

Mailadresse stimmte nicht

In Baunatal ging er dann auf die Polizeiwache und gab eine Anzeige auf. „Während ich in der Wache saß, rief der Typ wieder an und wollte das Auto immer noch kaufen“, erzählt Hendrik Scholz. Er legte zunächst auf und bot dem Polizisten an, den Lockvogel für eine Konfrontation mit den Betrügern zu spielen, doch der Beamte lehnte ab. „Mit Blick auf den Opferschutz sowie die weiteren Ermittlungen versucht die Polizei grundsätzlich zu vermeiden, dass Opfer erneut in Kontakt mit den Tätern treten“, erklärt ein Polizeisprecher des Präsidiums Nordhessen auf MAZ-Nachfrage. Solche Lockvogel-Angebote würden große Risiken bergen, weshalb viel Personal gefordert wäre und der Einsatz sorgfältig geplant werden müsste.

Bei der Anzeigenaufnahme stellte sich heraus, dass die Mailadresse der angeblichen Firma in der Slowakei nicht ganz stimmte. „Die Firma hätte also gar nicht gewusst, dass ich ihr ein Auto verkauft habe“, sagt Hendrik Scholz. Das Finanzamt hätte sogar eine Nachzahlung der Umsatzsteuer fordern können. Bislang konnte die Polizei den Tatverdächtigen nicht identifizieren. Inzwischen ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft. In der Region Nordhessen seien Betrügereien bei Autokäufen zwar keine Seltenheit, die beschriebene Masche nennt der Polizeisprecher aber einen Einzelfall.

„So ein Betrug kann jedem passieren“

Auch dem Automobilclub ADAC ist ein solch organisiertes Vorgehen nicht bekannt, wie eine Nachfrage ergab. „Die Masche ist ja mit einem hohen Aufwand verbunden, da ein Dritter das Fahrzeug unbemerkt manipulieren beziehungsweise in das Fahrzeug eindringen muss“, sagte Sprecher Johannes Boos.

Den Audi hat Hendrik Scholz inzwischen verkauft, und zwar über einen Händler. Privat via Internet würde er es nicht noch einmal probieren: „So ein Betrug kann jedem passieren, auch bei günstigeren Autos.“

Nie alleine zum Kauf oder Verkauf gehen

Beim Autoverkauf empfiehlt der ADAC grundsätzlich, den zu verkaufenden Wagen nicht aus den Augen zu lassen und sich nicht allein mit Interessenten zu treffen. Das gilt vor allem bei untypischen Kaufabwicklungen, sagt Sprecher Johannes Boos.

Häufige Betrugsmaschen, beispielsweise von Kaufinteressenten aus dem Ausland, hat der ADAC auf seiner Homepage unter „Rechtsberatung“ zusammengefasst.

Von Luise Fröhlich

Laut Bedarfsplan für die Gefahrenabwehr bestehen in fast allen Werderaner Ortsteilen Defizite bei der Löschwasserversorgung. Die Stadt will deshalb ein Konzept erstellen, Brunnen reparieren und neu bauen.

12.02.2019

Der Schreck über den mutmaßlichen Mord auf einem Hinterhof in Werder ist auch drei Tage später noch nicht verdaut. Laut Staatsanwaltschaft müssen sich die Nachbarn aber nicht sorgen, dass der Tatverdächtige schnell wieder nach Hause kommt.

11.02.2019

Beim nächsten Baumblütenfest sollen zum ersten Mal in der Geschichte des Werderaner Volksfestes Jugendschutzteams zum Einsatz kommen. Damit reagieren Stadt und Kreis auf steigenden Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum.

11.02.2019