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Werder (Havel) Diskussionen um Havelauen
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Diskussionen um Havelauen
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18:36 31.05.2018
So sieht es aktuell in den Havelauen aus der Luft aus – vorne rechts im Bild die Blütentherme. Quelle: Privat, Anne Knappe
Werder

In den letzten Tagen gab es kontroverse Diskussionen, ob den Werderaner Havelauen und der Blütentherme Gefahr durch Hochwasser drohen könnte. Die MAZ hat mit drei Fachleuten gesprochen.

Sind die Häuser in den Havelauen gefährdet?

René Dölling: Nein. Dass Fundamente in unseren Breiten regelmäßig vom Grundwasser kontaktiert werden, ist ganz normal. Das weiß man vorher, deswegen macht man Baugrunduntersuchungen. Im Rahmen dieser Untersuchung wird der Hochwasserstand für das jeweilige Gebäude prognostiziert. Diese Prognose bekommt jeder Planer und konzipiert für sein Bauvorhaben die geeignete Betonwerksabdichtung, so dass das Gebäude in einer Hochwassersituation nicht feucht wird. Sollten die Fundamente nasse Füße bekommen – um es überspitzt zu sagen – lässt sich das durch eine entsprechende Betonrezeptur und Abdichtung problemlos beherrschen.

Wurde das hier gemacht?

René Dölling: Ja, davon gehe ich aus. Das obliegt dem jeweiligen Fachplaner. Bei der Blütentherme geschah es zu 100 Prozent. Da haben wir auch die Vorgabe, dass das Wasser durch die Becken nicht nach innen geraten soll. Jedes Gebäude erhält eine Abdichtung. Das ist keine Besonderheit der Havel­auen, sondern Standard. Sollte es einen Schaden geben, liegt ein Planungs- oder Ausführungsfehler zugrunde.

Die Fachleute im MAZ-Gespräch

René Dölling ist beratender Ingenieur, Baugrund-Gutachter und in den Havelauen seit Beginn an zahlreichen Baugrunduntersuchungen beteiligt.

Uwe Brühl ist Geschäftsführer der Havel­auen-Projektgesellschaft (HPG), die jetzt nach dem letzten Grundstücksverkauf wieder aufgelöst wird.

Steffen Lehmann ist Bauingenieur und seit 1991 mit der Entwicklung und Erschließung der Havelauen beschäftigt. Sein Planungsbüro ist direkt vor Ort.

Der Ingenieur Steffen Belikat, der in den Havelauen zum Hochwasser forscht, sagt, der Untergrund der Therme sei nicht untersucht worden. Was sagen Sie dazu?

Uwe Brühl: Ich habe persönlich den Eindruck, dass dies ganz gezielt behauptet wurde, um die Bürgerbewegung „Stadtmitgestalter“ zu unterstützen und das Thema Blütentherme in ein negatives Licht zu rücken.

René Dölling: Den Eindruck habe ich auch. Es gibt diverse Gutachten, die sich genau mit diesem Problem befassen. Auf deren Grundlage ist ein Gründungskonzept entworfen worden. So etwas wird weder geplant noch genehmigt, ohne dass man sich vorher darum gekümmert hat. Das ist alles passiert.

30 bis 40 Prozent der Flächen in den Havelauen seien versiegelt, so die Kritiker. Wie kann Wasser abfließen?

Steffen Lehmann: Im Wohngebiet sind nur 10 Hektar versiegelt und 40 Hektar unversiegelt. Das sind exakt nur 25 Prozent.

René Dölling: Bei versiegelten Flächen wird in der Nähe Wasser an mehreren Stellen abgeleitet. Es fließt in seitlich vorgelagerte Mulden ab. Damit soll der Sickerungsprozess so natürlich wie möglich ablaufen. Die sind auch für Starkregen berechnet.

Und wie verhält es sich mit dem Druck- und Stauwasser?

René Dölling: Beiderseits der Havel sind sogenannte Talsandterassen, die aus gut durchlässigem Sand aufgebaut sind. Durch diese gute Durchlässigkeit ist das Oberflächenwasser in Ufernähe der Havel direkt mit dem Grundwasser in den angrenzenden Baugrundbereichen verbunden. Wenn es stark regnet, kann das Wasser schnell in die Havel abfließen.

Und wenn die Havel Hochwasser führt?

René Dölling: Eine Gefährdung hätten wir dann, wenn die Havel so ein extremes Niveau erreicht, dass es unsere Erschließungsgebiete überstauen würde, weil sich dann nicht nur ein Rückstau, sondern auch eine direkte Überflutung einstellen würde. Das Risiko ist in den Havelauen aber selbst bei einem 100-jährigen Hochwasser nicht gegeben.

Im Flächennutzungsplan von Werder sind die Havelauen als Überflutungsgebiet ausgewiesen. Ist der Status noch aktuell?

Steffen Lehmann: Ja. Aber: 1997 wurde der künstliche Hafen gebaut. Die 300 000 Kubikmeter Hafenaushub sind in den Auen geblieben und das Wohngebiet wurde um einen Meter aufgespült. Und ja, solange kein neues Überschwemmungsgebiet festgesetzt wird, gelten die Regeln von 1990. Dadurch, dass wir aber eine ganz andere Geländesituation haben als 1990, ist das Risiko faktisch nicht mehr gegeben. Meines Wissens werden derzeit die Ergebnisse der Risikomanagement-Analyse des Landesamtes für Umwelt ausgewertet und werden wohl zu einer Neuausweisung der Überschwemmungsgebiete führen – auch in den Havelauen. René Dölling: Das zeigen auch die Hochwasserrisiko-Karten, die vom Landesamt für Umwelt Brandenburg unter anderem für das Flussgebiet der Havel herausgegeben wurden und beispielsweise das 100-jährige Hochwasser abbilden. Die blauen Bereiche sind Flächen, die bei Hochwasser unter Wasser stehen würden. Das sind in den Havelauen die Uferbereiche, die einen Meter tiefer liegen. Die bebauten Kernbereiche in den Havelauen sind aber weiß, das heißt nicht gefährdet. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Leute bei so einem Hochwasser vorkommen würden wie auf einem Deich – das wäre aber auch auf der Werderaner Insel oder auf Hermannswerder in Potsdam so.

Uwe Brühl: Das wird aber nicht passieren, weil an der Havel nach dem letzten Hochwasser 1940 weitere Flutungsgebiete im Mündungsgebiet der Havel in die Elbe frei gehalten wurden.

Steffen Lehmann: Außerdem entstanden weitere Wehre zwischen Elbe und Havel, die regulierend wirken. Ein Beispiel ist das Wehr, dass in der Stadt Brandenburg 1967 in Betrieb ging. Das Szenario, dass wir hier alle nasse Füße bekommen, könnte eintreten, wenn beispielsweise die Nordsee permanent auf die Elbe drücken würde. Ich glaube, das wird nicht mal in 1000 Jahren passieren.

Wie geht es mit der Therme weiter?

Steffen Lehmann: Es gibt keinen technischen Grund sie nicht weiterzubauen. Es läuft ein Verfahren, das kurz vor dem Abschluss steht. Da wird es, wie von der Bürgermeisterin Manuela Saß angekündigt, eine Bürger-Info geben. Der Vertrag muss dann durch die Stadtverordnetenversammlung genehmigt werden, bevor er geschlossen werden kann. Dann kann es losgehen.

Von Anne Knappe

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